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S.12.15.
Der Sproß aus dem Hause Kaccáyana
In diesem Sutta § 6
begegnet uns eine Reihe von Terminis, die kurzer Erläuterung bedürfen.
"Aufsuchen, Erfassen, Dabeiverbleiben" (= p. upáya, upádána,
vinivesa) beziehen sich auf unser Verhältnis zu den empirischen Dingen. Sie
stellen eine Klimax dar, durch welche die stufenweise sich vollziehende
Verbindung des Denkens mit den Objekten zum Ausdruck gebracht wird. Durch sie
wird der Geist an die Objekte "gefesselt". Auf das cetas bezogen,
werden die Ausdrücke "Wollen" (adhitthána), "Eindringen"
(abhinivesa) und "Beharren" (anusaya) gebraucht. Ebenso
steht Samyutta 22.3.9 (= III. 10), Majjhima 112 (= III. 30-31) usw. rúpe
(vedanáya,saññáya,samkháre,viññáne) upáyúpádána cetaso
adhitthánábhini-vesánusaya. Der Ausdruck vinivesa fehlt in diesen
Stellen; es scheint also, daß es in den unsrigen die drei vom cetas ausgesagten
Begriffe zusammenfassend vorweg nimmt.
Der Sinn von ist dieser:
Der Buddhajünger, der weiß, daß es keine Seele gibt, daß das, was man so nennt,
nur Leiden d.h. etwas Vergängliches ist, das entsteht und vergeht, nämlich nur
das Aggregat der "Wesensbestandteile" (vgl. die Anm. zu Sutta 2, 4),
- der läßt sich nicht durch die Objekte fesseln, der hat die "richtige
Einsicht" in das Wesen der Dinge.
1.
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2.
Und es begab sich der würdige Sproß aus dem Hause Kaccáyana *f27)
dorthin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben und den
Erhabenen ehrfürchtig begrüßt hatte, setzte er sich zur Seite nieder.
3.
Zur Seite sitzend, sprach dann der würdige Sproß aus dem Hause Kaccáyana zu dem
Erhabenen also: "Rechte Einsicht, rechte Einsicht, Herr, sagt man. In wie
weit, Herr, gibt es nun rechte Einsicht?"
4.
"Auf zweierlei (Möglichkeit) kommt, Kaccáyana, diese Welt zumeist hinaus
*f28), auf Sein und auf Nichtsein.
5.
Für den nun, Kaccáyana, der den Ursprung der Welt der Wirklichkeit gemäß mit
richtigem Verständnis betrachtet, gibt es das nicht, was in der Welt
,Nichtsein' (heißt); für den aber, Kaccayana, der die Aufhebung der Welt der
Wirklichkeit gemäß mit richtigem Verständnis betrachtet, gibt es das nicht, was
in der Welt ,Sein' (heißt).
6.
Durch Aufsuchen, Erfassen und Dabeiverbleiben *f29) ist ja, Kaccáyana,
diese Welt zumeist gefesselt. Wenn nun jemand *f30), Kaccáyana, dieses
Aufsuchen und Erfassen, das Wollen des Denkens, sein Eindringen und
Darinbeharren nicht aufsucht, nicht erfaßt, nicht dazu den Willen hat in dem
Gedanken: es ist in mir kein Ich *f31), - und wenn er dann daran, daß
Leiden alles ist, was entsteht und Leiden alles ist, was vergeht, nicht
zweifelt und kein Bedenken hat und infolge seines ausschließlichen Vertrauens
*f32) schon das Wissen hievon besitzt - in so weit, Kaccáyana, gibt es
rechte Einsicht.
7.
,Alles Ist', das, Kaccáyana, ist das eine Ende. ,Alles ist nicht, das ist das
andere Ende. Diese beiden Enden vermeidend, verkündet in der Mitte der
Tathágata seine Lehre:
8.
Aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen; aus den Gestaltungen
als Ursache entsteht das Bewußtsein usw. usw. Auf solche Art kommt der Ursprung
der ganzen Masse des Leidens zu stande. Aus dem restlosen Verschwinden aber und
der Aufhebung des Nichtwissens folgt Aufhebung der Gestaltungen; aus der
Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung des Bewußtseins usw., usw. Auf
solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zu stande."
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