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S.22.80. Der Brockenbettler
(Nr. 5 auch in M 67; Nr.
18-19 = It 92.)
1.
So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene im Lande der Sakyer, bei
Kapilavatthu, im Nigrodha-Kloster.
2.
Damals nun hatte der Erhabene aus einem gewissen Anlaß die Mönchsgemeinde
entlassen. Und der Erhabene kleidete sich am frühen Morgen an, nahm Gewand und
Schale und begab sich nach Kapilavatthu um Almosenspeise.
3.
Nachdem er in Kapilavatthu um Almosenspeise gegangen war, nach Rückkehr vom
Almosengang, nach dem Mahle, begab er sich zum Großen Walde, um den Tag dort zu
verbringen. Nachdem er tief in den Großen Wald hineingegangen war, setzte er
sich am Fuße eines jungen Bilva-Baumes nieder, um tagsüber dort zu verweilen.
4.
Als der Erhabene so einsam und zurückgezogen verweilte, stieg ihm im Geiste
diese Erwägung auf:
5.
'Entlassen wurde von mir die Mönchsgemeinde. Da sind nun aber neue Mönche, die
noch nicht lange hinausgezogen, seit kurzem erst zu dieser Lehre und Ordnung
gekommen sind. Wenn diese mich nicht sehen, so möchte sich bei ihnen
(ungünstige) Veränderung, (ungünstiger) Wechsel einstellen. Es ist wie mit
einem jungen Kalb: wenn es seine Mutter nicht sieht, mag sich bei ihm
(ungünstige) Veränderung, (ungünstiger) Wechsel einstellen.
6.
Ebenso auch sind da die neuen Mönche, die noch nicht lange hinausgezogen, seit
kurzem erst zu dieser Lehre und Ordnung gekommen sind. Wenn diese mich nicht
sehen, so möchte sich bei ihnen (ungünstige) Veränderung, (ungünstiger) Wechsel
einstellen. - Es ist wie mit jungen Pflanzen: wenn sie kein Wasser bekommen,
dann möchte sich (bei ihnen ungünstige) Veränderung, (ungünstiger) Wechsel
einstellen.
7.
Ebenso sind da auch die neuen Mönche, die noch nicht lange hinausgezogen, seit
kurzem erst zu dieser Lehre und Ordnung gekommen sind. Wenn diese mich nicht
sehen, so möchte sich (bei ihnen ungünstige) Veränderung (ungünstiger) Wechsel
einstellen. - Wie ich früher der Mönchsgemeinde meine Hilfe gab, sollte ich
nicht auch jetzt ihr meine Hilfe geben?'
8.
Und Brahmá Sahampati, diese Erwägung des Erhabenen in seinem Geiste erfassend,
verschwand aus der Brahmá-Welt und erschien vor dem Erhabenen so schnell, wie
ein kräftiger Mann den gebeugten Arm strecken oder den gestreckten Arm beugen
mag.
9.
Das Gewand über eine Schulter legend, faltete der zum Erhabenen gewandt
ehrfurchtsvoll die Hände und sprach also:
10.-12.
"So ist es, Erhabener, so ist es Gesegneter! Entlassen wurde, o Herr, vom
Erhabenen die Mönchsgemeinde. Es sind da nun aber neue Mönche, die noch nicht
lange hinausgezogen sind, seit kurzem erst zu dieser Lehre und Ordnung
gekommen. Wenn diese den Erhabenen nicht sehen, so möchte sich (bei ihnen
ungünstige) Veränderung, (ungünstiger) Wechsel einstellen.
13.
Wohlwollen möge der Erhabene der Mönchsgemeinde bezeigen! Freundlichkeit möge
der Erhabene der Mönchsgemeinde bezeigen! Wie der Erhabene früher der
Mönchsgemeinde seine Hilfe gab, so möge der Erhabene auch jetzt der
Mönchsgemeinde seine Hilfe geben."
14.
Schweigend stimmte der Erhabene zu.
15.
Und Brahmá Sahampati, nachdem er der Zustimmung des Erhabenen gewiß war,
begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll, vollzog die Rechtsumwandlung und
verschwand von diesem Orte.
