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S.7.9.
Sundarika
1.
Einstmals weilte der Erhabene im Lande der Kosala, am Ufer des Flusses
Sundariká.
2.
Zu jener Zeit aber goß der Brahmane Sundarika Bháradvája (*1) am Ufer
des Flusses Sundariká (Spende) in das Feuer, veranstaltete ein Feueropfer.
3.
Nachdem nun da der Brahmane Sundarika-Bháradvája (Spende) in das Feuer gegossen
und ein Feueropfer veranstaltet hatte, erhob er sich von seinem Sitze und
beobachtete rings die vier Himmelsgegenden: "Wer soll nun diesen Überrest
des Opfermahles genießen?"
4.
Es sah aber der Brahmane Sundarika-Bháradvája den Erhabenen verhüllten Hauptes
am Fuße eines Baumes sitzen. Wie er ihn sah, nahm er mit der linken Hand den
Überrest des Opfermahles und mit der rechten Hand nahm er den Wasserkrug und
begab sich dorthin, wo sich der Erhabene befand.
5.
Da nun enthüllte der Erhabene bei dem Schall der Schritte des Brahmanen
Sundarika-Bháradvája sein Haupt.
6.
Da nun dachte der Brahmane Sundarika-Bháradvája: "Ein kahl geschorener ist
der Herr da; ein kahl geschorener ist der Herr da!", und er hatte den
Wunsch, auf der Stelle umzukehren.
7.
Da nun kam dem Brahmanen Sundarika-Bháradvája der folgende Gedanke: "Kahl
geschoren sind ja hier auch etliche Bráhmanas. Wie wäre es, wenn ich hinginge
und ihn um seine Abkunft befragte?"
8.
Da nun begab sich der Brahmane Sundarika-Bháradvája dorthin, wo sich der
Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, sprach er zu dem
Erhabenen also: "Von welcher Abkunft ist der Herr?"
9.
(Der Erhabene: (*2))
"Frage
nicht nach der Abkunft, nach dem Wandel (*3) mußt du fragen:
Aus
(irgend welchem) Brennholz entsteht das Feuer (*4).
Ein
standhafter Weiser, auch wenn er aus niedriger Familie stammt,
Ist
edel, durch Gewissenhaftigkeit bewehrt (*5).
Der
da von der Wahrheit beherrscht ist (*6), begabt mit Beherrschung (der
Sinne (*7)),
Der
an das Ziel des Wissens gelangt ist (*8), der den frommen Wandel
geführt hat,
Für
den das Opfer zubereitet ist: den sollt ihr anrufen (*9),
Zur
rechten Zeit gießt man (Spende) ins Feuer für einen,
der
würdig ist der Verehrung (*10).
10.
(Sundarika-Bháradvája:)
"Offenbar
war mein Opfer gut, war meine Spende recht,
Da
ich solch einen geschaut habe, der an das Ziel des Wissens gelangt ist.
Hätte
ich keinen gegehen, wie du einer bist,
So
würde ein andrer Mann den Überrest des Opfermahles genießen."
"Es
genieße ihn der Herr Gotama, der Herr ist ein Bráhmane."
11.
(Der Erhabene:)
"Was
durch eine Strophe ersungen ward, das darf ich nicht genießen.
Nicht
ist dies, o Brahmane, den Schauenden erlaubt.
Was
durch eine Strophe ersungen ward, das weisen die Buddhas zurück;
Wo
es sich um die Lehre handelt, da gilt, Brahmane, dieser Ausspruch.
Sonst
magst du einen vollkommenen Großen Weisen,
Bei
dem die weltlichen Einflüsse vernichtet sind,
in
dem alle Zweifel zur Ruhe gekommen,
Mit
Speise und Trank versorgen.
Denn
das ist ein Feld für den, der auf Verdienst absieht (*11)."
12.
"Aber wem soll denn ich, Herr Gotama, diesen Überrest des Opfermahles
geben?"
13.
"Nicht sehe ich, o Brahmane, in der Welt mit ihren Göttern, mit ihren
Máras und mit ihren Brahmans, im Volke mit seinen Samanas und Bráhmanas, mit
seinen Göttern und Menschen jemanden, von dem dieser Überrest des Opfermahles,
wenn genossen, richtig verdaut werden könnte, außer, o Brahmane, von einem
Tathágata oder von dem Schüler eines Tathágata. Darum, o Brahmane, streue du
diesen Überrest des Opfermahles an einer Stelle hin, wo wenig Grün ist, oder gieße
ihn in Wasser, in dem keine Lebewesen sind."
14.
Da nun goß der Brahmane Sundarika-Bháradvája diesen Überrest des Opfermahles in
Wasser, in dem keine Lebewesen waren.
15.
Wie da nun dieser Überrest des Opfermahles in das Wasser geworfen war, zischte
es und brodeltes*12, rauchte und qualmte. Gerade so, wie wenn eine
durch die Glut des Tages erhitzte Pflugschar, wenn sie in das Wasser geworfen
ist, zischt und brodelt, raucht und qualmt, ganz ebenso zischte und brodelte,
rauchte und qualmte dieser Überrest des Opfermahles, wie er in das Wasser
geworfen war.
16.
Da nun begab sich der Brahmane Sundarika-Bháradvája entsetzt und mit
gesträubten Körperhärchen dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich
dorthin begeben hatte, trat er zur Seite.
17.
Den zur Seite stehenden Brahmanen Sundarika Bháradvája redete dann der Erhabene
mit der Strophe an:
"Nicht,
o Brahmane, glaube dadurch, daß du Holz ans Feuer legst (*13),
Reinheit
zu erlangen! Nur äußerlich ist das ja.
Nicht
sprechen die Kundigen von Reinheit bei dem,
Der
die Reinigung mit äußerlichen Mitteln erstrebt.
Ich
habe aufgegeben, o Brahmane, das Anzünden von Holz,
Im
Innern aber entfache ich lichte Glut.
In
ständigem Feuer, mit ständig gesammelter Seele
Führe
ich als Vollendeter heiligen Wandel.
Dein
Stolz, o Brahmane, ist ja für dich eine Zentnerlast (*14),
Dein
Zorn ist der Rauch, in der Asche (liegt) dein Lügen (*15).
Die
Zunge (sei) der Opferlöffel, das Herz der Feueraltar,
Das
wohl beherrschte Selbst des Mannes Feuer.
Die
wahre Lehre, o Brahmane, ist ein Teich mit sittlicher Zucht als Badeplatz.
Nicht
verunreinigt, von den Frommen den Frommen gepriesen,
Wo
wahrlich die ans Ziel des Wissens Gelangten, wenn sie ihr Bad genommen haben,
Mit
unbenetzten Gliedern (*16) an das jenseitige Ufer gelangen.
Wahrheit,
rechter Glaube, Selbstzucht, heiliger Wandel,
Einhalten
der richtigen Mitte:
das,
o Brahrnane, ist die Erreichung des höchsten Zieles (*17).
Den
rechtschaffenen (Ordensbrüdern (*19)) erweise du Verehrung!
Einen
solchen Mann nenne ich einen, der in der wahren Lehre wandelt
(*20)."
18.
Auf dieses Wort hin sprach der Brahmane Sundarika Bháradvája zu dem Erhabenen
also: "Wundervoll, Herr Gotama!" usw ... (nach 1.9-11). Er wußte:
Aufgehoben ist die Geburt, gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was
zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen
Dasein.
19.
Es war aber der ehrwürdige Bháradvája einer von den Vollendeten geworden.
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