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Samyutta Nikáya

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  • 12. Nidána-Samyutta - Von den Ursachen
    • 61-70 Mahávagga - Der Große Abschnitt
      • S.12.67. Das Rohrbündel
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S.12.67. Das Rohrbündel

 

Der Thera Mahákotthita wird Majjhima-Nikaya Nr. 118 (= III, S. 78) unter den zehn hervorragendsten Schülern des Buddha genannt. Zumeist finden wir ihn in den Nikáyas im Gespräch mit Sáriputta über irgend eine Frage der buddhistischen Dogmatik. So, außer an unserer Stelle, noch Majjhima Nr. 43 (I, S.292ff.); Samyutta 22. 122. 127ff. (III, S. 167ff., 172ff.), 35.191 (IV, S. 162 ff.), 44. 3 (IV, S. 384ff.); Anguttara, Catukkanipáta 174 (II, S. 161ff.), Navakanipáta 13 (IV, S.382ff.). Mit Savittha zusammen begegnen wir ihm bei Sáriputta Anguttara, Ekanipáta 21 (I, S. 118ff.). In Unterredung mit dem Buddha treffen wir ihn Samyutta 35. 161 (IV. 145ff.). Im Anguttara, Ekanipáta 14 (I, S. 24) wird er als der erste unter denen bezeichnet, welche die übernatürlichen Kenntnisse des Arahant erworben haben (patisambhidappattánam aggo). Merkwürdig ist die Stelle Anguttara, Chakkanipáta 60 (III, S. 392), wo Mahákotthita den Citta Hatthisáriputta zurecht weist, weil er den Abhidhamma Vortrag der Theras durch Zwischenfragen unterbricht. Von dem gleichen Bhikkhu hat er (8. ebda S. 398) vorher gesagt, daß er einmal wieder aus dem Orden austreten werde, um freilich in ihn zurückzukehren und die Stufe des Arahant zu erreichen.

 

1. Einstmals verweilten der ehrwürdige Sáriputta und der ehrwürdige Mahákotthita in Báránasí, in Isipatana, im Antilopenhain.

 

2. Da erhob sich der ehrwürdige Mahákotthita um die Abendzeit aus einsamer Meditation und begab sich dorthin, wo der ehrwürdige Sáriputta sich befand, und nachdem er mit dem ehrwürdigen Sáriputta die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder.

 

3. Zur Seite sitzend sprach dann der ehrwürdige Mahákotthita zu dem ehrwürdigen Sáriputta also: "Ist etwa, verehrter Sáriputta, Alter und Tod selbst verursacht, ist Alter und Tod von einem anderen verursacht, ist Alter und Tod sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, oder ist Alter und Tod nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden?"

 

4. "Nicht ist, verehrter Kotthita, Alter und Tod selbst verursacht, nicht ist Alter und Tod von einem anderen verursacht, nicht ist Alter und Tod sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht A1ter und Tod nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden. Aus Geburt als Ursache vielmehr entsteht Alter und Tod."

 

5-19. "Ist nun etwa, verehrter Sáriputta, Geburt - Werden - Erfassen - Durst - Empfindung - Berührung - die sechs Sinnesbereiche *f207) - Name und Form selbst verursacht, ist Name und Form von einem anderen verursacht, ist Name und Form sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, oder ist Name und Form nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden?"

 

20. "Nicht ist, verehrter Kotthita, Name und Form selbst verursacht, nicht ist Name und Form von einem anderen verursacht, nicht ist Name und Form sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht Name und Form nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden. Aus Bewußtsein als Ursache vielmehr entsteht Name und Form.

 

21. "Ist nun etwa, verehrter Sáriputta, das Bewußtsein selbst verursacht, ist das Bewußtsein von einem anderen verursacht, ist das Bewußtsein sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, oder ist das Bewußtsein nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden?"

 

22. "Nicht ist, verehrter Kotthita, das Bewußtsein selbst verursacht, nicht ist das Bewußtsein von einem anderen verursacht, nicht ist das Bewußtsein sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht das Bewußtsein nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden. Aus Name und Form als Ursache vielmehr entsteht das Bewußtsein *f208)."

 

23. "Jetzt verstehen wir zunächst das Wort des ehrwürdigen Sáriputta also: ,Nicht ist, verehrter Kotthita, Name und Form selbst verursacht, nicht ist Name und Form von einem anderen verursacht, nicht ist Name und Form sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht Name und Form nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden. Aus Bewußtsein als Ursache vielmehr entsteht Name und Form.'

 

24. Jetzt verstehen wir zunächst das Wort des ehrwürdigen Sáriputta also: ,Nicht ist, verehrter Kotthita, das Bewußtsein selbst verursacht, nicht ist das Bewußtsein von einem anderen verursacht, nicht ist das Bewußtsein sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht, und es ist auch nicht das Bewußtsein nicht selbst bewirkt noch auch von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden. Aus Name und Form als Ursache vielmehr entsteht das Bewußtsein.'

