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1.
Also habe ich vernommen.
Einstmals
weilte der Erhabene im Lande der Kurus. (Sein Aufenthalt war) das Dorf der
Kurus mit Namen Kammásadamma *f194).
2.
Da nun redete der Erhabene die Bhikkhus an: "Ihr Bhikkhus!" -
"Ja, Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.
3. Der
Erhabene sprach also: "Stellt ihr denn auch, ihr Bhikkhus, innere
Erwägungen *f193) an?"
4.
Nachdem er das gesagt, sprach ein Bhikkhu zu dem Erhabenen also: "Ich,
Herr, stelle innere Erwägungen an."
5.
"In welcher Weise aber stellst du, o Bhikkhu, die inneren Erwägungen
an?"
6.
Und es gab ihm der Bhikkhu Aufschluß; aber es befriedigte der Bhikkhu das Herz
des Erhabenen nicht.
7.
Nachdem also gesprochen war, sprach Ananda zu dem Erhabenen also: "Es ist
die rechte Zeit dafür, o Erhabener, es ist die rechte Zeit dafür, o Führer auf
dem Heilspfad, daß der Erhabene über innere Erwägungen spräche. Wenn sie vom
Erhabenen es gehört, werden die Bhikkhus es behalten."
8.
"So höret denn zu, Ananda, merket wohl auf; ich will es euch verkünden."
"Wohl, Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.
9.
Der Erhabene sprach also: "Da stellt, ihr Bhikkhus, ein Bhikkhu erwägend
die innere Erwägung an: ,Dieses mannigfaltige verschiedenartige Leiden, das
hier in derWelt entsteht, (nämlich) Alter und Tod, was hat wohl dieses Leiden
zur Ursache, was zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung? Was muß
denn vorhanden sein, daß Alter und Tod entsteht? Was muß denn nicht vorhanden
sein, daß Alter und Tod nicht entsteht?' Erwägend erkennt er also: Dieses
mannigfaltige verschiedenartige Leiden, das hier in der Welt entsteht,
(nämlich) Alter und Tod, es hat dieses Leiden die Substrate *f195) zur
Ursache, die Substrate zum Ursprung, die Substrate zur Herkunft, die Substrate
zur Entstehung. Wenn ein Substrat vorhanden ist, entsteht Alter und Tod; wenn
kein Substrat vorhanden ist, entsteht Alter und Tod nicht. Er erkennt Alter und
Tod; er erkennt den Ursprung von Alter und Tod; er erkennt die Aufhebung von
Alter und Tod; und er erkennt auch den geeigneten Weg, der zur Aufhebung von
Alter und Tod führt. Auf diesem Wege befindlich wird er einer, der der Lehre
gemäß wandelt. Ein solcher heißt, ihr Bhikkhus, ein Bhikkhu, der auf dem Weg
ist zur rechten vollständigen Vernichtung des Leidens, zur Aufhebung von Alter
und Tod.
10.
Und weiter erwägend stellt er die innere Erwägung an: ,Das Substrat aber, was
hat es zur Ursache, was zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung? Was
muß denn vorhanden sein, daß ein Substrat entsteht? Was muß denn nicht
vorhanden sein, daß ein Substrat nicht entsteht?' Erwägend erkennt er also: Das
Substrat hat den Durst zur Ursache, den Durst zum Ursprung, den Durst zur
Herkunft, den Durst zur Entstehung. Wenn der Durst vorhanden ist, entsteht ein
Substrat; wenn kein Durst vorhanden ist, entsteht kein Substrat. Er erkennt das
Substrat; er erkennt den Ursprung des Substrats; er erkennt die Aufhebung des
Substrats; und er erkennt auch den geeigneten Weg, der zur Aufhebung des
Substrats führt. Auf diesem Wege befindlich wird er einer, der der Lehre gemäß
wandelt. Ein solcher heißt, ihr Bhikkhus, ein Bhikkhu, der auf dem Wege ist zur
rechten vollständigenVernichtung des Leidens, zur Aufhebung der Substrate.
11.
