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Der Thera Mahákotthita
wird Majjhima-Nikaya Nr. 118 (= III, S. 78) unter den zehn hervorragendsten
Schülern des Buddha genannt. Zumeist finden wir ihn in den Nikáyas im Gespräch
mit Sáriputta über irgend eine Frage der buddhistischen Dogmatik. So, außer an
unserer Stelle, noch Majjhima Nr. 43 (I, S.292ff.); Samyutta 22. 122. 127ff.
(III, S. 167ff., 172ff.), 35.191 (IV, S. 162 ff.), 44. 3 (IV, S. 384ff.);
Anguttara, Catukkanipáta 174 (II, S. 161ff.), Navakanipáta 13 (IV, S.382ff.).
Mit Savittha zusammen begegnen wir ihm bei Sáriputta Anguttara, Ekanipáta 21
(I, S. 118ff.). In Unterredung mit dem Buddha treffen wir ihn Samyutta 35. 161
(IV. 145ff.). Im Anguttara, Ekanipáta 14 (I, S. 24) wird er als der erste unter
denen bezeichnet, welche die übernatürlichen Kenntnisse des Arahant erworben
haben (patisambhidappattánam aggo). Merkwürdig ist die Stelle Anguttara,
Chakkanipáta 60 (III, S. 392), wo Mahákotthita den Citta Hatthisáriputta
zurecht weist, weil er den Abhidhamma Vortrag der Theras durch Zwischenfragen
unterbricht. Von dem gleichen Bhikkhu hat er (8. ebda S. 398) vorher gesagt,
daß er einmal wieder aus dem Orden austreten werde, um freilich in ihn
zurückzukehren und die Stufe des Arahant zu erreichen.
1.
Einstmals verweilten der ehrwürdige Sáriputta und der ehrwürdige Mahákotthita
in Báránasí, in Isipatana, im Antilopenhain.
2.
Da erhob sich der ehrwürdige Mahákotthita um die Abendzeit aus einsamer
Meditation und begab sich dorthin, wo der ehrwürdige Sáriputta sich befand, und
nachdem er mit dem ehrwürdigen Sáriputta die (üblichen) Begrüßungen und
Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder.
3.
Zur Seite sitzend sprach dann der ehrwürdige Mahákotthita zu dem ehrwürdigen
Sáriputta also: "Ist etwa, verehrter Sáriputta, Alter und Tod selbst
verursacht, ist Alter und Tod von einem anderen verursacht, ist Alter und Tod
sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, oder ist Alter und
Tod nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch
Zufall entstanden?"
4.
"Nicht ist, verehrter Kotthita, Alter und Tod selbst verursacht, nicht ist
Alter und Tod von einem anderen verursacht, nicht ist Alter und Tod sowohl selbst
verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht A1ter
und Tod nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch
Zufall entstanden. Aus Geburt als Ursache vielmehr entsteht Alter und
Tod."
5-19.
"Ist nun etwa, verehrter Sáriputta, Geburt - Werden - Erfassen - Durst -
Empfindung - Berührung - die sechs Sinnesbereiche *f207) - Name und
Form selbst verursacht, ist Name und Form von einem anderen verursacht, ist
Name und Form sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht,
oder ist Name und Form nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen
bewirkt, sondern durch Zufall entstanden?"
20.
"Nicht ist, verehrter Kotthita, Name und Form selbst verursacht, nicht ist
Name und Form von einem anderen verursacht, nicht ist Name und Form sowohl
selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht
Name und Form nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern
durch Zufall entstanden. Aus Bewußtsein als Ursache vielmehr entsteht Name und
Form.
21.
"Ist nun etwa, verehrter Sáriputta, das Bewußtsein selbst verursacht, ist
das Bewußtsein von einem anderen verursacht, ist das Bewußtsein sowohl selbst
verursacht als auch von einem anderen verursacht, oder ist das Bewußtsein nicht
selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall
entstanden?"
22.
"Nicht ist, verehrter Kotthita, das Bewußtsein selbst verursacht, nicht
ist das Bewußtsein von einem anderen verursacht, nicht ist das Bewußtsein
sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch
nicht das Bewußtsein nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt,
sondern durch Zufall entstanden. Aus Name und Form als Ursache vielmehr
entsteht das Bewußtsein *f208)."
23.
"Jetzt verstehen wir zunächst das Wort des ehrwürdigen Sáriputta also:
,Nicht ist, verehrter Kotthita, Name und Form selbst verursacht, nicht ist Name
und Form von einem anderen verursacht, nicht ist Name und Form sowohl selbst
verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht Name
und Form nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern
durch Zufall entstanden. Aus Bewußtsein als Ursache vielmehr entsteht Name und
Form.'
24.
