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S.12.33. Die Gegenstände des
Wissens (1)
1.
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2.
"Ich will euch, ihr Bhikkhus, die vierundvierzig Gegenstände des Wissens
*f103) lehren; höret zu, merket wohl auf, ich will es euch
verkünden." "Wohl, Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend
dem Erhabenen.
3.
Der Erhabene sprach also: "Welches sind nun, ihr Bhikkhus, die
vierundvierzig Gegenstände des Wissens?
4.
Das Wissen von Alter und Tod, das Wissen vom Ursprung von Alter und Tod, das
Wissen von der Aufhebung von Alter und Tod, das Wissen von dem zur Aufhebung
von Alter und Tod führenden Weg.
5-14.
Das Wissen von der Geburt - vom Werden, vom Erfassen, vom Durst, von der
Empfindung, von der Berührung, von den sechs Sinnesbereichen, von Name und
Form, vom Bewußtsein, - das Wissen von den Gestaltungen, das Wissen vom
Ursprung der Gestaltungen, das Wissen von der Aufhebung der Gestaltungen, das
Wissen von dem zur Aufhebung der Gestaltungen führenden Weg. - Diese heißen,
ihr Bhikkhus, die vierundvierzig Gegenstände des Wissens.
(Vgl.
zum folg. oben Sutta 12.2.4 und Sutta 12.27.3)
15.
Was aber, ihr Bhikkhus, ist Alter und Tod? Das Altern der verschiedenen
Einzelwesen in den verschiedenen Klassen von Wesen, ihr Hinsiechen, ihr
Gebrechlichwerden, das Ergrauen der Haare, das Welkwerden der Haut, die Abnahme
der Lebenskraft, der Verfall der Sinne: das heißt Alter. - Das Fortgehen und
Ausscheiden der verschiedenen Einzelwesen aus den verschiedenen Klassen von
Wesen, ihre Vernichtung, ihr Verschwinden, ihr Hingang und Sterben, der Ablauf
der Lebenszeit, die Vernichtung der Wesensbestandteile, das Abwerfen der
Leiblichkeit: das heißt Tod. So ist dieses das Alter, dieses der Tod das, ihr
Bhikkhus, heißt Alter und Tod.
16.
Aus dem Ursprung der Geburt folgt der Ursprung von Alter und Tod, aus der
Aufhebung der Geburt folgt die Aufhebung von Alter und Tod, der edle
achtgliedrige Pfad ist der zur Aufhebung von Alter und Tod führende Weg,
nämlich: rechte Anschauung, rechtes Wollen, rechtes Reden, rechtes Tun, rechte
Lebensführung, rechtes Sichbemühen, rechtes Sichbesinnen, rechte geistige
Sammlung.
17.
Wann nun, ihr Bhikkhus, ein edler Jünger auf diese Weise Alter und Tod kennt,
auf diese Weise den Ursprung von Alter und Tod kennt, auf diese Weise die
Aufhebung von Alter und Tod kennt, auf diese Weise den zur Aufhebung von Alter
und Tod führenden Weg kennt:
18.
Das ist für ihn das Wissen von der Wahrheit *f105). Vermöge dieser
Wahrheit, die er geschaut und erkannt hat, die an keine Zeit gebunden ist, die
er erreicht und durchdrungen hat *f106), zieht er in Bezug auf
Vergangenheit und Zukunft die Schlußfolgerung:
19.
Alle die Samanas oder Bráhmanas, die in der vergangenen Zeit Alter und Tod
begriffen haben, den Ursprung von Alter und Tod begriffen haben, die Aufhebung
von Alter und Tod begriffen haben, den zur Aufhebung von Alter und Tod
führenden Weg begriffen haben, - alle diese haben das ganz in der gleichen
Weise begriffen, wie auch ich eben jetzt.
20.
Und alle die Samanas oder Bráhmanas, die in der zukünftigen Zeit Alter und Tod
begreifen werden, den Ursprung von Alter und Tod begreifen werden, die
Aufhebung von Alter und Tod begreifen werden, den zur Aufhebung von Alter und
Tod führenden Weg begreifen werden - alle diese werden das ganz in der gleichen
Weise begreifen wie auch ich eben jetzt: das ist für ihn das Wissen von der
(notwendigen) Folge *f107).
