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S.12.24. Die Andersgläubigen
1.
Ort der Begebenheit: Rájagaha im Veluvana.
2.
Da nun kleidete sich der ehrwürdige Sáriputta zur Vormittagszeit an, nahm
Almosenschale und Obergewand und begab sich, Almosen zu sammeln, nach Rájagaha.
3.
Da nun kam dem ehrwürdigen Sáriputta der Gedanke: "Es ist noch zu früh am
Tage, um in Rájagaha Almosen zu sammeln. Wie wäre es, wenn ich mich dorthin
begäbe, wo der Garten *f68) der andersgläubigen Bettelgänger sich
befindet?"
4.
Da nun begab sich der ehrwürdige Sáriputta dorthin, wo der Garten der
andersgläubigen Bettelgänger sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben,
begrüßte er sich mit den andersgläubigen Bettelgängern, und nachdem er mit
ihnen die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich
zur Seite nieder. Zu dem zur Seite sitzenden ehrwürdigen Bettelgänger also:
5.
"Es gibt, verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der
Lehre vom Kamma *f69), die verkünden, daß das Leiden selbst verursacht
sei. Es gibt aber auch, verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas,
Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden von einem anderen
verursacht sei. Es gibt (ferner), verehrter Sáriputta, etliche Samanas und
Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden sowohl
selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei. Es gibt aber auch,
verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom
Kamma, die verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem
anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei.
6.
Was aber sagt hierüber, verehrter Sáriputta, der Samana Gotama und was lehrt
er? Wie müssen wir Bescheid geben, damit wir das, was der Samana Gotama
behauptet hat, richtig wiedergeben und nicht gegen den Samana Gotama fälschlich
einen Vorwurf erheben, damit wir seiner Lehre gemäß Bescheid geben, und damit
nicht irgend eine logisch begründete Verfolgung seiner Behauptungen zu einem
Punkt gelangt, aus dem man einen Tadel ableiten muß *f70)?"
7.
"Ursächlich entstanden, verehrte Herrn, ist das Leiden, so hat der Erhabene
behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn man so sagt,
wird man das, was der Erhabene behauptet hat, richtig wiedergeben und nicht
gegen den Erhabenen fälschlich einen Vorwurf erheben; wird man seiner Lehre
gemäß Bescheid geben, und keine logisch begründete Verfolgung seiner
Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen, aus dem man einen Tadel ableiten
muß.
8.
Wenn nun da, verehrte Herrn, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom
Kamma, verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses
(Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn ferner Samanas
und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden von
einem anderen verursacht sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der Berührung
als Ursache (entstanden). Und wenn ferner Samanas und Bráhmanas, Anhänger der
Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden sowohl selbst verursacht als auch
von einem anderen verursacht sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der
Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas,
Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt,
auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, so
(ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden).
9.
Wenn da, verehrte Herrn, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders
empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor *f71).
Und wenn ferner Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden,
daß das Leiden von einem anderen verursacht sei, können diese Leute anders
empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor. Und wenn ferner
Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden
sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei, können
diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht
vor. Und wenn ferner Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß das Leiden sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen
verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein,
dieser Fall kommt nicht vor. Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger
der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht
von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können diese
Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor.
10.
Es hatte aber der ehrwürdige Ananda der Unterredung des ehrwürdigen Sáriputta
mit den andersgläubigen Bettelgängern zugehört.
11.
Nachdem nun der ehrwürdige Ananda seinen Almosengang in Rájagaha beendigt
hatte, begab er sich nach der Mahlzeit, vom Almosengang zurückgekehrt, dahin,
wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben und den Erhabenen
ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, setzte er sich zur Seite nieder. Zur Seite
sitzend berichtete nun der ehrwürdige Ananda dem Erhabenen die ganze
Unterredung, die der ehrwürdige Sáriputta mit den andersgläubigen Bettelgängern
gehabt hatte.
12.
"Gut, gut, Ananda! Auf solche Weise wird Sáriputta richtigen Bescheid
geben. Ursächlich entstanden, Ananda, ist das Leiden, so habe ich behauptet.
Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn er so sagt, wird er das,
was ich behauptet habe, richtig wiedergeben und nicht gegen mich fälschlich
einen Vorwurf erheben; er wird meiner Lehre gemäß Bescheid geben und keine
logisch begründete Verfolgung meiner Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen,
aus dem man einen Tadel ableiten muß.
13.
Wenn nun da, Ananda, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses (Leiden) aus der
Berührung als Ursache (entstanden) usw. usw. (= 8) ... Und wenn endlich Samanas
und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß das Leiden nicht
selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall
entstanden sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus der Berührung als
Ursache (entstanden).
14.
Wenn da, Ananda, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders
empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor usw. usw. (=
9) . . . Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen
bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können diese Leute anders
empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor.
15.
Einstmals, Ananda, weilte ich auch hier in Rájagaha, im Veluvana, beim
Kalandakanivápa.
16.
Da nun, Ananda, kleidete ich mich zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und
Obergewand und begab mich, Almosen zu sammeln, nach Rájagaha.
17.
