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14. Dhátu-Samyutta - Von den Elementen
1 – 10 Nánattavagga - Der Abschnitt von der Verschiedenheit
S.14.1. Element
Das Paliwort dhátu,
das man mit "Element" wiederzugeben pflegt, besagt viel mehr als
dieser Ausdruck. Dem volkstümlichen Sprachgebrauch steht es am nächsten, wenn
in Sutta 30ff. die "Elemente" Erde, Wasser, Feuer, Luft (pathaví,
ápo, tejo, váyo) als dhátuyo bezeichnet werden. Sie heißen sonst die
"vier großen Wesen" (cattáro maháhútá). Vgl. die Note zu 12.
2.12. -
In das Gebiet der
buddhistischen Psychologie kommen wir mit den "achtzehn Elementen".
Der Begriff dhátu berührt sich hier aufs engste mit dem Begriff khandhá
"Wesensbestandteil". Dem Buddhismus gilt das, was man
Persönlichkeit oder Individualität nennt, nur als Aggregat von achtzehn
Zuständen oder Kräften. Es sind dies die sechs Fähigkeiten des Sehens, Hörens,
Riechens, Schmeckens, Fühlens und Denkens, bezeichnet durch die Namen der
Sinnesorgane Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist (oder Denksinn, mano-dhátu).
Ihnen entsprechen die sechs äußeren Bereiche (báhiráni áyatanáni):
Form, Ton, Geruch, Geschmack, Gefühl, Ding; sowie die sechs Arten des durch die
Sinne vermittelten Bewußtseins rúpaviññánadhátu usw. Vgl. dazu
Stenerbatsky, the Central Conception of Buddhism, S. 9 f. Eine Erörterung über
diese atthárasa dhátuyo findet sich in Buddhaghosa's Visuddhimagga S.
484 ff. der Ausgabe von C. A. F. Rhys Davids.
Aus der Bedeutung
"Element, Urstoff" entwickelt sich weiter die Bedeutung "Urform,
ursprüngliches Wesen, Grundbegriff". Die Bedeutung "Wesen,
Charakter" liegt den Ausführungen in Sutta 13 usw. zu grunde. In Sutta 12
werden sinnliche Lust, Bosheit, Gewalttätigkeit und ihr Gegenteil als
"Elemente", d.h. als Grundzüge des Wesens, des Charakters bezeichnet.
In Sutta 14 ist dhátu annähernd gleichbedeutend mit adhimutti "Neigung,
Disposition".
Wir kommen damit schon
nahe heran an die allgemeine Bedeutung "Bereich, Gebiet, Sphäre". So
z. B., wenn das Nirvana als amata-dhátu als "Sphäre des
Nichtsterbens" bezeichnet wird. Heiler, die Buddhist. Versenkung 2, S.38.
In der nämlichen Weise werden die verschiedenen Stufen der abstrakten
Versenkungen (Heller, a. a. O., S. 26 ff.) als dhátuyo, als
"Bereiche" oder "Sphären" bezeichnet. Man vergleiche dazu
unten Sutta 11. Endlich haben wir die gleiche Bedeutung des Wortes in der
buddhistischen Kosmographie, wenn von káma-, rúpa- und arúpa-dhátu "Sphäre
der Sinnlichkeit, der Form und der Formlosigkeit" gesprochen wird.
Bezeichnender Weise wechselt hier der Ausdruck dhátu mit bhava und
mit ávacara. S. oben die Note zu 12.2.6.
Zum ganzen vergl. Rhys
Davids und Stede, Páli Dictionary u. d. W. dhátu.
1.
Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2.
"Ich will euch, ihr Bhikkhus, die Verschiedenheit der Elemente* lehren;
höret zu, merket wohl auf; ich will es euch verkünden." "Wohl,
Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.
* Ist so viel wie "die
verschiedenen oder die verschiedenartigen Elemente". So auch im folgenden.
3.
Der Erhabene sprach also: "Welches ist aber, ihr Bhikkhus, die
Verschiedenheit der Elemente?
4.
Das Element Sehen* (vgl. 12.43.4 mit Note) das Element Form, das Element
Bewußtsein des Sehens; das Element Hören, das Element Ton, das Element
Bewußtsein des Hörens; das Element Riechen, das Element Geruch, das Element
Bewußtsein des Riechens; das Element Schmecken, das Element Geschmack, das
Element Bewußtsein des Schmeckens; das Element Fühlen, das Element fühlbarer
Gegenstand, das Element Bewußtsein des Fühlens; das Element Denken, das Element
Ding, das Element Bewußtsein des Denkens. Dies, ihr Bhikkhus, heißt
Verschiedenheit der Elemente."
* Im Urtext werden an Stelle der Sinne
die Sinnesorgane: cakkhu "Auge", sota "Ohr", ghána
"Nase", jivhá "Zunge", káya "Körper"
und manas "Geist" genannt. Die Objekte der einzelnen Sinne
sind rúpa, saddá, gandhá, rasá, photthabbá, dhammá.
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