Jetzt verstehen wir zunächst das Wort des ehrwürdigen Sáriputta also: ,Nicht
ist, verehrter Kotthita, das Bewußtsein selbst verursacht, nicht ist das
Bewußtsein von einem anderen verursacht, nicht ist das Bewußtsein sowohl selbst
verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht das
Bewußtsein nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern
durch Zufall entstanden. Aus Name und Form als Ursache vielmehr entsteht das
Bewußtsein.'
25.
Wie aber ist, verehrter Sáriputta, der Sinn dieses Wortes aufzufassen?" -
"So will ich dir denn, Verehrter, ein Gleichnis ersinnen; durch ein
Gleichnis erfassen hier manche ein-sichtige Männer den Sinn eines Wortes:
26.
Gerade so, Verehrter, wie wenn da zwei Rohrbündel an einander gelehnt stünden.
Ganz ebenso, Verehrter, entsteht aus Name und Form als Ursache das Bewußtsein;
aus dem Bewußtsein als Ursache entsteht Name und Form; aus Name und Form als
Ursache entstehen die sechs Sinnesbereiche; aus den sechs Sinnesbereichen als
Ursache entsteht die Berührung; aus der Berührung als Ursache entsteht die
Empfindung; aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst; aus dem Durst
als Ursache entsteht das Erfassen; aus dem Erfassen als Ursache entsteht das
Werden; aus dem Werden als Ursache entsteht die Geburt; aus der Geburt entsteht
A1ter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Auf solche
Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zu stande. - Wenn man aber,
Verehrter, von diesen Rohrbündeln das eine an sich zöge, so fiele das andere
um, und wenn man das andere an sich zöge, so fiele das erste um. Ganz ebenso,
Verehrter, folgt aus der Aufhebung von Name und Form die Aufhebung des
Bewußtseins; aus der Aufhebung des Bewußtseins folgt Aufhebung von Name und
Form; aus der Aufhebung von Name und Form folgt Aufhebung der sechs
Sinnesbereiche; aus der Aufhebung der sechs Sinnesbereiche folgt Aufhebung der
Berührung; aus der Aufhebung der Berührung folgt Aufhebung der Empfindung; aus
der Aufhebung der Empfindung folgt Aufhebung des Durstes, aus der Aufhebung des
Durstes folgt Aufhebung des Erfassens; aus der Aufhebung des Erfassens folgt
Aufhebung des Werdens; aus der Aufhebung des Werdens folgt Aufhebung der
Geburt; durch Aufhebung der Geburt werden Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid,
Betrübnis und Verzweiflung aufgehoben. Auf solche Art kommt die Aufhebung der
ganzen Masse des Leidens zu stande."
27.
"Wunderbar, verehrter Sáriputta, unvergleichlich, verehrter Sáriputta, wie
so trefflich das von dem ehrwürdigen Sáriputta gesagt ist; wir aber bezeugen
für dieses Wort des ehrwürdigen Sáriputta unseren Dank mit den folgenden sechs
und dreißig Sätzen *f209):
28.
Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, zum Widerwillen gegen Alter und Tod, zu ihrem
Verschwinden und ihrer Aufhebung (vgl. oben Sutta 16s12_16) die wahre Lehre
predigt, so mag man füglich sagen: ein Wahrheitskünder ist der Bhikkhu. - Wenn
ein Bhikkhu, Verehrter, nach dem Widerwillen gegen Alter und Tod, nach ihrem
Verschwinden und ihrer Aufhebung wandelnd strebt, so mag man füglich sagen:
einer, der gemäß der wahren Lehre: wandelt, ist der Bhikkhu. - Wenn ein
Bhikkhu, Verehrter, infolge des Widerwillens gegen Alter und Tod, infolge ihres
Verschwinden und ihrer Aufhebung, durch Nichterfassen erlöst ist, dann mag man
füglich sagen: einer, der bei Lebzeiten das Nirvana erreicht hat, ist der
Bhikkhu.
29-39.
Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, zum Widerwillen gegen Geburt - gegen Werden -
gegen Erfassen - gegen Durst - gegen Empfindung - gegen Berührung - gegen die
sechs Sinnesbereiche - gegen Name und Form - gegen Bewußtsein - gegen die
Gestaltungen - wenn ein Bhikkhu, Verehrter, zum Widerwillen gegen das
Nichtwissen, zu seinem Verschwinden und seiner Aufhebung die wahre Lehre
predigt, dann mag man füglich sagen: ein Wahrheitskünder ist der Bhikkhu. -
Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, nach dem Widerwillen gegen Geburt usw. usw....
gegen das Nichtwissen, nach seinem Verschwinden und seiner Aufhebung wandelnd
strebt, so mag man füglich sagen: einer, der gemäß der wahren Lehre wandelt, ist
der Bhikkhu. - Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, infolge des Widerwillens gegen
Geburt usw. usw.... gegen das Nichtwissen, infolge seines Verschwindens und
seiner Aufhebung, durch Nichterfassen erlöst ist, so mag man füglich sagen:
einer, der bei Lebzeiten das Nirvana erreicht hat, ist der Bhikkhu."
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