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Wichtig ist in unserem
Sutta in 17-22 und 51-56 die Aufzählung der Wunderkräfte (P. abhiññá),
über die der Vollendete, der Arahant, verfügt. Nach dem Sámaññaphala-Suttanta
(Dígha 2) sind sie die Frucht der Vierten Versenkungsstufe. Es sind das 1) die
übernatürlichen Fähigkeiten (anekavihitá iddhividhá), wie sie in 17
beschrieben werden. Die sitzende Stellung beim Freischweben in der Luft ist die
pallanka-Stellung, das Hocken mit untergeschlagenen Beinen, wie es bei
der Meditation üblich ist. Es handelt sich bei allen jenen Fähigkeiten um
mystische Erlebnisse im Zustand der Ekstase. Vgl. Heiler, Die Buddhistische
Versenkung 2, S.35.-2) Das himmlische Ohr (dibbam sotam). - 3) Das
Gedankenlesen (cetopariyaññánam), vermöge dessen man den
sittlich-religiösen Stand der anderen Menschen erkennt. Es vergleicht sich dies
der Kardiognosie der christlichen Mystik. (Heiler, S. 34.) - 4) Die Erinnerung
an die früheren Existenzen (pubbenivásaanussatiñánam) Heiler, S.30.-5)
Das himmlische Auge (dibbam cakkhu), das den Einblick ermöglicht in das
ganze Getriebe des samsára, der Seelenwanderung. - 6) Die
Loslösungszustände (vimokkhá). Es sind das vier oder fünf
Versenkungsstufen rein abstrakter Art, die mit den ihnen vorhergehenden
Yogaübungen, den sog. kasina, zu einer Sieben- oder Achtzahl zusammen
gefaßt werden. Sie stellen eine fortschreitende Abstraktion dar bis zu der
Stufe, wo es weder Bewußtsein noch Bewußtseinslosigkeit gibt. Gemeinsam ist
diesen Versenkungszuständen, daß sie dem Gebiete des Formlosen (arúpa)
angehören. Vgl. Heiler, S.26ff.
1.
Also habe ich vernommen.
Einstmals
weilte der Erhabene in Rájagaha, im Bambushaine, im Kalandakanivápa.
2.
Zu jener Zeit aber war der Erhabene willkommen *f215), wert geschätzt,
hoch geachtet, verehrt, angesehen, versorgt mit dem Notwendigen an Kleidung,
Almosenspeise, Unterkunft, Krankenkost, Arzneien.
3.
Und auch die Gemeinde der Bhikkhus war willkommen, wert geschätzt, hoch
geachtet, verehrt, angesehen, versorgt mit dem Notwendigen an Kleidung,
Almosenspeise, Unterkunft, Krankenkost, Arzeneien.
4.
Die ketzerischen Bettelgänger aber waren nicht willkommen, nicht wert
geschätzt, nicht hoch geachtet, nicht verehrt, nicht angesehen, nicht versorgt
mit dem Notwendigen an Kleidung, Almosenspeise, Unterkunft, Krankenkost,
Arzeneien.
5
Zu jener Zeit aber weilte der Bettelgänger Susíma *f216) in Rájagaha
mit einer großen Gefolgschaft von Bettelgängern.
6.
Da nun sprach die Gefolgschaft des Bettelgängers Susíma zu dem Bettelgänger
Susíma also: " Gehe du, verehrter Susíma, und führe den heiligen Wandel
bei dem Samana Gotama. Wenn du die Lehre gelernt hast, sollst du sie uns
mitteilen; wenn wir dann die Lehre gelernt haben, werden wir sie den Laien
vortragen. Auf diese Weise werden auch wir willkommen werden, wert geschätzt,
hoch geachtet, verehrt, angesehen, versorgt mit dem Notwendigen an Kleidung,
Almosenspeise, Unterkunft, Krankenkost, Arzeneien."
7.
"Wohl, Verehrte!" erwiderte aufhorchend der Bettelgänger Susíma
seiner Gefolgschaft und begab sich dorthin, wo der ehrwürdige Ananda sich
befand. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, begrüßte er sich mit Ananda. und
nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht,
setzte er sich zur Seite nieder.
8.
Zur Seite sitzend sprach dann der Bettelgänger Susíma zu dem ehrwürdigen Ananda
also: " Ich wünsche, verehrter Ananda, in eurer Lehre und Regel (*f44) den
heiligen Wandel zu führen."
