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Samyutta Nikáya

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  • 22. Khandha-Samyutta - Die Daseinsgruppen
      • S.22.90. Channa
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S.22.90. Channa

(Vgl. auch die Rede 'Channa' M 143.)

 

1. So habe ich gehört. Einst weilten einige Ordensältere bei Benares, zu Isipatana, im Wildpark.

 

2. Es hatte da nun der Ehrwürdige Channa *f182), nachdem er am Abend sich aus der Zurückgezogenheit erhoben hatte, den Schlüssel (seiner Klause) zu sich genommen und begab sich von Kloster zu Kloster (wandernd) zu jenen Ordensälteren und sprach zu ihnen: "Ermahnen mögen mich die Ehrwürdigen Alteren, unterweisen mögen mich die Ehrwürdigen Alteren. Mögen mir die Ehrwürdigen Älteren ein Lehrgespräch geben, damit ich die Lehre verstehe *f183)."

 

3. Auf diese Worte sprachen die Ordensälteren zum Ehrwürdigen Channa: "Die Körperlichkeit, Bruder Channa, ist vergänglich; das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen, das Bewußtsein sind vergänglich. Die Körperlichkeit ist Nicht-Ich; das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen, das Bewußtsein sind Nicht-Ich. Alle Gestaltungen sind vergänglich, alle Dinge sind Nicht-Ich *f184)."

 

4. Da dachte der Ehrwürdige Channa: 'Auch ich denke so: «Die Körperlichkeit ist vergänglich; das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen, das Bewußtsein sind vergänglich. Die Körperlichkeit ist Nicht-Ich; das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen, das Bewußtsein sind Nicht-Ich. Alle Gestaltungen sind vergänglich, alle Dinge sind Nicht-Ich

 

5. Doch nicht drängt mein Herz nach der Stillung der Gestaltungen, nach der Entäußerung von allen Daseins-Grundlagen, nach der Versiegung des Begehrens, nach der Entsüchtung, Aufhebung, nach dem Nibbana - nicht erfreut es sich daran, heftet sich nicht daran, strebt nicht danach. Furcht und Anhangen *f185) steigt auf, kehrt wieder in den Geist ein (so nämlich): «Was wird dann aus meinem Ich *f186)?» Nicht aber gibt es einen solchen Zustand im Erkennenden! Wer könnte nun so die Lehre zeigen, daß ich sie verstehe?'

 

6. Und es kam ihm in den Sinn: 'Es weilt da der Ehrwürdige Ananda zu Kosambí, im Ghosita-Kloster. Vom Meister selbst wird er gerühmt, und geehrt wird er von weisen Mitmönchen. Solches Vertrauen habe ich zum Ehrwürdigen Ananda: fähig ist er, mir die Lehre so zu zeigen, daß ich sie verstehe. Sollte ich mich daher nicht zum Ehrwürdigen Ananda begeben?'

 

7. Da ordnete der Ehrwürdige Channa seinen Wohnraum, nahm Gewand und Schale und begab sich nach Kosambí, zum Ghosita-Kloster, wo der Ehrwürdige Ananda weilte. Dort angelangt tauschte er mit dem Ehrwürdigen Ananda höfliche, freundliche Begrüßung aus und setzte sich zur Seite nieder.

 

8.-12. Seitwärts sitzend sprach er zum Ehrwürdigen Ananda: "Einst, Bruder Ananda, weilte ich bei Benares, zu Isipatana, im Wildpark. Nachdem ich mich am Abend aus der Zurückgezogenheit erhoben hatte, nahm ich den Schlüssel (meiner Klause) zu mir und begab mich von meinem Kloster zu dem der Ordensälteren und sprach zu ihnen: ... (es folgt nun genau der Bericht wie in 2-6)

 

13. Ermahnen möge mich der Ehrwürdige Ananda, unterweisen möge mich der Ehrwürdige Ananda. Möge mir der Ehrwürdige Ananda ein Lehrgespräch geben, damit ich die Lehre verstehe!"

 

14. "Insofern freuen wir uns über den Ehrwürdigen Channa: daß nämlich der Ehrwürdige Channa dies offen dargelegt, seine innere Verhärtung zerbrochen hat. Leihe Gehör, Bruder Channa! Fähig bist du, die Lehre zu verstehen!"

 

15. Da stieg dem Ehrwürdigen Channa hierdurch hohes Entzücken, hohe Freude auf: 'Fähig bin ich also, die Lehre zu verstehen!'

 

16. "Aus dem Munde des Erhabenen, als er den Mönch Kaccánagotta ermahnte, habe ich dies gehört, Bruder Channa, und es mir zu eigen gemacht *f187): 'Auf eine Zweiheit, Kaccána, stützt sich gewöhnlich diese Welt: auf Sein und Nichtsein. Für den aber, Kaccána, der in rechter Weisheit der Wirklichkeit gemäß die Entstehung der Welt erkennt, gibt es das nicht, was man in der Welt «Nichtsein» (nennt). Für den aber, Kaccána, der in rechter Weisheit der Wirklichkeit gemäß die Aufhebung der Welt erkennt, gibt es das nicht, was man in der Welt «Sein» (nennt). Durch Sich-Anschließen, Anhangen, Sich-Eingewöhnen, o Kaccána, ist gemeinhin diese Welt gefesselt. Aber an dieses Sich-Anschließen und Anhangen, an das Sich-Festlegen, Eingewöhnen und Hinneigen des Geistes schließt sich jener (edle Jünger *f188) nicht an, er hängt nicht daran, er hat sich nicht festgelegt (auf die Ansicht): «Mein Selbst (ist es)». «Leiden nur ist es, was entsteht; Leiden nur ist es, was vergeht» - hierbei schwankt er nicht und zweifelt nicht, von anderen unabhängig ist hierbei sein Wissen. Insofern, o Kaccána, besteht Rechte Erkenntnis.