Da nun kam mir, Ananda, der Gedanke: ,Es ist noch zu früh am Tage, um in
Rájagaha Almosen zu sammeln. Wie wäre es, wenn ich mich dorthin begäbe, wo der
Garten der andersgläubigen Bettelgänger sich befindet?'
18.
Da nun, Ananda, begab ich mich dorthin, wo der Garten der andersgläubigen
Bettelgänger sich befand. Nachdem ich mich dorthin begeben, begrüßte ich mich
mit den andersgläubigen Bettelgängern und nachdem ich mit ihnen die (üblichen)
Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte ich mich zur Seite nieder.
Zu mir, während ich zur Seite saß, sprachen nun die andersgläubigen
Bettelgänger also:
19.
,Es gibt, verehrter Gotama, etliche Samanas und Brähmanas, Anhänger der Lehre
vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei. Es gibt aber
auch, verehrter Gotama, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom
Kamma, die verkünden, daß das Leiden von einem anderen verursacht sei. Es gibt
(ferner), verehrter Gotama, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre
vom Kamma, die verkünden, daß das Leiden sowohl selbst verursacht als auch von
einem anderen verursacht sei. Es gibt aber auch, verehrter Gotama, etliche
Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß das
Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern
durch Zufall entstanden sei.
20.
Was aber sagt uns hierüber der ehrwürdige Gotama und war lehrt er? Wie müssen
wir Bescheid geben, damit wir das, was der ehrwürdige Gotama behauptet hat,
richtig wiedergeben und nicht gegen den ehrwürdigen Gotama fälschlich einen
Vorwurf erheben? Damit wir seiner Lehre gemäß Bescheid geben, und damit nicht
irgend eine logisch begründete Verfolgung seiner Behauptungen zu einem Punkt
gelangt, aus dem man einen Tadel ableiten muß?'
21.
So angeredet, erwiderte ich, Ananda, den andersgläubigen Bettelgängern
folgendes: Ursächlich entstanden, verehrte Herrn, ist das Leiden, so habe ich
behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn man so sagt,
wird man das, was ich behauptet habe, richtig wiedergeben und nicht gegen mich
fälschlich einen Vorwurf erheben; wird man meiner Lehre gemäß Bescheid geben,
und keine logische Verfolgung meiner Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen,
aus dem man einen Tadel ableiten muß.
22.
Wenn nun da, verehrte Herrn, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom
Kamma, verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses
(Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden) usw. usw. (= 8) ... Und
wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden,
daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt,
sondern; durch Zufall entstanden sei, so (ist) dieses (Leiden) gleichfalls aus
der Berührung als Ursache (entstanden).
23.
Wenn da, verehrte Herrn, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß das Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders
empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor usw. usw. (=
9) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß das Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen
bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können diese Leute anders
empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor."
24.
"Wunderbar, Herr, unvergleichlich, Herr, wie da mit einem einzigen Wort
der ganze Gegenstand ausgesprochen ist. Es würde gewiß, Herr, dieser
Gegenstand, in Ausführlichkeit dargestellt, tief sein und tief erscheinen
*f72)."
25.
"Darum soll Ananda" dir selber das aufleuchten *f73)."
26.
"Wenn man mich, Herr, so fragen würde: ,Was haben, verehrter Ananda, Alter
und Tod zur Ursache, was haben sie zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur
Entstehung?' So gefragt, Herr, würde ich also antworten: ,Alter und Tod,
Verehrter, haben die Geburt zur Ursache, die Geburt zum Ursprung, die Geburt
zur Herkunft, die Geburt zur Entstehung.' So gefragt, Herr, würde ich also antworten.
27.
Wenn man mich, Herr, so fragen würde: ,Die Geburt aber, verehrter Ananda, was
hat sie zur Ursache, was zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung?'
So gefragt, Herr, würde ich also antworten: ,Die Geburt, Verehrter hat das
Werden zum Ursprung, das Werden zur Herkunft, das Werden zur Entstehung. So
gefragt, Herr, würde ich also antworten.
28-31.
Wenn man mich, Herr, so fragen würde: ,Das Werden - das Erfassen, - der Durst -
die Empfindung - die Berührung aber, verehrter Ananda, was hat sie zur Ursache,
was zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung? So gefragt, Herr, würde
ich also antworten: ,die Berührung, Verehrter, hat die sechs Sinnesbereiche zur
Ursache, die sechs Sinnesbereiche zum Ursprung, die sechs Sinnesbereiche zur
Herkunft, die sechs Sinnesbereiche zur Entstehung. Aus dem restlosen
Verschwinden aber und der Aufhebung der sechs Sinnesbereiche folgt Aufhebung
der Berührung; aus der Aufhebung der Berührung folgt Aufhebung der Empfindung;
aus der Aufhebung der Empfindung folgt Aufhebung des Durstes; aus der Aufhebung
des Durstes folgt Aufhebung des Erfassens; aus der Aufhebung des Erfassens
folgt Aufhebung des Werdens; aus der Aufhebung des Werdens folgt Aufhebung der
Geburt; durch Aufhebung der Geburt werden Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid,
Betrübnis und Verzweiflung aufgehoben. Auf solche Art kommt die Aufhebung der
ganzen Masse des Leidens zu stande. So gefragt Herr, würde ich also antworten.
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