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Samyutta Nikáya

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  • 12. Nidána-Samyutta - Von den Ursachen
    • 41-50 Gahapativagga - Vom Hausvater
      • S.12.48. Der Lokáyatika
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S.12.48. Der Lokáyatika

 

Über den Ausdruck lokáyata, den ich durch "Sophistik" wiedergebe, vergleiche man Rhys Davids, Dialogues 1.166ff., R. O. Franke, Dígha übers. 19, Anm. 3. Es ist damit eine Schule von Philosophen gemeint, die sich vor allem mit naturgeschichtlichen Fragen beschäftigten. Das zeigen die Beispiele für die von ihnen behandelten Dinge, die im Kommentar zum Dígha-Nikáya 1. 1. 25 (= I.11) mitgeteilt werden (s. Sumangalavilásiní ed. Rhys Davids und Carpenter 1. 90-91). Für die Philosophen, die metaphysische Probleme zu erörtern pflegen, liegt in dem Wort lokáyata der Nebensinn des Materialismus und zugleich der Trivialität. Aus den angeführten Beispielen ("die Krähe ist weise weil ihre Knochen weiß sind; der Kranich ist rot, weil sein Blut rot ist") geht aber zugleich hervor, daß man den lokáyatika den Vorwurf macht, daß sie zu ihren Resultaten auf dem Weg der Dialektík, nicht auf dem der logischen Schlußfolgerung zu gelangen pflegten. Sie machten sich anheischig, alles zu beweisen, auch das absurdeste. Dazu stimmt, daß der Kommentar zu unserem Sutta (II. 96.12) sie als die Leute bezeichnet, die mit dem vitandasattha vertraut seien, d. i. mit der Kunst der auf Scheingründe und Trugschlüsse aufgebauten Dialektik.

 

1. Ort der Begebenheit: Sávatthí.

 

2. Und es begab sich ein Brahmane, ein Sophist, dorthin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben, begrüßte er sich mit dem Erhabenen, und nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach dann der Brahmane, der Sophist, zum Erhabenen also:

 

3. "Steht es wohl so, Herr Gotama, daß alles ist?" - "Behauptet man ,alles ist' *f140), so ist das, o Brahmane, die erste Sophistik."

 

4. "Steht es aber so, Herr Gotama, daß alles nicht ist?" - "Behauptet man ,alles ist nicht', so ist das, o Brahmane, die zweite Sophistik."

 

5. "Steht es wohl so, Herr Gotama, daß alles Einheit ist ?" - "Behauptet man ,alles ist Einheit', so ist das, o Brahmane, die dritte Sophistik.

 

6. "Steht es aber so, Herr Gotama, daß alles Vielheit ist?" - "Behauptet man ,alles ist Vielheit', so ist das, o Brahmane, die vierte Sophistik. Diese beiden Enden vermeidend, o Brahmane, verkündet in der Mitte der Tathágata die wahre Lehre:

 

7. Aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen usw. usw. (= 46. 5) ... Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zu stande."

 

8. Auf dieseWorte hin sprach der Brahmane, der Sophist, zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr Gotama! Wundervoll, Herr Gotama! usw. usw. (= 46. 6) ... Als Laienanhänger soll mich der Herr Gotama annehmen, der von heute an auf Lebenszeit zu ihm seine Zuflucht genommen hat."

 

 




*f140) P. sabbam atthi - sabbam n'atthi; sabbam ekattam - sabbam puthuttam. Nach dem Komm. II. 96.3 v.u. - ist mit ,alles ist' und ,alles ist Einheit' die sassataditthi, die Irrlehre von dem ewigen Bestand, gemeint, mit ,alles ist nicht' und ,alles ist Vielheit' die ucchedaditthi, die Irrlehre von der völligen Vernichtung (durch den Tod). Die Lehre des Buddha bewegt sich zwischen diesen beiden Extremen.







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