9.
Da nahm der ehrwürdige Ananda den Bettelgänger Susíma mit sich und begab sich
dorthin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begehen und den
Erabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, setzte er sich zur Seite nieder.
10.
Zur Seite sitzend sprach dann der ehrwürdige Ananda zu dem Erhabenen also:
"Der Bettelgänger Susíma hier, Erhabener, hat also gesagt ich wünsche,
verehrter Ananda, in eurer Lehre und Regel den heiligen Wandel zu führen.
11.
"So vollziehet denn, Ananda, an Susíma die Zeremonie der Weltabkehr."
12.
Es bekam auch der Bettelgänger Susíma bei dem Erhabenen die Zeremonie der
Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt.
13.
Zu jener Zeit nun wurde von zahlreichen Bhikkhus vor dem Erhabenen die
Erreichung der höchsten Erkenntnis erklärt: vernichtet ist die Geburt; gelebt
ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr
habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein: solches weiß ich.
14.
Es hörte aber der ehrwürdige Susíma: Von zahlreichen Bhikkhus also wurde vor
dem Erhabenen die Erreichung der höchsten Erkenntnis erklärt: vernichtet ist
die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen
war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein: solches
weiß ich.
15.
Und es begab sich der ehrwürdige Susíma dorthin, wo jene Bhikkhus sich
befanden. Nachdem er sich dorthin begeben hatte, begrüßte er sich mit jenen
Bhikkhus, und nachdem er mit ihnen die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten
ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder.
16.
Zur Seite sitzend sprach dann der ehrwürdige Susíma zu jenen Bhikkhus also:
"Ist also wirklich von den Ehrwürdigen vor dem Erhabenen die Erreichung
der höchsten Erkenntnis erklärt worden: vernichtet ist die Geburt; gelebt ist
der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe
ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein: solches weiß ich?"
"Ja,
Verehrter."
17.
"Genießt aber nun auch ihr Ehrwürdigen alle, solches wissend und solches
schauend, die verschiedenen Arten der übernaturlichen Fähigkeiten? Werdet ihr
aus einem viele und werdet ihr aus vielen einer? Macht ihr euch sichtbar und
verschwindet ihr *f218)? Geht ihr ungehemmt durch Wände, Mauern, Berge,
wie in freiem Raum? Taucht ihr in der Erde auf und unter, wie im Wasser? Geht
ihr auf dem Wasser, ohne daß es sich zerteilt, wie auf festem Erdboden? Bewegt
ihr euch in sitzender Stellung in der Luft, wie ein beschwingter Vogel? Berührt
und liebkost ihr mit der Hand die beiden so wunderbaren, so mächtigen
(Gestirne), Mond und Sonne? Übt ihr selbst bis in die Brahmawelt hinauf
körperlichen Einfluß aus *f219)?''
"Nein,
Verehrter, das ist nicht der Fall."
18.
"Vernehmt nun aber auch, ihr Ehrwürdigen, solches wissend und solches
schauend, mit dem himmlischen Ohr *f220), dem geläuterten,
übermenschlichen, beiderlei Töne, himmlische und irdische, solche die ferne und
solche die nahe sind?"
"Nein,
Verehrter, das ist nicht der Fall."
19.
"Erkennt nun aber auch ihr Ehrwürdigen, solches wissend und solches
schauend, das Herz anderer Wesen, anderer Personen, indem ihr mit dem eigenen
Herzen es begreift? Erkennt ihr ein von Begierde erfülltes Denken als ein von
Begierde erfülltes Denken, oder erkennt ihr ein von Begierde freies Denken als
ein von Begierde freies Denken? Erkennt ihr ein von Haß erfülltes Denken als
ein von Haß erfülltes Denken, oder erkennt ihr ein von Haß freies Denken als
ein von Haß freies Denken? Erkennt ihr ein von Betörung erfülltes Denken als
ein von Betörung erfülltes Denken, oder erkennt ihr ein von Betörung freies
Denken als ein von Betörung freies Denken? Erkennt ihr ein zusammen gefaßtes
Denken als ein zusammengefaßtes Denken, oder erkennt ihr ein zerstreutes Denken
als ein zerstreutes Denken? Erkennt ihr ein hochstrebendes Denken als ein
hochstrebendes Denken, oder erkennt ihr ein nicht hochstrebendes Denken als
nicht hochstrebendes Denken? Erkennt ihr ein Denken mit höheren Zielen als ein
Denken mit höheren Zielen, oder erkennt ihr ein Denken ohne höhere Ziele als
ein Denken ohne höhere Ziele? Erkennt ihr ein geistig gesammeltes Denken als
ein geistig gesammeltes Denken, oder erkennt ihr ein geistig nicht gesammeltes
Denken als ein geistig nicht gesammeltes Denken? Erkennt ihr ein erlöstes
Denken als ein erlöstes Denken, oder erkennt ihr ein nicht erlöstes Denken als
ein nicht erlöstes Denken?"
