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S.22.81. Párileyya
1.
So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Kosambí, im Ghosita-Kloster.
2.
Und der Erhabene kleidete sich am frühen Morgen an, nahm Gewand und Schale und
begab sich nach Kosambí um Almosenspeise. Nachdem er in Kosambí um
Almosenspeise gegangen war, nach Rückkehr vom Almosengang, nach dem Mahle,
ordnete er selber seinen Wohnraum. Dann nahm er Gewand und Schale, und, ohne es
den ihm aufwartenden Mönchen mitzuteilen, ohne die Mönchsgemeinde zu verständigen,
begab er sich allein, ohne Begleitung, auf die Wanderschaft.
3.
Und ein gewisser Mönch, der gerade kürzlich vom Erhabenen zurückgekehrt war,
begab sich zum Ehrwürdigen Ananda und sprach zu ihm also: "Laßt uns gehen,
Bruder Ananda! Es hat der Erhabene, nachdem er seinen Wohnraum geordnet, Gewand
und Schale genommen, und, ohne es den ihm aufwartenden Mönchen mitzuteilen,
ohne die Mönchsgemeinde zu verständigen, hat er sich allein, ohne Begleitung,
auf die Wanderschaft begeben."
4.
"Zu einer Zeit, o Bruder, wenn der Erhabene, nachdem er selber seinen
Wohnraum geordnet, Gewand und Schale genommen, und, ohne es den ihm
aufwartenden Mönchen mitzuteilen, ohne die Mönchsgemeinde zu verständigen, sich
allein, ohne Begleitung, auf die Wanderschaft begibt: zu solcher Zeit wünscht
der Erhabene allein zu bleiben. Nicht soll ihm zu solcher Zeit irgend jemand
nachfolgen."
5.
Der Erhabene nun, allmählich weiterwandernd, gelangte zum Párileyya-Walde. Dort
nun im Párileyya-Walde weilte der Erhabene am Fuße eines Bhadda-Sál-Baumes.
6.
Es begab sich da eine Anzahl Mönche zum Ehrwürdigen Ananda, und nach Austausch
freundlicher, höflicher Begrüßung setzten sie sich zur Seite nieder.
7.
Seitwärts sitzend sprachen jene Mönche zum Ehrwürdigen Ananda also: "Lange
ist es her, Bruder Ananda, seit wir aus dem Munde des Erhabenen ein
Lehrgespräch gehört haben. Gerne möchten wir, Bruder Ananda, aus dem Munde des
Erhabenen ein Lehrgespräch hören."
8.
Es begab sich da nun der Ehrwürdige Ananda zusammen mit diesen Mönchen zum
Erhabenen, zum Párileyya-Walde, zum Fuße jenes Sál-Baumes. Dort angekommen
begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder.
9.
Und der Erhabene belehrte da, unterwies, erfreute und erheiterte diese Mönche
durch ein Lehrgespräch.
10.
Da stieg einem gewissen Mönch in seinem Geiste diese Erwägung auf: 'Wie
wissend, wie verstehend kommt es unmittelbar zur Versiegung der Triebe
*f145)?"
11.
Der Erhabene nun erkannte in seinem Geiste jenes Mönches Erwägung und redete die
Mönche also an: "Nach genauer Untersuchung, o Mönche, wurde von mir die
Lehre gezeigt. Nach genauer Untersuchung gezeigt wurden die Vier Grundlagen der
Achtsamkeit, nach genauer Untersuchung gezeigt wurden die Rechten Kämpfe, die
Vier Fährten magischer Macht, die Fünf Fähigkeiten, die Fünf Kräfte, die Sieben
Glieder der Erleuchtung.
12.
Bei der von mir so nach genauer Untersuchung gezeigten Lehre, ihr Mönche, ist
nun einem gewissen Mönch in seinem Geiste diese Erwägung aufgestiegen: 'Wie
wissend, wie verstehend kommt es unmittelbar zur Versiegung der Triebe?'
13.
Wie wissend, wie verstehend kommt es nun, ihr Mönche, unmittelbar zur
Versiegung der Triebe?
14.