Und weiter erwägend stellt er die innere Erwägung an: ,Der Durst *f196)
aber, wo entsteht er, wenn er entsteht; wo dringt er ein, wenn er eindringt
*f197)? Erwägend erkennt er also: Was immer in der Welt lieb und
annehmlich ist, da entsteht der Durst immer wieder; da dringt er immer wieder ein.
,Was aber ist in der Welt lieb und annehmlich?' Das Sehen *f198) ist in
der Welt lieb und annehmlich hier entsteht der Durst immer wieder; hier dringt
er immer wieder ein.
12-16.
Das Hören ist in der Welt lieb und annehmlich usw.... das Riechen ist in der
Welt lieb und annehmlich usw.... das Schmecken ist in der Welt lieb und
annehmlich usw.... das Fühlen ist in der Welt lieb und annehmlich usw.... das
Denken ist in der Welt lieb und annehmlich: hier entsteht der Durst immer
wieder; hier dringt er immer wieder ein.
17.
Alle die Samanas oder Bráhmanas aber, ihr Bhikkhus, die in der Vergangenheit
das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für dauernd angesehen haben, für
lustvoll an gesehen haben, für ihr Selbst angesehen haben, für Wohlfahrt
angesehen haben, für den Frieden *f199) angesehen haben: die haben den
Durst vermehrt.
18.
Die den Durst vermehrt haben, die haben das Substrat vermehrt; die das Substrat
vermehrt haben, die haben das Leiden vermehrt; die das Leiden vermehrt haben,
die sind nicht erlöst worden von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer,
Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie sind, behaupte ich, nicht erlöst worden
vom Leiden.
19.
Alle die Samanas oder Bráhmanas auch, ihr Bhikkhus, die in Zukunft das, was in
der Welt lieb und annehmlich ist, für dauernd ansehen werden, für lustvoll
ansehen werden, für ihr Selbst ansehen werden, für Wohlfahrt ansehen werden,
für den Frieden ansehen werden die werden den Durst vermehren.
20.
Die den Durst vermehren werden, die werden das Substrat vermehren; die das
Substrat vermehren werden, die werden das Leiden vermehren; die das Leiden
vermehren werden, die werden nicht erlöst werden von Geburt, Alter und Tod, von
Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich,
nicht erlöst werden vom Leiden.
21.
Alle die Samanas oder Bráhmanas auch, ihr Bhikkhus, die gegenwärtig das, was in
der Welt lieb und annehmlich ist, für dauernd ansehen, für lustvoll ansehen,
für ihr Selbst ansehen, für Wohlfahrt ansehen, für den Frieden ansehen: die
vermehren den Durst.
22.
Die den Durst vermehren, die vermehren das Substrat; die das Substrat
vermehren, die vermehren das Leiden; die das Leiden vermehren, die werden nicht
erlöst von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und
Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich, nicht erlöst vom Leiden.
23.
Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da eine Trinkschale *f200) wäre, (der
Inhalt wäre) schön von Farbe, duftend und wohlschmeckend *f201) aber
mit Gift vermengt. Und es käme da ein Mann herbei, von Hitze gequält, von Hitze
erschöpft, ermüdet, lechzend, durstig. Und man spräche zu ihm also: ,Hier,
lieber Mann, ist eine Trinkschale, (der Inhalt ist) schön von Farbe, duftend
und wohlschmeckend, aber mit Gift vermengt. Wenn du wünschest, so trinke; wenn
du trinkst, wird es dir munden durch seine schöne Farbe, seinen Duft und seinen
Wohlgeschmack. Hast du aber getrunken, so wirst du infolge davon den Tod
erleiden oder Schmerz, der zum Tode führt.' Und es tränke der Mann von der
Trinkschale ungestüm und ohne zu überlegen und wiese sie nicht zurück, und er
erlitte infolge davon den Tod oder Schmerz, der zum Tode führt.
24-27.
Ganz ebenso, ihr Bhikkhus, vermehren alle die Samanas oder Bráhmanas, die in
der Vergangenheit - in der Zukunft - gegenwärtig *f202) das, was in der
Welt lieb und annehmlich ist, für dauernd ansehen, für lustvoll ansehen, für
ihr Selbst ansehen, für Wohlfahrt ansehen, für den Frieden ansehen, den Durst.
Die den Durst vermehren, die vermehren das Leiden, die werden nicht erlöst von
Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung.