"Nein,
Verehrter, das ist nicht der Fall."
20.
"Erinnert nun aber auch ihr Ehrwürdigen euch, solches wissend und solches
schauend, an die verschiedenen früheren Daseinsformen? Wie etwa an eine Geburt
und an zwei Geburten und an drei Geburten und an vier Geburten und an fünf
Geburten und an zehn Geburten und an zwanzig Geburten und an dreißig Geburten
und an vierzig Geburten und an fünfzig Geburten und an hundert Geburten und an
tausend Geburten und an hunderttausend Geburten? An zahlreiche Zeitalter des
Weltunterganges und an zahlreiche Zeitalter der Welterneuerung und an
zahlreiche Zeitalter des Weltunterganges und der Welterneuerung? ,Damals trug
ich den und den Namen, war von der und der Sippe, von der und der Kaste, nährte
mich so und so, empfand dies und das an Lust und Leid wurde so und so alt.
Nachdem ich von dort abgeschieden, wurde ich da und da wiedergeboren. Da trug
ich dann wieder den und den Namen, war von der und der Sippe, von der und der
Kaste, nährte mich so und so, empfand dies und das an Lust und Leid, wurde so
und so alt. Nachdem ich wieder von dort abgeschieden, bin ich hier
wiedergeboren worden.' Erinnert ihr euch so an die verschiedenen früheren
Daseinsformen mit ihren besonderen Vorkommnissen und Einzelheiten?"
"Nein,
Verehrter, das ist nicht der Fall."
21.
"Überschaut ihr Ehrwürdigen nun aber auch, solches wissend und solches
schauend, mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, übermenschlichen die
Wesen, erkennt ihr die Wesen, wie sie abscheiden und wiedergeboren werden,
niedrige und vornehme, schöne und häßliche, glückliche und unglückliche, wie
sie da kommen gemäß ihrem Kamma? Diese Wesen da waren begabt mit üblem Wandel
im körperlichen Tun, waren begabt mit üblem Wandel im Reden, waren begabt mit
üblem Wandel im Denken; sie haben die Edlen geschmäht, waren von falscher
Anschauung und haben ihr Handeln nach ihrer falschen Anschauung gestaltet:
diese sind nach der Auflösung des Körpers, nach dem Tode zu niedriger
Daseinsform, leidvoller Existenz, Verdammnis und Hölle wiedergeboren werden.
Diese Wesen da aber waren begabt mit gutem Wandel im körperlichen Tun, waren
begabt mit gutem Wandel im Reden, waren begabt mit gutem Wandel im Denken; sie
haben die Edlen nicht geschmäht, waren von rechter Anschauung und haben ihr
Handeln nach ihrer rechten Anschauung gestaltet: diese sind nach der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode zu glücklicher Existenz, zur himmlischen Welt
wiedergeboren worden. Überschaut ihr so mit dem himmlischen Auge, dem
geläuterten, übermenschlichen die Wesen? Erkennt ihr die Wesen, wie sie
abscheiden und wiedergeboren werden, niedrige und vornehme, schöne und
häßliche, glückliche und unglückliche, wie sie da kommen gemäß ihrem
Kamma?"
"Nein,
Verehrter, das ist nicht der Fall."
22.
"Erreicht ihr Ehrwürdigen nun aber auch, solches wissend und solches
schauend, körperlich die friedvollen Loslösungszustände, die über die Formen
hinauskommend dem Gebiet der Formlosigkeit angehören?"
"Nein,
Verehrter, das ist nicht der Fall."
23.
"Hier (steht) jetzt, ihr Ehrwürdigen, (in Widerspruch) einerseits diese
eure Erklärung (der erreichten höchsten Erkenntnis) und andrerseits die
Nichterreichung solcher Zustände *f221)."
24.