16.
Und der Erhabene nun, nachdem er sich zur Abendzeit aus der Zurückgezogenheit
erhoben hatte, begab sich zum Nigrodha-KIoster. Dort angekommen, setzte er sich
auf bereitetem Sitze nieder. Und der Erhabene entfaltete seine magische Macht
derart, daß jene Mönche allein oder zu zweit und eingeschüchtert sich zum
Erhabenen begaben *f140).
17.
Beim Erhabenen angekommen, begrüßten sie ihn ehrerbietig und setzten sich zur
Seite nieder.
18.
Und der Erhabene sprach zu diesen Mönchen also: "Das Niedrigste, ihr
Mönche, ist es in der Fristung des Lebens: das Brockenbettlertum. Geschmäht,
ihr Mönche, wird er in der Welt, der Brockenbettler: 'Mit der Schale in der
Hand läufst du umher' (so redet man *f141). Und eben dessen unterziehen
sich Söhne aus edler Familie, zielbewußt, um der Zielerreichung willen. Nicht
war dazu der König Anlaß, nicht um einer Schuldenlast willen, nicht aus Furcht,
nicht aus Mangel an Lebensunterhalt, vielmehr (aufgrund solcher Erwägung):
'Versunken sind wir in Geburt, in Altern und Sterben, in Kummer, Jammer, Trübsal
und Verzweiflung, in Leiden versunken, von Leiden überwältigt. Sollte nicht ein
Ende dieser ganzen Leidensfülle zu finden sein?'
19.
In solcher (Gesinnung) hinausgezogen ist dieser Sohn aus edler Familie, und
doch ist er giererfüllt, voll heftiger Leidenschaft zu den Sinnenlüsten,
gehässigen Gemütes, boshafter Gesinnung, ohne Achtsamkeit und ohne
Bewußtseinsklarheit, ungesammelt, schweifenden Geistes, ohne Zügelung der
Sinne. Der ist wie ein Feuerscheit von einem Leichenbrennplatz, der an beiden
Enden angezündet und in der Mitte mit Unrat beschmiert ist - weder im Dorfe
noch im Walde kann er als Nutzholz dienen. Mit solchem Gleichnis, ihr Mönche,
bezeichne ich jenen Menschen, der, zu weltlichem Genusse abgefallen, das
Asketentum nicht erfüllt.
20.
Diese drei unheilsamen Gedanken gibt es, ihr Mönche: den
Sinnlichkeits-Gedanken, den Haß-Gedanken und den Gedanken an Schädigung
*f142). Diese drei unheilsamen Gedanken nun, wo gelangen sie restlos
zum Schwinden? In ihm, dessen Geist wohlgefestigt ist durch die vier
'Grundlagen der Achtsamkeit' (satipatthána), oder in einem, der die
vorstellungsfreie Sammlung entfaltet *f143).
21.
Insofern ist es eben angebracht, ihr Mönche, die vorstellungslose Sammlung zu
entfalten. Die vorstellungslose Sammlung, ihr Mönche, entfaltet und immer
wieder geübt, bringt reiche Frucht, reichen Lohn.
22.
Diese zwei Glaubens-Ansichten gibt es, ihr Mönche: den Daseins-Glauben und den
Nichtseins-Glauben *f144). - Da überlegt, ihr Mönche, ein erfahrener,
edler Jünger also: 'Gibt es irgend etwas in der Welt, wodurch ich, daran
haftend, nicht einen Fehler beginge?'
23.
Der weiß dann: 'Nicht gibt es irgend etwas in der Welt, wodurch ich, daran
haftend, nicht einen Fehler beginge! Würde ich an der Körperlichkeit anhänglich
anhaften, am Gefühl, an der Wahrnehmung, an den Gestaltungen, am Bewußtsein, so
würde für mich daraus dieses folgen: Durch das Anhaften bedingt kommt es zum
Werdesein, durch das Werdesein bedingt kommt es zur Geburt, durch Geburt
bedingt würden Altern und Sterben entstehen, Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal
und Verzweiflung. So würde es zur Entstehung dieser ganzen Leidensfülle
kommen.'
24.-30.
(wie 59.13-23)
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