Sie werden, behaupte ich, nicht erlöst vom Leiden.
28.
Alle die Samanas oder Bráhmanas aber, ihr Bhikkhus, die in der Vergangenheit
das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für vergänglich angesehen haben,
für leidvoll angesehen haben, für etwas, was kein Selbst ist, angesehen haben,
für Krankheit angesehen haben, für Gefahr angesehen haben: die haben den Durst
aufgegeben. Die den Durst aufgegeben haben, haben das Substrat aufgegeben; die
das Substrat aufgegeben haben, die haben das Leiden aufgegeben; die das Leiden
aufgegeben haben, die sind erlöst worden von Geburt, Alter und Tod, von
Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie sind, behaupte ich,
erlöst worden vom Leiden.
29-30.
Alle die Samanas oder Bráhmanas auch, ihr Bhikkhus, die in Zukunft das, was in
der Welt lieb und annehmlich ist, für vergänglich ansehen werden, für leidvoll
ansehen würden, für etwas, was kein Selbst ist, ansehen werden, für Krankheit
ansehen werden, für Gefahr ansehen werden: die werden den Durst aufgeben. Die
den Durst aufgeben werden, die werden das Substrat aufgeben; die das Substrat
aufgeben werden, die werden das Leiden aufgeben; die das Leiden aufgeben
werden, die werden erlöst werden von Geburt Alter und Tod, von Schmerzen,
Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung; sie werden, behaupte ich, erlöst
werden vom Leiden.
31-32.
Alle die Samanas oder Bráhmanas auch, ihr Bhikkhus, die gegenwärtig das, was in
der Welt lieb und annehmlich ist, für vergänglich ansehen, für leidvoll
ansehen, für etwas, was kein Selbst ist, ansehen, für Krankheit ansehen, für
Gefahr ansehen: die geben den Durst auf. Die den Durst aufgeben, die geben das
Substrat auf; die das Substrat aufgeben, die geben das Leiden auf; die das
Leiden aufgeben, die werden erlöst von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen,
Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich, erlöst vom
Leiden.
33.
Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da eine Trinkschale wäre, (der Inhalt wäre)
schön von Farbe, duftend und wohlschmeckend, aber mit Gift vermengt. Und es
käme da ein Mann herbei, von Hitze gequält, von Hitze erschöpft, ermüdet,
lechzend, durstig. Und man spräche zu ihm also: ,Hier, lieber Mann, ist eine
Trinkschale, (der Inhalt ist) schön von Farbe, duftend, und wohlschmeckend,
aber mit Gift vermengt. Wenn du wünschest, so trinke; wenn du trinkst, wird es
dir munden durch seine schöne Farbe, seinen Duft und seinen Wohlgeschmack. Hast
du aber getrunken, so wirst du infolge davon den Tod erleiden oder Schmerz, der
zum Tode führt.'
34.
Und es dächte, ihr Bhikkhus, der Mann also: ,Es wäre mir ja nun möglich, meinen
Durst nach Surá *f203) mit einem (kühlen) Trunke *f204) zu
stillen oder mit saurem Rahm zu stillen oder mit gesalzener Gerstenbrühe oder
mit gesalzener Kornbrühe zu stillen; aber ich möchte doch nicht trinken, was
mir dann auf lange Zeit hinaus zu Schaden und Leiden gereichen würde. Und es
tränke der Mann mit Überlegung nicht von der Trinkschale *f205),
sondern wiese sie zurück, und er erlitte infolge dessen nicht den Tod oder
Schmerz, der zum Tode führt.
35-40.
Ganz ebenso, ihr Bhikkhus, geben alle die Samanas oder Bráhmanas, die in der
Vergangenheit - in der Zukunft - gegenwärtig *f206) das, was in der
Welt lieb und annehmlich ist, für vergänglich ansehen, für leidvoll ansehen,
für etwas, was kein Selbst ist, ansehen, für Krankheit ansehen, für Gefahr
ansehen, den Durst auf. Die den Durst aufgeben, die geben das Substrat auf; die
das Substrat aufgeben, die geben das Leiden auf; die das Leiden aufgeben, die
werden erlöst von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis
und Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich, erlöst vom Leiden."
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