"Nein, Verehrter, dies (steht) nicht (im Widerspruch)."
25.
"Wie das?"
"Wir
sind durch Erkenntnis erlöst, verehrter Susíma *f222)."
26.
" Ich verstehe ja von diesem kurz gefaßten Ausspruch der Ehrwürdigen den
Sinn nicht ausführlich; die Ehrwürdigen mögen es mir gütigst so erklären, daß
ich von diesem kurz gefaßten Ausspruch der Ehrwürdigen den Sinn ausführlich
verstehe."
27.
"Ob du es nun verstehst, verehrter Susíma, oder ob du es nicht verstehst:
wir sind eben durch Erkenntnis erlöst."
28.
Darauf nun erhob sich der ehrwürdige Susíma von seinem Sitze und begab sich
dahin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben und den
Erhabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, setzte er sich zur Seite nieder.
29.
Zur Seite sitzend berichtete nun der ehrwürdige Susíma dem Erhabenen die ganze
Unterredung, die er mit der Bhikkhus gehabt hatte.
30.
"Zuerst kommt ja, Susíma, das Wissen von der Gesetzmäßigkeit
*f223), später dann das Wissen vom Nirvana."
31.
"Ich verstehe ja, Herr, von diesem kurz gefaßten Ausspruch des Erhabenen
den Sinn nicht ausführlich; der Erhabene möge es mir gütigst so erklären, daß
ich von diesem kurz gefaßten Ausspruch den Sinn ausführlich verstehe."
32.
"Ob du es nun verstehst, Susíma, oder ob du es nicht verstehst zuerst
kommt eben das Wissen von der Gesetzmäßigkeit, später dann das Wissen vom
Nirvana. - Was denkst du, Susíma, ist die Form ständig oder unständig?"
"Unständig,
Herr."
(Hier
und im folg. die Lehre von der Unständigkeit der fünf khandhákhandha@wtb,
der "Wesensbestandteile").
33.
"Was aber unständig ist, ist das leidvoll oder lustvoll?"
"Leidvoll,
Herr. "
"Was
aber unständig und leidvoll ist, dem Gesetz der Umgestaltung unterworfen, ist
es richtig, das so zu betrachten: das gehört mir, das bin ich, das ist mein
Selbst?"
"Nein,
Herr, das ist nicht der Fall."
34.
"Ist die Empfindung ständig oder unständig?"
"Unständig,
Herr." usw. usw. (= 33.)
35.
"Ist die Wahrnehmung ständig oder unständig?"
"Unständig,
Herr." usw. usw. (= 33).
36.
"Sind die Gestaltungen ständig oder unständig?"
"Unständig,
Herr." usw. usw. (= 33).
37.
"Ist das Bewußtsein ständig oder unständig?"
"Unständig,
Herr."
"Was
aber unständig ist, ist das leidvoll oder lustvoll?"
"Leidvoll
Herr."
"Was
aber unständig und leidvoll ist, dem Gesetz der Umgestaltung unterworfen, ist
es richtig, das so zu betrachten: das gehört mir, das bin ich, das ist mein
Selbst?"
"Nein,
Herr, das ist nicht der Fall."
38.
"Darum, Susíma, was da immer für eine Form ist, vergangen, künftig oder
gegenwärtig, an der eignen Person oder außerhalb, grob oder fein, niedrig oder
vornehm, fern oder nahe: alle solche Form, die gehört mir nicht, das bin nicht
ich, das ist nicht mein Selbst. So muß man dies der Wirklichkeit gemäß durch
rechte Erkenntnis ansehen.
39.
Was da immer für eine Empfindung ist, vergangen, künftig oder gegenwärtig usw.
usw. (= 38).
40.
Was da immer für eine Wahrnehmung ist, vergangen, künftig oder gegenwärtig usw.
usw. (= 38).
41.
Was da immer für Gestaltungen sind, vergangen, künftig oder gegenwärtig usw.
usw. (= 38).
42.
Was da immer für ein Bewußtsein ist, vergangen, künftig oder gegenwärtig, an
der eigenen Person oder außerhalb, grob oder fein, niedrig oder vornehm, fern
oder nahe: alles solches Bewußtsein, das gehört nicht mir, das bin nicht ich,
das ist nicht mein Selbst. So muß man dies der Wirklichkeit gemäß durch rechte
Erkenntnis ansehen.
43.
