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S.12.25. Bhúmija
Der Name Bhúmija
bedeutet das gleiche wie "autochthon". Er wird zur Bezeichnung
indischer Aboriginerstämme verwendet. So gibt es z. B. einen "Bhumij"
genannten Stamm, der im Grenzgebiet von Bengalen und Chota Nagpur zwischen
Santals und Ho eingesprengt ist und nach dem Census von 1911 über 400 000
Individuen zählte. Man darf vielleicht annehmen, daß der Bhikkhu dieses Namens
aus dem hinduisierten Teile eines solchen Stammes hervorgegangen war. - Der
Bhikkhu Bhúmija begegnet uns auch in dem nach ihm benannten Sutta Nr. 126 des
Majjhima-Nikáya (= III, S.138ff.).
1.
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2.
Als der ehrwürdige Bhúmija sich um die Abendzeit aus seiner Zurückgezogenheit
erhoben hatte, begab er sich dorthin, wo der ehrwürdige Sáriputta sich befand,
begrüßte sich mit dem ehrwürdigen Sáriputta, und nachdem er mit ihm die
(üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite
nieder. - Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Bhúmija zu dem
ehrwürdigen Sáriputta also:
3.
"Es gibt, verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der
Lehre vom Kamma, die verkünden, daß Lust und Leiden *f74) selbst
verursacht sei. Es gibt aber auch, verehrter Sáriputta, etliche Samanas und
Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß Lust und Leiden von
einem anderen verursacht sei. Es gibt (ferner), verehrter Sáriputta, etliche
Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß Lust
und Leiden sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei.
Es gibt aber auch, verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger
der Lehre vom Kamma. die verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt,
auch nicht von einem andern bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei.
4.
Was sagt uns hierüber, verehrter Sáriputta, der Erhabene, und was lehrt er? Wie
müssen wir Bescheid geben, damit wir das, was der Erhabene behauptet hat, richtig
wiedergeben und nicht gegen den Erhabenen fälschlich einen Vorwurf erheben,
damit wir seiner Lehre gemäß Bescheid geben, und damit nicht irgend eine
logisch begründete Verfolgung seiner Behauptungen zu einem Punkt gelangt, aus
dem man einen Tadel ableiten muß (*f70)?"
5.
"Ursächlich entstanden, Verehrter, ist Lust und Leiden, so hat der
Erhabene behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn man so
sagt, wird man das, was der Erhabene behauptet hat, richtig wiedergeben und
nicht gegen den Erhabenen fälschlich einen Vorwurf erheben; wird man seiner
Lehre gemäß Bescheid geben, und keine logisch begründete Verfolgung seiner
Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen, aus dem man einen Tadel ableiten
muß.
6.
Wenn da, Verehrter, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß Lust und Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses (Lust und
Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn ferner usw. usw.
(= 24. 8) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom
Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von
einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, so (ist) dieses
(Lust und Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden).
7.
Wenn da, Verehrter, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß Lust und Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders
empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor. Und wenn
ferner usw. usw. ( = 24. 9) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas,
Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst
bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden
sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall
kommt nicht vor".
8.
Es hatte aber der ehrwürdige Ananda der Unterredung des ehrwürdigen Sáriputta
mit dem ehrwürdigen Bhúmija zugehört.
9.
Und es begab sich der ehrwürdige Ananda dahin, wo sich der Erhabene befand.
Nachdem er sich dorthin begeben und den Erhabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatte,
setzte er sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend berichtete nun der
ehrwürdige Ananda dem Erhabenen die ganze Unterredung, die der ehrwürdige
Sáriputta mit dem ehrwürdigen Bhúmija gehabt hatte.
10.
"Gut, gut, Ananda! Auf solche Weise wird Sáriputta richtigen Bescheid
geben. Ursächlich entstanden, Ananda, ist Lust und Leiden, so habe ich
behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn er so sagt,
wird er das, was ich behauptet habe, richtig wiedergeben und nicht gegen mich
fälschlich einen Vorwurf erheben; er wird meiner Lehre gemäß Bescheid geben,
und keine logisch begründete Verfolgung meiner Behauptungen wird zu einem Punkt
gelangen, aus dem man einen Tadel ableiten muß.
11.
Wenn da, Ananda, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß Lust und Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses (Lust und
Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn ferner usw. usw.
(= 24. 8) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom
Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von
einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, so (ist) dieses
(Lust und Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden).
12.
Wenn da, Ananda, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma,
verkünden, daß Lust und Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders
empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fallkommt nicht vor. Und wenn
ferner usw. usw. (= 24. 9) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger
der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt, auch
nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können
diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht
vor.
13.
Wenn da, Ananda, körperliches Tun stattfindet, so entsteht wegen des
Bewußtwerdens des körperlichen Tuns *f76) für die eigene Person Lust
und Leiden. Oder wenn da, Ananda, Reden stattfindet, so entsteht wegen des
Bewußtwerdens des Redens für die eigene Person Lust und Leiden. Oder wenn da,
Ananda, Denken stattfindet, so entsteht wegen des Bewußtwerdens des Denkens für
die eigene Person Lust und Leiden.
14.
Durch das Nichtwissen als Ursache bringt man entweder selber, Ananda, eine
Gestaltung des körperlichen Tuns hervor *f77), infolge deren einem für
die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber andere, Ananda, bringen
eine Gestaltung des körperlichen Tuns hervor, infolge deren einem für die
eigene Person Lust und Leiden entsteht. Mit Überlegung entweder, Ananda, bringt
man eine Gestaltung des körperlichen Tuns hervor, infolge deren einem für die
eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber ohne Überlegung, Ananda,
bringt man eine Gestaltung des körperlichen Tuns hervor, infolge deren einem
für die eigene Person Lust und Leiden entsteht.
15.
Entweder selber, Ananda, bringt man eine Gestaltung des Redens hervor, infolge
deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber andere
bringen eine Gestaltung des Redens hervor, infolge deren einem für die eigene
Person Lust und Leiden entsteht. Mit Überlegung entweder, Ananda, bringt man
eine Gestaltung des Redens hervor, infolge deren einem für die eigene Person
Lust und Leiden entsteht; oder aber ohne Überlegung, Ananda, bringt man eine
Gestaltung des Redens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust
und Leiden entsteht.
16.
Entweder selber, Ananda, bringt man eine Gestaltung des Denkens hervor, infolge
deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber andere,
Ananda, bringen eine Gestaltung des Denkens hervor, infolge deren einem für die
eigene Person Lust und Leiden entsteht. Mit Überlegung entweder, Ananda, bringt
man eine Gestaltung des Denkens hervor, infolge deren einem für die eigene
Person Lust und Leiden entsteht; oder aber ohne Überlegung, Ananda, bringt man
eine Gestaltung des Denkens hervor, infolge deren einem für die eigene Person
Lust und Leiden entsteht.
17.
In diesen sechs Fällen, Ananda, ist man auf das Nichtwissen (als letzten Grund)
hinaus gekommen *f78). Nach restlosem Verschwinden aber, Ananda, und
nach Aufhebung des Nichtwissens gibt es kein körperliches Tun, infolge dessen
einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht, - gibt es kein Reden,
infolge dessen einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht, - gibt es
kein Denken, infolge dessen einem für die eigene Person Lust und Leiden
entsteht. Es gibt da kein Feld, es gibt da keine Grundlage, es gibt da keinen
Bereich, es gibt da keine Beziehung *f79), infolge deren einem für die
eigene Person Lust und Leiden entsteht."
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