Es ist da, ihr Mönche, ein unerfahrener Weltmensch... Der betrachtet die
Körperlichkeit als das Selbst. Solche Betrachtung aber, ihr Mönche: eine
(geistige) Gestaltung *f146) ist sie. Von solcher (geistigen)
Gestaltung aber, was ist ihre Ursache, ihre Entstehung, ihre Herkunft, ihr
Ursprung? Das Begehren, das in einem unerfahrenen Weltmenschen aufsteigt, wenn
er ein Gefühl empfindet, entstanden aus einem mit Nichtwissen verbundenen
Sinnen-Eindruck *f147) - daraus entstanden ist solche (geistige)
Gestaltung. So ist denn, ihr Mönche, diese (geistige) Gestaltung vergänglich,
zusammengesetzt, bedingt entstanden; und auch dieses Begehren, und auch dieses
Gefühl, dieser Sinnen-Eindruck, und auch dieses Nichtwissen ist vergänglich,
zusammengesetzt, bedingt entstanden. So wissend, so verstehend, ihr Mönche,
kommt es unmittelbar zur Versiegung der Triebe.
15.
Da betrachtet man zwar nicht die Körperlichkeit als das Selbst, aber man
betrachtet das Selbst als Körperlichkeit besitzend. Solche Betrachtung aber,
ihr Mönche: eine (geistige) Gestaltung ist sie... (Fortsetzung wie in 14)
16.
Da betrachtet man zwar nicht die Körperlichkeit als das Selbst und auch nicht
das Selbst als Körperlichkeit besitzend, aber man betrachtet die Körperlichkeit
als im Selbst. Solche Betrachtung aber, ihr Mönche, eine (geistige) Gestaltung
ist sie... (Fortsetzung wie in 14)
17.
Da betrachtet man zwar nicht die Körperlichkeit als das Selbst und auch nicht
das Selbst als Körperlichkeit besitzend oder die Körperlichkeit als im Selbst,
aber man betrachtet das Selbst als in der Körperlichkeit. Solche Betrachtung
aber, ihr Mönche, eine (geistige) Gestaltung ist sie... (Fortsetzung wie in 14)
18.-33.
Da betrachtet man zwar nicht die Körperlichkeit als das Selbst und auch nicht
das Selbst als Körperlichkeit besitzend oder die Körperlichkeit als im Selbst
oder das Selbst als in der Körperlichkeit, aber man betrachtet das Gefühl als
das Selbst... (hier sind Gefühl - Wahrnehmung - Gestaltungen-Bewußtsein in
gleicher Weise ausgeführt wie in 14-17 für Körperlichkeit.)
34.
Da betrachtet man zwar nicht Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen,
Bewußtsein als das Selbst, aber man hat solche Ansicht: 'Dies ist das Ich, dies
ist die Welt; dies werde ich künftig sein: unvergänglich, beständig, ewig,
unveränderlich!' Solche Ewigkeits-Ansicht aber, eine (geistige) Gestaltung ist
sie... (Fortsetzung wie 14)
35.
Da betrachtet man zwar nicht Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehrnung,
Gestaltungen, Bewußtsein als das Selbst und hat auch nicht die Ansicht: 'Dies
ist das Ich...', aber man hat solche Ansicht: 'Würde ich nicht gewesen sein,
nicht würde mir (jetzt irgend etwas) sein; (nun aber:) nicht soll (künftig
etwas) werden, nicht soll mir (etwas) werden!' Solche Vernichtungs-Ansicht
aber, ihr Mönche, eine (geistige) Gestaltung *f148) ist sie...
(Fortsetzung wie 14)
36.
Da betrachtet man zwar nicht Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Gestaltungen,
Bewußtsein als das Selbst und hat auch nicht die Ansichten: 'Dies ist das
Ich...' oder 'Würde ich nicht gewesen sein...', aber man hat Unsicherheit und
Zweifel, ist nicht zur Gewißheit gelangt im guten Gesetz *f149). Solche
Unsicherheit aber, solcher Zweifel und solche mangelnde Gewißheit im guten
Gesetz, eine (geistige) Gestaltung ist dies. Von solcher (geistigen) Gestaltung
aber, was ist ihre Ursache, ihre Entstehung, ihre Herkunft, ihr Ursprung? - Das
Begehren, das in einem unerfahrenen Weltmenschen aufsteigt, wenn er ein Gefühl
empfindet, entstanden aus einem mit Nichtwissen verbundenen Sinnen-Eindruck:
daraus entstanden ist solche (geistige) Gestaltung. So ist denn, Mönche, diese
(geistige) Gestaltung vergänglich, zusammengesetzt, bedingt entstanden; und
auch dieses Begehren ist vergänglich, zusammengesetzt, bedingt entstanden; und
auch dieses Gefühl ist vergänglich, zusammengesetzt, bedingt entstanden; und auch
dieser Sinnen-Eindruck ist vergänglich, zusammengesetzt, bedingt entstanden;
und auch dieses Nichtwissen ist vergänglich, zusammengesetzt, bedingt
entstanden. - So wissend, so verstehend, ihr Mönche, kommt es unmittelbar zur
Versiegung der Triebe."
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