Also schauend, Susíma, empfindet ein wohlunterrichteter edler Jünger
Widerwillen gegen die Form -, er empfindet Widerwillen gegen die Empfindung -
gegen die Wahrnehmung - gegen die Gestaltungen - gegen das Bewußtsein. Indem er
Widerwillen empfindet, wird er gleichgültig. Infolge der Gleichgültigkeit wird
er erlöst. In dem Erlösten entsteht das Wissen: (das ist) Erlösung. Vernichtet
ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu
vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein:
solches weiß er.
44.
Aus der Geburt als Ursache entstehen Alter und Tod: siehst du das ein,
Susíma?"
"Ja,
Herr."
"Aus
dem Werden als Ursache entsteht die Geburt: siehst du das ein, Susíma?"
"Ja,
Herr."
45.
"Aus dem Erfassen als Ursache entsteht das Werden: siehst du das ein,
Susíma?"
"Ja,
Herr."
"Aus
dem Durst als Ursache entsteht das Erfassen: siehst du das ein, Susíma?''
"Ja,
Herr."
46.
,Aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst: siehst du das ein,
Susíma?"
"Ja,
Herr."
"Aus
der Berührung als Ursache entsteht die Empfindung: siehst du das ein,
Susíma?"
"Ja,
Herr."
47.
"Aus den sechs Sinnesbereichen als Ursache entsteht die Berührung - aus
Name und Form als Ursache entstehen die sechs Sinnesbereiche, - aus dem
Bewußtsein als Ursache entsteht Name und Form, - aus den Gestaltungen als
Ursache entsteht das Bewußtsein, - aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen
die Gestaltungen: siehst du das ein, Susíma?"
"Ja,
Herr."
48.
"Aus der Aufhebung der Geburt folgt Aufhebung von Alter und Tod: siehst du
das ein, Susíma?"
"Ja,
Herr."
49.
"Aus der Aufhebung des Werdens folgt Aufhebung der Geburt, siehst du das
ein, Susíma?"
"Ja,
Herr."
50.
"Aus der Aufhebung des Erfassens folgt Aufhebung des Werdens, - aus der
Aufhebung des Durstes folgt Aufhebung des Erfassens, - aus der Aufhebung der
Empfindung folgt Aufhebung des Durstes, - aus der Aufhebung der Berührung folgt
Aufhebung der Empfindung, - aus der Aufhebung der sechs Sinnesbereiche folgt
Aufhebung der Berührung, - aus der Aufhebung von Name und Form folgt Aufhebung
der sechs Sinnesbereiche, - aus der Aufhebung des Bewußtseins folgt Aufhebung
von Name und Form, - aus der Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung des
Bewußtseins, - aus der Aufhebung des Nichtwissens folgt Aufhebung der
Gestaltungen siehst du das ein, Susíma?"
"Ja,
Herr."
51.
"Genießest du nun aber auch, Susíma, solches wissend und solches schauend,
die verschiedenen Arten der übernatürlichen Fähigkeiten? Wirst du aus einem zu
vielen und wirst du aus vielen zu einem? Machst du dich sichtbar und
verschwindest du? Gehst du ungehemmt durch Wände, Mauern, Berge, wie in freiem
Raum? Tauchst du in der Erde auf und unter, wie im Wasser? Gehst du auf dem
Wasser, ohne daß es sich zerteilt, wie auf festem Erdboden? Bewegst du dich in
sitzender Stellung in der Luft, wie ein beschwingter Vogel? Berührst und
liebkosest du mit der Hand die beiden so wunderbaren, so mächtigen (Gestirne),
Mond und Sonne? Übst du selbst bis in die Brahmawelt hinauf körperlichen
Einfluß aus?"
"Nein,
Herr, das ist nicht der Fall. "
52.
"Vernimmst du nun aber auch, Susíma, solches wissend und solches schauend,
mit dem himmlischen Ohr, dem geläuterten, übermenschlichen, beiderlei Töne,
himmlische und irdische, solche, die ferne und solche die nahe sind?"
"Nein,
Herr, das ist nicht der Fall."
53.
"Erkennst du nun aber auch, Susíma, solches wissend und solches schauend,
das Herz anderer Wesen, anderer Personen, indem du mit dem eigenen Herzen es
begreifst? Erkennst du ein von Begierde erfülltes Denken als ein von Begierde
erfülltes Denken, oder erkennst du ein von Begierde freies Denken als ein von
Begierde freies Denken? usw. usw. (= 19) . . . Erkennst du ein erlöstes Denken
als ein erlöstes Denken, oder erkennst du ein nicht erlöstes Denken als ein
nicht erlöstes Denken?"
