|
S.11.3.
Die Fahnenspitze
1-2.
Der Erhabene weilte in Sávatthí, im Jetahaine, im Parke des Anáthapindika. Da
nun redete der Erhabene die Bhikkhus an: "Ihr Bhikkhus!" "Ja,
Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.
3-5.
Der Erhabene sprach also: "In früherer Zeit einmal, ihr Bhikkhus, stand
ein Kampf zwischen den Göttern und Dämonen bevor. Da nun redete Sakka, der
Fürst der Götter, die Távatimsa-Götter an: 'So euch Göttern, ihr Verehrten,
wenn ihr, in den Kampf gezogen seid, Angst oder Zittern oder Hautschaudern
entsteht, dann möget ihr zu dieser Zeit hinaufschauen zu meiner Fahnenspitze.
Denn wenn ihr zu meiner Fahnenspitze hinauf schaut, wird Angst oder Zittern
oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.
6.
Wenn ihr aber nicht zu meiner Fahnenspitze hinauf schaut, dann möget ihr hinauf
schauen zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Pajápati (*1). Denn wenn
ihr zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Pajápati hinauf schaut, wird Angst
oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.
7.
Wenn ihr aber nicht zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Pajápati hinauf
schaut, dann möget ihr hinauf schauen, zu der Fahnenspitze des Götterkönigs
Varuna (*2). Denn wenn ihr zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Varuna
hinauf schaut, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt,
schwinden.
8.
Wenn ihr aber nicht zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Varuna hinauf schaut,
dann möget ihr hinauf schauen zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Isána
(*3). Denn wenn ihr zu der Fahnenspitze des Götterkönigs Isána hinauf
schaut, wird Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das euch befällt,
schwinden.
9.
Aber, ihr Bhikkhus, wenn sie hinauf schauen zu der Fahnenspitze des Sakka, des
Fürsten der Götter, oder wenn sie hinauf schauen zu der Fahnenspitze des
Gotterkönigs Pajápati, oder wenn sie hinauf schauen zu der Fahnenspitze des
Götterkönigs Varuna, oder wenn sie hinauf schauen zu der Fahnenspitze des
Götterkönigs Isána, dann mag Angst oder Zittern oder Hautschaudern, das sie
befällt, schwinden oder es mag auch nicht schwinden.
10.
Was ist davon die Ursache? Sakka, der Fürst der Götter ist nicht frei von
Begierde, nicht frei von Haß, nicht frei von Betörung (*4) und daher
furchtsam, zitterig, ängstlich und feige (*5).
11.
Ich aber, ihr Bhikkhus, sage euch also: So euch, wenn ihr in der Wildnis weilt,
am Fuße eines Baumes weilt, oder in einem verlassenen Hause weilt, Angst oder
Zittern oder Hautschaudern entsteht, dann sollt ihr zu dieser Zeit an mich
denken: 'So ist der Erhabene, der Vollendete, VOllkommen Erleuchtete, ist mit
Weisheit und Tugend begabt, der Führer auf dem Heilspfade, der Weltkenner, der
unübertreffliche Leiter der Menschen, die noch der Erziehung bedürfen, der
Meister der Götter und Menschen, der Buddha, der Erhabene.'
12.
Denn wenn ihr an mich denkt, ihr Bhikkhus, wird Angst oder Zittern oder
Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.
13.
Wenn ihr aber nicht an mich denkt, dann möget ihr an die Lehre denken: 'Wohl
verkündet ist vom Erhabenen die Lehre, im gegenwärtigen Dasein schon wirkend,
an keine Zeit gebunden, zu ihrer Betrachtung einladend, zum Ziele führend, aus
eigener Kraft zu verstehen von den Einsichtigen'.
14.
Denn wenn ihr an die Lehre denkt, ihr Bhikkhus, wird Angst oder Zittern oder
Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.
15.
Wenn ihr aber nicht an die Lehre denkt, dann möget ihr an die Gemeinde denken:
'Auf rechtem Weg wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf geradem Weg
wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf dem Weg der richtigen
Methode wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf dem Weg
vorschriftsmäßigen Verhaltens wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen,
nämlich die vier Paare von Persönlichkeiten, die acht Gruppen von
Persönlichkeiten. Diese Gemeinde der Jünger verdient Verehrung, verdient
gastliche Aufnahme, verdient Spenden, verdient Ehrfurchtsbezeugung mit
gefalteten Händen; sie ist das beste Feld für verdienstliche Werke der Laienwelt.'
16.
Denn wenn ihr an die Gemeinde denkt, ihr Bhikkhus, wird Angst oder Zittern oder
Hautschaudern, das euch befällt, schwinden.
17.
Was ist davon die Ursache? Der Tathágata, ihr Bhikkhus, ist ein Vollendeter,
frei von Begierde, frei von Haß, frei von Betörung und daher nicht furchtsam,
nicht zitterig, nicht ängstlich und nicht feige."
18.
Also sprach der Erhabene (*6). Und nachdem der Führer auf dem Heilspfad
also gesprochen, verkündete der Meister noch folgendes:
"In
der Wildnis, am Fuße eines Baumes, in einem verlassenen Hause, ihr Bhikkhus
Sollt
ihr an den Vollkommen Erleuchteten denken, damit euch keine Angst befällt.
Wenn
ihr aber nicht an den Buddha denkt,
den
höchsten in der Welt, den besten der Männer,
Dann
sollt ihr an die Lehre denken, die befreiende, wohl gepredigte.
Wenn
ihr aber nicht an die Lehre denkt, die befreiende, wohl gepredigte,
Dann
sollt ihr an die Gemeinde denken,
die
das beste Feld ist für verdienstliche Werke.
Wenn
ihr so an den Buddha denkt, an die Lehre und an die Gemeinde,
Wird
keine Angst oder Zittern oder Hautschaudern euch befallen."
(
|