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S.12.22. Die zehn Kräfte (2)
Der Ausdruck mandapeyyam
in 8 "ein Feintrank, der genossen werden darf", hat mit dem
Verbum mandápeti nichts zu tun. Es zerlegt sich (vgl. auch den Komm. II.
66.3 ff.) in manda, womit bei einem Getränke die feinsten, obenauf
schwimmenden Bestandteile gemeint sind (Komm. = pasanna "rein"),
und in peyya. Durch das letztere Wort wird der "Feintrank" des
brahmacariya in Gegensatz gebracht zu Getränken, wie etwa Spirituosen,
die wohl auch "rein" sind, die man aber nicht trinken soll. "Ein
Getränk, nach dessen Genuß man auf offener Straße hinfällt und besinnungslos
nicht mehr Herr über seine Kleider usw. ist, ein solches darf man, auch wenn es
rein ist, nicht trinken." (Komm.) Warum aber der "Feintrank des heiligen
Wandels" genossen werden darf, ist mit den folgenden Worten satthá
sammukhíbhúto begründet. Jedem brahmacárin ist der Buddha als sein
Ideal und Vorbild stets vor Augen. Der Buddha ist also bei allen asketischen
Übungen gewissermaßen zugegen. Auch das erläutert der Kommentar an einem
"weltlichen" Beispiel. Wie der Kranke, wenn der Arzt nicht zugegen
ist, nicht weiß, wie viel er von der Arznei nehmen darf und wann er sie zu
nehmen hat, in Gegenwart des Arztes aber ohne Bedenken von ihr trinkt, so mag man
auch unter der geistigen Leitung des Meisters als des "Herren des dhamma"
sich dem brahmacarya hingeben.
1.
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2-4.
"Mit den zehn Kräften ausgestattet, ihr Bhikkhus, usw. usw. (= Sutta 21.
2-4) ... Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zu
stande.
5.
So ist von mir, ihr Bhikkhus, die Wahrheit wohl verkündet, dargelegt,
erschlossen, geoffenbart, entschleiert worden *f61).
6.
Nachdem aber so von mir, ihr Bhikkhus, die Wahrheit wohl verkündet, dargelegt,
erschlossen, geoffenbart, entschleiert worden, da ist es recht, wenn ein Sohn
aus gutem Hause, der in seinem Glauben von der Welt sich abgekehrt hat, die
Energie (der Askese) anspannt: "Mag immerhin nur Haut und Sehnen und
Knochen übrig bleiben und im Körper Fleisch und Blut mir vertrocknen: bis ich
das, was durch eines Mannes Mut, eines Mannes Energie, eines Mannes
Entschlossenheit erreichbar ist, erreicht habe, wird meine Energie Bestand
haben.'
7.
Übel lebt, ihr Bhikkhus, der Träge: verstrickt in böse, schlimme Dinge versäumt
er das große segensreiche Ziel *f62). Der Energische aber, ihr
Bhikkhus, lebt wohl: frei von bösen, schlimmen Dingen erreicht er das große
segensreiche Ziel.
8.
Nicht ist, ihr Bhikkhus, einem Niedrigen die Erreichung des Höchsten möglich,
aber einem Hohen ist die Erreichung des Höchsten möglich. Ein Feintrank, der
genossen werden darf, ist dieser heilige Wandel; der Meister steht leibhaftig
vor Augen. Darum, ihr Bhikkhus, wendet Energie auf zur Erreichung des
Nichterreichten, zur Verwirklichung des Nichtverwirklichten.
9.
Auf diese Weise wird unsere Weltabkehr nicht vergeblich sein, sie wird Frucht
und Ergebnis haben, und die Guttaten der Leute, von denen wir genießen, was wir
an Kleidung, Nahrung, Wohnung und an Bedarf und Arznei für die Kranken nötig
haben, werden an uns reiche Frucht und reichen Segen tragen.
10.
Denn so, ihr Bhikkhus, müßt ihr lernen: hat man, ihr Bhikkhus, das eigene Wohl
im Auge, so ist es recht, unermüdlich zu streben. Oder hat man, ihr Bhikkhus,
das Wohl der anderen im Auge, so ist es recht, unermüdlich zu streben. Oder hat
man, ihr Bhikkhus, beider Wohl im Auge, so ist es recht, unermüdlich zu
streben."
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