|
S.4.6. Die Schlange
1.
Also habe ich vernommen.
Einstmals
weilte der Erhabene in Rájagaha im Bambushain, im Kalandakanivápa.
2.
Zu jener Zeit aber saß der Erhabene in Nacht, Dunkel und Finsternis im Freien,
und der Himmel ließ ununterbrochen regnen.
3.
Da nun nahm Mára, der Böse, in dem Wunsch, bei dem Erhabenen Angst, Zittern,
Hautschaudern hervorzurufen, die Gestalt eines großen Schlangenkönigs an und
begab sich dorthin, wo sich der Erhabene befand.
4.
Wie ein großes Boot aus einem einzigen Baumstamm, so war sein Körper. Wie eine
Branntweinseihe, *f394) so war seine Haube. Wie Erzgefäße aus dem
Kosalalande, so waren seine Augen. Wie wenn bei regensprühendem Himmel die
Blitze hervorzucken, so zuckte aus seinem Rachen die Zunge hervor. Wie der Lärm
eines fauchenden Schmiedeblasebalgs, so war der Lärm bei seinem Ein- und
Ausatmen.
5.
Aber der Erhabene wußte, daß das Mára, der Böse, sei und er redete Mára, den
Bösen, mit den Strophen an:
"Wer
da verödete Häuser aufsucht,
Heil
ihm, dem sebstbeherrschten Weisen.
Aufgebend
(die Welt) gehe er dorthin;
Denn
das ist passend für einen von solcher Art.
Viele
wilde Tiere, viele Ungeheuer, *f395)
Und
viele Stechfliegen und Schlangen:
Nicht
wird da auch nur ein Haar sich sträuben lassen *f396)
Der
große Weise, der in dem verödeten Hause weilt.
Mag
der Himmel bersten, die Erde ins Wanken geraten, *f397)
Und
mögen auch alle die Lebewesen sich ängstigen;
Und
wenn sie auch einen Spieß gegen ihre Brust gerichtet sehen: *f398)
Ihre
Lebensgüter schützen die Erleuchteten nicht." *f399)
6.
Da merkte Mára, der Böse: es kennt mich der Erhabene, es kennt mich der Führer
auf dem Heilspfad, und verschwand auf der Stelle leidvoll und betrübt.
|