 

25. Wie aber ist, verehrter Sáriputta, der Sinn dieses Wortes aufzufassen?" - "So will ich dir denn, Verehrter, ein Gleichnis ersinnen; durch ein Gleichnis erfassen hier manche ein-sichtige Männer den Sinn eines Wortes:

 

26. Gerade so, Verehrter, wie wenn da zwei Rohrbündel an einander gelehnt stünden. Ganz ebenso, Verehrter, entsteht aus Name und Form als Ursache das Bewußtsein; aus dem Bewußtsein als Ursache entsteht Name und Form; aus Name und Form als Ursache entstehen die sechs Sinnesbereiche; aus den sechs Sinnesbereichen als Ursache entsteht die Berührung; aus der Berührung als Ursache entsteht die Empfindung; aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst; aus dem Durst als Ursache entsteht das Erfassen; aus dem Erfassen als Ursache entsteht das Werden; aus dem Werden als Ursache entsteht die Geburt; aus der Geburt entsteht A1ter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zu stande. - Wenn man aber, Verehrter, von diesen Rohrbündeln das eine an sich zöge, so fiele das andere um, und wenn man das andere an sich zöge, so fiele das erste um. Ganz ebenso, Verehrter, folgt aus der Aufhebung von Name und Form die Aufhebung des Bewußtseins; aus der Aufhebung des Bewußtseins folgt Aufhebung von Name und Form; aus der Aufhebung von Name und Form folgt Aufhebung der sechs Sinnesbereiche; aus der Aufhebung der sechs Sinnesbereiche folgt Aufhebung der Berührung; aus der Aufhebung der Berührung folgt Aufhebung der Empfindung; aus der Aufhebung der Empfindung folgt Aufhebung des Durstes, aus der Aufhebung des Durstes folgt Aufhebung des Erfassens; aus der Aufhebung des Erfassens folgt Aufhebung des Werdens; aus der Aufhebung des Werdens folgt Aufhebung der Geburt; durch Aufhebung der Geburt werden Alter und Tod, Schmerz, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung aufgehoben. Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zu stande."

 

27. "Wunderbar, verehrter Sáriputta, unvergleichlich, verehrter Sáriputta, wie so trefflich das von dem ehrwürdigen Sáriputta gesagt ist; wir aber bezeugen für dieses Wort des ehrwürdigen Sáriputta unseren Dank mit den folgenden sechs und dreißig Sätzen *f209):

 

28. Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, zum Widerwillen gegen Alter und Tod, zu ihrem Verschwinden und ihrer Aufhebung (vgl. oben Sutta 16s12_16) die wahre Lehre predigt, so mag man füglich sagen: ein Wahrheitskünder ist der Bhikkhu. - Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, nach dem Widerwillen gegen Alter und Tod, nach ihrem Verschwinden und ihrer Aufhebung wandelnd strebt, so mag man füglich sagen: einer, der gemäß der wahren Lehre: wandelt, ist der Bhikkhu. - Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, infolge des Widerwillens gegen Alter und Tod, infolge ihres Verschwinden und ihrer Aufhebung, durch Nichterfassen erlöst ist, dann mag man füglich sagen: einer, der bei Lebzeiten das Nirvana erreicht hat, ist der Bhikkhu.

 

29-39. Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, zum Widerwillen gegen Geburt - gegen Werden - gegen Erfassen - gegen Durst - gegen Empfindung - gegen Berührung - gegen die sechs Sinnesbereiche - gegen Name und Form - gegen Bewußtsein - gegen die Gestaltungen - wenn ein Bhikkhu, Verehrter, zum Widerwillen gegen das Nichtwissen, zu seinem Verschwinden und seiner Aufhebung die wahre Lehre predigt, dann mag man füglich sagen: ein Wahrheitskünder ist der Bhikkhu. - Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, nach dem Widerwillen gegen Geburt usw. usw.... gegen das Nichtwissen, nach seinem Verschwinden und seiner Aufhebung wandelnd strebt, so mag man füglich sagen: einer, der gemäß der wahren Lehre wandelt, ist der Bhikkhu. - Wenn ein Bhikkhu, Verehrter, infolge des Widerwillens gegen Geburt usw. usw.... gegen das Nichtwissen, infolge seines Verschwindens und seiner Aufhebung, durch Nichterfassen erlöst ist, so mag man füglich sagen: einer, der bei Lebzeiten das Nirvana erreicht hat, ist der Bhikkhu."

 

 




*f207) Bei jedem dieser Glieder der Nidánakette lautet die Frage des Mahákotthita wie in 3, und Sáriputta weist in seiner Antwort, entsprechend der Eassung in 4, auf das jeweils vorhergehende Glied der Reihe als auf die Ursache der Entstehung hin. Geburt beruht auf Werden, Werden auf Erfassen usw.



*f208) Vgl. dazu Sutta 65. 7-9s12_65 mit den Vorbemerkungen zu dem Sutta.



*f209) P. idam ca mayam . . . bhásitam imehi chattimsáya uatthúhi anumodáma. In dem Verbum anu-mud liegt der Begriff der freudigen Zustimmung, des Beifalls. Mit den 36 Sätzen sind die zwölf Glieder der Nidánakette gemeint, von denen jedes unter dreifachem Gesichtspunkt (dhammam deseti, patipanno hoti, anupádá vimutto hoti) betrachtet wird.







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