"Nein,
Herr, das ist nicht der Fall."
54.
"Erinnerst du dich nun aber auch, Susíma, solches wissend und solches
schauend, an die verschiedenen früheren Daseinsformen? Wie etwa an eine Geburt
und an zwei Geburten usw. usw. (= 20) . . . Erinnerst du dich so an die
verschiedenen früheren Daseinsformen mit ihren besonderen Vorkommnissen und
Einzelheiten?"
"Nein
Herr, das ist nicht der Fall."
55.
"Überschaust du nun aber auch, Susíma, solches wissend und solches
schauend, mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, übermenschlichen, die
Wesen, erkennst du die Wesen, wie sie abscheiden usw. usw. (= 21) . . . wie sie
da kommen gemäß ihrem Kamma?"
"Nein,
Herr, das ist nicht der Fall."
56.
"Erreichst du nun aber auch, Susíma, solches wissend und solches schauend,
körperlich die friedvollen Loslösungszustände, die über die Formen
hinauskommend dem Gebiet der Formlosigkeit angehören?"
"Nein,
Herr, das ist nicht der Fall."
57.
"Hier (steht) jetzt, Susíma, (in Widerspruch) einerseits deine Erklärung
und andrerseits die Nichterreichung solcher Zustände *f225)."
58.
Da nun warf sich der ehrwürdige Susíma mit der Stirne zu Füßen des Erhabenen
nieder und sprach zu dem Erhabenen also: "Eine Verfehlung, Herr, hat mich
übermannt wie einen Toren, wie einen Verblendeten, wie einen Bösen. Da habe ich
nun in der wohl verkündeten Lehre und Regel als ein Dieb an der Lehre die
Zeremonie der Weltabkehr vollzogen. Möge der Erhabene dies mein Bekenntnis der
Verfehlung als einer Verfehlung entgegennehmen, damit ich fürderhin davor mich
hüte *f226)."
59.
"Wahrlich, Susíma, eine Verfehlung hat dich übermannt wie einen Toren, wie
einen Verblendeten, wie einen Bösen, daß du da in der wohl verkündeten Lehre
und Regel als ein Dieb an der Lehre die Zeremonie der Weltabkehr vollzogen
hast.
60.
Das ist gerade so, Susíma, wie wenn die Leute einen Räuber, einen Übeltäter
gefangen hätten und brächten ihn vor den König: ,Da ist, Majestät, der Räuber,
der Übeltäter; verhänge über ihn die Strafe, die dir beliebt.' Und es spräche
zu ihnen der König: ,Gehet und bindet diesem Mann mit einem starken Strick die
Arme fest auf den Rücken, schert ihn völlig kahl, führt ihn unter lautem
Trommelschall von Straße zu Straße, von Platz zu Platz herum, laßt ihn zum
Südtore hinaus gehen und schlagt ihm im Süden der Stadt den Kopf ab.' Und es
bänden ihm die Leute des Königs mit einem starken Strick die Arme fest auf den
Rücken, scherten ihn völlig kahl, führten ihn unter lautem Trommelschall von
Straße zu Straße, von Platz zu Platz herum, ließen ihn zum Südtore hinaus gehen
und schlügen ihm im Süden der Stadt den Kopf ab.
61.
Was denkst du da, Susíma, würde der Mann infolge davon auch Leid und Betrübnis
empfinden?"
"Ja,
Herr."
62.
"Was auch, Susíma, dieser Mann infolge davon an Leid und Betrübnis
empfinden würde, die Zeremonie der Weltabkehr in der wohl verkündeten Lehre und
Zucht hätte für einen Dieb an der Lehre noch leidvollere Folgen, noch herbere
Folgen; sie gereicht sogar zur Verdammnis.
63.
Da du nun aber, Susíma, die Verfehlung als Verfehlung ansiehst und der
Vorschrift gemäß sühnst, so nehmen wir dies dein (Bekenntnis) entgegen. Eine
Förderung ist das, Susíma, für den Edlen in der Zucht, wenn er seine Verfehlung
als Verfehlung ansieht, der Vorschrift gemäß sie sühnt und fürderhin davor sich
zu hüten bestrebt ist."
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