21.
Wann nun, ihr Bhikkhus, ein edler Jünger dieses doppelte Wissen gereinigt und
geläutert besitzt, das Wissen von der Wahrheit und das Wissen von der
(notwendigen) Folge: ein solcher, ihr Bhikkhus, heißt ein edler Jünger, der mit
(richtiger) Anschauung begabt ist, der mit Einsicht begabt ist, der zu dieser
guten Lehre gelangt ist, der diese gute Lehre schaut, der die Erkenntnis des
Strebenden besitzt, der das Wissen des Strebenden besitzt, der mit dem Ohr der
Wahrheit begabt ist, ein edler, der die (in die höchste Wahrheit) eindringende
Erkenntnis besitzt, der da anpocht an die Pforte des Nirvana.
22-30.
Was aber, ihr Bhikkhus, ist Geburt - Werden - Erfassen - Durst - Empfindung -
Berührung - die sechs Sinnesbereiche - Name und Form - Bewußtsein
*f108)? -
31.
Was aber sind die Gestaltungen? Die drei Arten Gestaltung, ihr Bhikkhus, die
Gestaltung des körperlichen Tuns, die Gestaltung des Redens, die Gestaltung des
Denkens: das, ihr Bhikkhus, heißt Gestaltungen.
32.
Aus dem Ursprung des Nichtwissens folgt der Ursprung der Gestaltungen, aus der
Aufhebung des Nichtwissens folgt die Aufhebung der Gestaltungen, der edle
achtgliedrige Pfad ist der zur Aufhebung der Gestaltungen führende Weg,
nämlich: rechte Anschauung, rechtes Wollen, rechtes Reden, rechtes Tun, rechte
Lebensführung, rechtes Sichbemühen, rechtes Sichbesinnen, rechte geistige
Sammlung.
33.
Wann nun, ihr Bhikkhus, ein edler Jünger auf diese Weise die Gestaltungen
kennt. auf diese Weise den Ursprung der Gestaltungen kennt, auf diese Weise die
Aufhebung der Gestaltungen kennt, auf diese Weise den zur Aufhebung der
Gestaltungen führenden Weg kennt: das ist für ihn das Wissen von der Wahrheit.
Vermöge dieser Wahrheit, die er geschaut und erkannt hat, die an keine Zeit
gebunden ist, die er erreicht und durchdrungen hat, zieht er in Bezug auf
Vergangenheit und Zukunft die Schlußfolgerung:
34.
Alle die Samanas oder Bráhmanas, die in der vergangenen Zeit die Gestaltungen
begriffen haben, den Ursprung der Gestaltungen begriffen haben, die Aufhebung
der Gestaltungen begriffen haben, den zur Aufhebung der Gestaltungen führenden
Weg begriffen haben, - alle diese haben das ganz in der gleichen Weise
begriffen, wie ich eben jetzt.
35.
Und alle die Samanas oder Bráhmanas, die in der zukünftigen Zeit die
Gestaltungen begreifen werden, den Ursprung der Gestaltungen begreifen werden,
die Aufhebung der Gestaltungen begreifen werden, den zur Aufhebung der
Gestaltungen führenden Weg begreifen werden, - alle diese werden das ganz in
der gleichen Weise begreifen, wie ich eben jetzt: das ist für ihn das Wissen
von der (notwendigen) Folge.
36.
Wann nun, ihr Bhikkhus, ein edler Jünger dieses doppe1te Wissen gereinigt und
geläutert besitzt, das Wissen von der Wahrheit und das Wissen von der
(notwendigen) Folge: ein solcher, ihr Bhikkhus, heißt ein edler Jünger, der mit
(richtiger) Anschauung begabt ist, der mit Einsicht begabt ist, der zu dieser
guten Lehre gelangt ist, der diese gute Lehre schaut, der die Erkenntnis des
Strebenden besitzt, der das Wissen des Strebenden besitzt, der mit dem Ohr der
Wahrheit begabt ist, ein edler, der die (in die höchste Wahrheit) eindringende
Erkenntnis besitzt, der da anpocht an die Pforte des Nirvana."
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