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S.1.1.
Die Flut
Unter
den devatá versteht der indische Volksglaube die zahlreichen
Geisterwesen, die in der den Menschen umgebenden Natur ihren Wohnsitz haben,
die Baum und Quellnymphen, die Schutzgeister von Wald und Feld und Flur, von
Vieh und Haus und Hof. Der Buddhismus hat sie in sein Weltbild aufgenommen, und
sie gelten ihm, wie Tiere und Menschen und Götter, als Wesen auf einer
bestimmten Entwicklungsstufe innerhalb des samsára, der Folge der
Wiedergeburten. Über den Unterschied zwischen der Bezeichnung devatá und
devaputta siehe die Vorbemerkung zum 2. Samyutta.
1. Also habe ich vernommen.
Einstmals weilte der Erhabene in Savatthi im Jetahaine, im Parke des
Anáthapindika
2. Da nun begab sich in
vorgeschrittener *f1) Nacht eine Devatá, mit ihrer herrlichen Schönheit
den ganzen Jetahain erhellend, dorthin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem
sie sich dorthin begeben und den Erhabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, trat
sie zur Seite.
3. Zur Seite stehend sprach dann die
Devatá zu dem Erhabenen also:
"Wie hast denn du, Herr, die Flut
*f2) überschritten?" -
"Ohne Halt und ohne Kampf
*f3) hab' ich die Flut überschritten."
4. "Wie aber hast du denn, Herr,
ohne Halt und ohne Kampf die Flut überschritten?" -
"Wann ich inne hielt, Verehrte,
dann sank ich unter, wann ich mich abkämpfte, dann wurde ich abgetrieben. So
habe ich, Verehrte, ohne Halt und ohne Kampf die Flut überschritten."
5.
"Da seh' ich fürwahr einen
Brahmanen,
der lange schon ins Nirvana eingegangen,
Der ohne Halt und ohne Kampf
das Hangen an der Welt hat überwunden."
So sprach die Devatá. Seine Zustimmung
bekundete der Meister.
6.
Da nun dachte
die Devatá: 'der Meister bekundet mir seine Zustimmung'; sie begrüßte
ehrfurchtsvoll den Erhabenen, umwandelte ihn mit Zukehrung der rechten Seite
und verschwand.
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