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S.22.78. Der Löwe
(Übers. v. Nyánatiloka
in A IV 33; Oldenberg S. 96; Neumann LS IV, S.31.)
1.
So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Sávatthí, im Jeta-Hain, im
Kloster des Anáthapindika.
2.
Dort wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Ihr Mönche!" -
"Ja, o Herr", antworteten jene Mönche dem Erhabenen. Der Erhabene nun
sprach also:
3.
"Der Löwe, ihr Mönche, der König der Tiere, tritt zur Abendzeit aus seiner
Höhle *f132) heraus. Nachdem er aus seiner Höhle herausgetreten, reckt
er seine Glieder. Nachdem er seine Glieder gereckt, blickt er rings nach allen
vier Richtungen umher. Nachdem er rings nach allen vier Richtungen umhergeblickt,
läßt er dreimal den Löwenruf erdröhnen. Nachdem er dreimal den Löwenruf
erdröhnen ließ, geht er auf Beute aus.
4.
Alle jene Tiere nun, ihr Mönche, welche die Stimme des brüllenden Löwen, des
Königs der Tiere, hören, die werden da gewöhnlich von Furcht, Aufregung und
Angst befallen: das Höhlentier begibt sich in seine Höhle, das Wassertier ins
Wasser, das Waldgetier in den Wald, und die Vögel erheben sich in die Lüfte.
5.
Selbst die Elefanten des Königs, die in den Dörfern, Städten und königlichen
Marställen mit starken Riemen angebunden sind, zerbrechen und zerreißen ihre
Fesseln, und, vor Angst Kot und Harn entleerend, fliehen sie hierhin und
dorthin.
6.
So große Macht über das Getier, ihr Mönche, hat der Löwe, der König der Tiere,
so großen Einfluß, so große Gewalt.
7.
Ebenso, ihr Mönche, ist es, wenn der Vollendete in der Welt erscheint, der
Heilige, der vollkommen Erwachte, der in Wissen und Wandel Vollendete, der
Gesegnete, der Weltkenner, der unvergleichliche Lenker der zu zähmenden
Menschen, der Lehrer der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er
zeigt die Lehre: So ist die Körperlichkeit, so ist das Entstehen der
Körperlichkeit, so ist das Vergehen der Körperlichkeit; so ist das Gefühl... so
ist die Wahrnehmung... so sind die Gestaltungen... so ist das Bewußtsein, so
ist ihr Entstehen, so ist ihr Vergehen.
8.
Selbst jene Götter, ihr Mönche, die langlebigen, die mit Schönheit begabten,
freudereichen, die seit langem in ragenden Palästen weilen - sie auch werden,
haben sie des Vollendeten Lehrdarlegung gehört, sämtlich von Furcht, Aufregung
und Angst befallen: 'Ach, daß wir, die wir doch vergänglich sind, uns
unvergänglich dünkten! Ach, daß wir, die wir doch unbeständig sind, uns
beständig dünkten! Ach, daß wir, die wir doch nicht-ewig sind, uns ewig
dünkten! Ach, vergänglich also sind wir, nicht beständig, nicht ewig, dem
(Gesetz aller) Persönlichkeits-Gebilde unterworfen!
9.
So große Macht, ihr Mönche, hat der Vollendete über die Götterwelt, so großen
Einfluß, so große Gewalt!"
10.
So sprach der Erhabene. Und nachdem der Gesegnete so geredet hatte, sprach der
Meister noch dieses:
11.
"Nachdem der Buddha
selbst erkannt, dann drehte er der Lehre Rad
für diese Welt und auch
die Götter - der Meister, dem da keiner gleicht:
wie Ich-Gebilde
untergehn, wie Ich-Gebilde auch entstehen,
den Edlen Achtgeteilten
Pfad, der zu des Leidens Stillung führt.
Selbst jene Götter
langen Lebens, die voller Schönheit, reichen Ruhms,
in Furcht und Schrecken
fielen sie, wie vor dem Löwen das Getier:
'Die wir dem Ich-Gebilde
nicht entronnen, vergänglich sind wir', klagen sie,
als sie das Wort des
Heiligen vernommen, der ganz erlöst, vollendet ist."
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