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S.12.16.
Der Wahrheitskünder
Der Ausdruck dhammakathika,
den ich hier mit "Wahrheitskünder" wiedergebe, ist eine
Ehrenbezeichnung für solche Bhikkhus, die besonders eindrucksvolle Prediger der
Buddhalehre, des dhamma, sind. Anguttara Nik. II, S. 23 wird Punna, der
Sohn der Mantáni, als der erste der dhammakathika genannt, S. 52
Dhammadinná als die erste unter den Bhikkhunís. Das Wort dhamma kehrt
dann in 5 wieder in dhammánudhammapatipanna. Es bedeutet hier
"wahre Lehre". Vgl. M. und W. Geiger, Páli Dhamma, S. 115 ff. In ditthadhammanibbánappatta
(vgl. ebenda, S. 99 ff.) in 6 endlich ist es "Zustand"; ditthadhamma
"der gegenwärtige Zustand, das gegenwärtige Dasein". - Die
Ausdrücke nibbidá "Widerwillen" virága "Verschwinden",
nirodha "Aufhebung stellen wieder eine Klimax dar. Der erste
bezeichnet die Abneigung gegen die empirischen Dinge, die entsteht, sobald man
ihre Nichtigkeit erkannt hat. Der zweite, wtl. "das Entfärben,
Verblassen" sagt aus, daß die Dinge nicht mehr auf das Denken abfärben. Im
Bhásya zu den Yogasútras 1. 41 wird unser Denken mit einem durchsichtigen
farblosen Kristall verglichen, der die Farbe der Unterlage annimmt, d.h. auf
einem roten Tuche liegend, rot, auf einem blauen, blau usw. erscheint. Es
"verschwinden" also für den, der auf dem Weg zur Erlösung ist, die
weltlichen Dinge. Subjektiv ist virága die völlige Gleichgültigkeit
ihnen gegenüber. Durch nirodha endlich wird die aus virága sich
ergebende Aufhebung aller Beziehungen zu den Dingen und damit des Samsára, der
Wiedergeburten, zum Ausdruck gebracht.
1.
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2.
Und es begab sich ein Bhikkhu dorthin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er
sich dorthin begeben und den Erhabenen ehrfürchtig begrüßt hatte, setzte er
sich zur Seite nieder.
3.
Zur Seite sitzend sprach dann der Bhikkhu zu dem Erhabenen also:
"Wahrheitskünder, Wahrheitskünder, Herr, sagt man.
4.
"Wenn ein Bhikkhu zum Widerwillen gegen Alter und Tod, zu ihrem
Verschwinden und ihrer Aufhebung *f33) die wahre Lehre predigt, so mag
man füglich sagen: ein Wahrheitskünder ist der Bhikkhu.
5.
Wenn ein Bhikkhu nach dem Widerwillen gegen Alter und Tod, nach ihrem
Verschwinden und ihrer Aufhebung wandelnd strebt *f34), so mag man
füglich sagen: einer, der gemäß der wahren Lehre wandelt, ist der Bhikkhu.
6.
Wenn ein Bhikkhu durch den Widerwillen gegen Alter und Tod, durch ihr
Verschwinden und ihre Aufhebung, ohne an irgend etwas zu haften, erlöst ist, so
mag man füglich sagen: einer, der bei Lebzeiten das Nirvana erreicht hat, ist
der Bhikkhu.
7.
Wenn ein Bhikkhu zum Widerwillen gegen Geburt - gegen Werden - gegen Erfassen -
gegen Durst - gegen Empfindung - gegen Berührung - gegen die sechs
Sinnesbereiche - gegen Name und Form - gegen Bewußtsein - gegen die
Gestaltungen - wenn ein Bhikkhu zum Widerwillen gegen das Nichtwissen, zu
seinem Verschwinden und seiner Aufhebung die wahre Lehre predigt, dann mag man
füglich sagen: ein Wahrheitskünder ist der Bhikkhu.
8.
Wenn ein Bhikkhu nach dem Widerwillen gegen Geburt - gegen Werden - gegen
Erfassen - gegen Durst - gegen Empfindung - gegen Berührung - gegen die sechs
Sinnesbereiche - gegen Name und Form - gegen Bewußtsein - gegen die
Gestaltungen - wenn ein Bhikkhu nach dem Widerwillen gegen das Nichtwissen,
nach seinem Verschwinden und seiner Aufhebung wandelnd strebt, so mag man
füglich sagen: einer der gemäß der wahren Lehre wandelt, ist der Bhikkhu.
9.
Wenn ein Bhikkhu durch den Widerwillen gegen Geburt - gegen Werden - gegen
Erfassen - gegen Durst - gegen Empfindung - gegen Berührung - gegen die sechs
Sinnesbereiche - gegen Name und Form - gegen Bewußtsein - gegen die
Gestaltungen - wenn ein Bhikkhu durch Widerwillen gegen das Nichtwissen, durch
sein Verschwinden und seine Aufhebung, ohne irgend etwas zu erfassen, erlöst
ist, so mag man füglich sagen: einer, der bei Lebzeiten das Nirvana erreicht
hat, ist der Bhikkhu."
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