|
S.8.7.
Die Paváranáfeier
1.
Einstmals weilte der Erhabene in Sávatthí, im Pubbáráma, in dem Hause der
Mutter des Migara (*1) mit einer großen Bhikkhugemeinde, mit
fünfhundert Bhikkhus an Zahl, lauter Arahants.
2.
Zu jener Zeit aber saß der Erhabene am Uposathatage, am fünfzehnten (des
Monats) zur Paváranáfeier (*2) von der Bhikkhugemeinde umgeben im
Freien.
3.
Da nun überschaute der Erhabene die schweigende Bhikkhugemeinde und forderte
die Bhikkhus auf:
4.
"Wohlan, ihr Bhikkhus, jetzt lade ich euch ein (*3): habt ihr an
mir irgend etwas zu tadeln, sei es körperlich oder mit Worten begangen?"
5.
Auf dieses Wort hin erhob sich der ehrwürdige Sáriputta von seinem Sitz, schlug
seinen Mantel über die eine Schulter, und indem er in der Richtung, wo sich der
Erhabene befand, die zusammengelegten Hände vorstreckte, sprach er zu dem
Erhabenen also: "Wir haben, Herr, nichts an dem Erhabenen zu tadeln, sei
es körperlich oder mit Worten begangen. Der Erhabene ist es ja, der den noch
nicht entstandenen Pfad hat entstehen lassen, den noch nicht geschaffenen Pfad
geschaffen, den noch nicht verkündeten Pfad verkündet hat; er ist's, der den
Pfad kennt, den Pfad weiß, des Pfades kundig ist. Die Schüler aber, Herr,
folgen dir jetzt nach auf dem Pfade, den sie nach dir betreten haben. Hat aber
der Erhabene nicht an mir etwas zu tadeln, sei es körperlich oder mitWorten
begangen?"
6.
"Nichts habe ich an dir Sáriputta, zu tadeln, sei es körperlich oder mit
Worten begangen. Gelehrt bist du, Sáriputta, von großem Wissen bist du,
Sáriputta, von umfassendem Wissen bist du, Sáriputta, von heiterem Wissen bist
du, Sáriputta, von raschem Wissen bist du, Sáriputta, von scharfem Wissen bist
du, Sáriputta, von eindringendem Wissen bist du, Sáriputta! Gerade so,
Sáriputta, wie wenn der älteste Sohn eines Königs, der das Rad (der Herrschaft)
hat rollen lassen (*4), dieses ins Rollen gebrachte Rad in trefflicher
Weise weiter rollen läßt, ganz ebenso lässest du, Sáriputta, das von mir ins
Rollen gebrachte erhabene Rad der Lehre in trefflicher Weise weiter
rollen."
7.
"Wenn wirklich, Herr, der Erhabene an mir nichts zu tadeln hat, sei es
körperlich oder mit Worten begangen, hat aber dann, Herr, der Erhabene nicht an
diesen fünfhundert Bhikkhus hier irgend etwas zu tadeln, sei es körperlich oder
mit Worten begangen?"
8.
"Auch an diesen fünfhundert Bhikkhus, Sáriputta, habe ich nichts zu
tadeln, sei es körperlich oder mit Worten begangen. Von diesen fünfhundert
Bhikkhus, Sáriputta, sind sechzig Bhikkhus der drei Wissenschaften kundig,
sechzig Bhikkhus besitzen die sechs Wunderkräfte (*5), sechzig sind in
doppelter Weise erlöst (*6) und die übrigen sind durch Erkenntnis
erlöst."
9.
Da nun erhob sich der ehrwürdige Vangísa von seinem Sitz, schlug den Mantel
über die eine Schulter, und indem er in der Richtung, wo sich der Erhabene
befand, die zusammengelegten Hände vorstreckte, sprach er zu dem Erhabenen
also: "Es leuchtet mir etwas auf, Erhabener! Es leuchtet mir etwas auf, Pfadführer!"
10.
"Es soll dir aufleuchten, Vangísa!" sprach der Erhabene.
11.
Da nun pries der ehrwürdige Vangísa den Erhabenen in seiner Gegenwart mit den
angemessenen Strophen (*7):
"Heute
am fünfzehnten Tag der Entsühnung (*8)
Sind
fünfhundert Bhikkhus zusammen gekommen,
Die
Fesseln und Bande abgeschnitten haben,
Die
schuldlos sind, Weise, für die die Wiedergeburt vernichtet ist.
Wie
ein weltbeherrschender König, von seinen Würdenträgern umgeben,
Nach
allen Richtungen diese vom Ozean begrenzte Erde umwandert,
So
umgeben ihn, den Sieger im Kampf, den erhabenen Karawanenführer (*9)
Verehrend
seine Schüler, der drei, Wissenschaften kundig,
Überwinder
des Todes.
Alle
sind Söhne des Buddha, keine Spreu (*10) ist darunter.
Den
Zerbrecher des Speeres des Durstes, den Verwandten der Sonne verehre ich."
(
|