 

17. «Alles ist»: das ist, o Kaccána, das eine Extrem. «Alles ist nicht»: das ist das andere Extrem. Diese beiden Extreme vermeidend, zeigt in der Mitte der Vollendete die Lehre: Durch Nichtwissen bedingt sind die Gestaltungen; durch Gestaltungen bedingt ist das Bewußtsein; durch das Bewußtsein bedingt ist Geistigkeit und Körperlichkeit; durch Geistigkeit und Körperlichkeit bedingt sind die sechs Sinnes-Grundlagen; durch die sechs Sinnes-Grundlagen bedingt ist Sinnen-Eindruck; durch Sinnen-Eindruck bedingt ist Gefühl; durch Gefühl bedingt ist Begehren; durch Begehren bedingt ist Anhangen; durch Anhangen bedingt ist Dasein; durch Dasein bedingt ist Geburt; durch Geburt bedingt ist Altern und Sterben, Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. So kommt es zur Entstehung dieser ganzen Leidensfülle. Durch eben dieses Nichtwissens restlose Auflösung und Aufhebung kommt es zur Aufhebung der Gestaltungen, durch Aufhebung der Gestaltungen kommt es zur Aufhebung des Bewußtseins... So kommt es zur Aufhebung dieser ganzen Leidensfülle.'"

 

18. "So eben verhält es sich, Bruder Ananda, mit Ehrwürdigen, denen Mitmönche von solcher Artung zuteil werden: mitleidsvolle, wohlwollende, die Ermahner und Berater sind. Nachdem ich nun diese Lehrdarlegung des Ehrwürdigen Ananda vernommen, habe ich völlig die Lehre durchdrungen.

 




*f182) Dem Komm zufolge ist der Mönch Channa dieser Sutte der frühere Wagenlenker des jungen Buddha, der ihn in jener Nacht der Großen Entsagung begleitete, und gleichfalls identisch mit jenem Channa, den der Meister noch kurz vor seinem Hinscheiden vom Verkehr mit den Mitmönchen ausschloß. Komm.: "Channa war am gleichen Tage wie der Buddha geboren, und am Tage der Großen Entsagung zog er mit ihm zusammen hinaus. Später, unter dem Meister Mönch geworden, brüstete er sich wegen seiner engen Beziehung zum Buddha und zur Lehre, nahm ein barsches und boshaftes Wesen an und hatte aufgrund seiner groben Redeweise Zusammenstöße mit den Mitmönchen."



*f183) Komm: "Warum machte er sich diese Anstrengung, wanderte von hier nach dort und sprach in dieser Weise? Weil in ihm innere Ergriffenheit aufgestiegen war. Nach dem Hinscheiden des Meisters war der Ehrwürdige Ananda von den Ordensälteren des Konzils nach Kosambí entsandt worden und hatte dem Mönche Channa die über ihn verhängte Strafe mitgeteilt. Channa wurde darauf von Fieber befallen und fiel bewußtlos nieder. Nachdem er wieder das Bewußtsein erlangt hatte, erhob er sich und ging zu einem Mönch. Doch dieser sprach kein Wort zu ihm. Er ging zu einem anderen, doch auch dieser sprach nicht. Nachdem er mit dem gleichen Ergebnis im ganzen Kloster umhergegangen war, wurde er dessen überdrüssig, nahm Gewand und Almosenschale und begab sich nach Benáres. Von Ergriffenheit erfüllt sprach er dann die berichteten Worte."



*f184) Lt. Komm. sollen jene Mönche absichtlich nicht vom Merkmal des Leidens gesprochen haben, damit Channa nicht so dächte: 'Für euch ist ja alles Leiden: die Körperlichkeit, das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen und das Bewußtsein. Dann also wohl auch der Pfad und das Ziel!'



*f185) paritassaná-upádánam; hier vom Komm. erklärt als 'Fürchten und Anhangen'; vgl. upádá-paritassaná in 22.7.3 mit Anm.



*f186) Komm. "'Wenn von den fünf Gruppen auch nicht eine das Ich ist, was ist dann mein Ich? In solcher Weise', so dachte er, 'fällt mein Geist zurück (in die alten Irrtümer).' Dieser Thera begann nämlich, ohne vorher die Bedingtheit erforscht zu haben, die Übung des Klarblicks. Dieser schwache Klarblick aber vermochte nicht, den Ich-Begriff auszurotten, und wurde für ihn eine Ursache für die Vernichtungsansicht und damit für Furcht (paritassaná). Als ihm nämlich die Leerheit der Gestaltungen vor Augen stand, da dachte er: 'Vernichtet werde ich sein, vertilgt.' Und er sah sich gleichsam in einen Abgrund stürzen. Daher sagte er: 'Fürchten und Anhangen steigt auf.' Um nun die Vernichtungsansicht Channas mit Hilfe der von diesem versäumten Erforschung der Bedingten Entstehung zu entwurzeln, zitierte Ananda das Kaccána-Sutta."



*f187) Nr. 16-17 = 12.15; Nr. 18 = 22.85.



*f188) Im Text steht nur ayam, 'dieser'.

 






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