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S.22.95. Schaum
(Übers. v. Oldenberg S.
175; Neumann BA S. 190; Buddhaweg und wir Buddhisten 1932/33, S. 101; Mitt. d.
Buddh. Gemeinde Zürich 1946, Nr. 18; Dhammiko in Mitt. Haus der Stille, Nr. 7;
Verse: Hekker in Mitteilungsblätter d. Buddh. Ges. Hbg. 1955, S. 39.)
1.
So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Ayojjhá, am Ufer des Ganges.
2.
Dort wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Ihr Mönche!" -
"Ja, o Herr", antworteten jene Mönche dem Erhabenen. Der Erhabene nun
sprach also:
3.
"Es ist, ihr Mönche, wie mit einer großen Schaummasse, die dieser Ganges
mit sich führt. Ein scharfsichtiger Mann würde sie erblicken, würde über sie
nachsinnen, sie gründlich untersuchen. Ihm, der sie erblickt, über sie nachsinnt,
sie gründlich untersucht, eben als leer würde sie da erscheinen, eben als hohl
würde sie da erscheinen, eben als kernlos würde sie da erscheinen. Wie sollte
auch, ihr Mönche, in einer Schaummasse ein Kern sein!
4.
Ebenso auch, ihr Mönche: Was es irgend an Körperlichkeit gibt, sei sie
vergangen, künftig oder gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein,
gewöhnlich oder edel, fern oder nahe - die erblickt da ein Mönch, sinnt über
sie nach, untersucht sie gründlich. Ihm, der sie erblickt, über sie nachsinnt,
sie gründlich untersucht, eben als leer wird sie da erscheinen, als hohl wird
sie da erscheinen, eben als kernlos wird sie da erscheinen. Wie sollte auch,
ihr Mönche, in der Körperlichkeit ein Kern sein!
5.
Es ist, ihr Mönche, wie wenn zur Herbstzeit, wenn Regen in schweren Tropfen
fällt, im Wasser Blasen entstehen und wieder verschwinden. Ein scharfsichtiger
Mann würde sie erblicken, würde über sie nachsinnen, sie gründlich untersuchen.
Ihm, der sie erblickt, über sie nachsinnt, sie gründlich untersucht, eben als
leer würden sie da erscheinen, als hohl würden sie da erscheinen, als kernlos
würden sie da erscheinen. Wie sollte auch, ihr Mönche, in einer Wasserblase ein
Kern sein!
6.
Ebenso auch, ihr Mönche: Was es irgend an Gefühl gibt, sei es vergangen,
künftig oder gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder
edel, fern oder nahe - das erblickt da ein Mönch, sinnt darüber nach,
untersucht es gründlich. Ihm, der es erblickt, über es nachsinnt, es gründlich
untersucht, eben als leer wird es da erscheinen, als hohl wird es da
erscheinen, als kernlos wird es da erscheinen. Wie sollte auch, ihr Mönche, im
Gefühl ein Kern sein!
7.
Es ist, ihr Mönche, wie wenn im letzten Monat des Sommers zur Mittagszeit eine
Luftspiegelung erscheint. Ein scharfsichtiger Mann würde sie erblicken, würde
über sie nachsinnen, sie gründlich untersuchen. Ihm, der sie erblickt, über sie
nachsinnt, sie gründlich untersucht, eben als leer würde sie da erscheinen, als
hohl würde sie da erscheinen, als kernlos würde sie da erscheinen. Wie sollte
auch, ihr Mönche, in einer Luftspiegelung ein Kern sein!
8.
Ebenso auch, ihr Mönche: Was es irgend an Wahrnehmung gibt, sei sie vergangen,
künftig oder gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder
edel, fern oder nahe - die erblickt da ein Mönch, sinnt über sie nach,
untersucht sie gründlich. Ihm, der sie erblickt, über sie nachsinnt, sie
gründlich untersucht, eben als leer würde sie da erscheinen, als hohl würde sie
da erscheinen, als kernlos würde sie da erscheinen. Wie sollte auch, ihr
Mönche, in der Wahrnehmung ein Kern sein!
9.
Es ist, ihr Mönche, wie wenn ein Mann, der Kernholz wünscht, nach Kernholz
ausgeht, auf der Suche nach Kernholz mit einer scharfen Axt versehen einen Wald
betritt. Dort sähe er einen großen Bananenstamm, gerade, jung, hochgewachsen.
Den würde er an der Wurzel fällen, dann die Spitze abschneiden und die
Blattscheiden beseitigen. So die Blattscheiden beseitigend würde er nicht
einmal auf Grünholz kommen, geschweige denn auf Kernholz.
10.
Dies würde ein scharfsichtiger Mann erblicken, würde darüber nachsinnen, es
gründlich untersuchen. Ihm, der dies erblickt, der darüber nachsinnt, es
gründlich untersucht, eben als leer würde es da erscheinen, als hohl würde es
da erscheinen, als kernlos würde es da erscheinen. Wie sollte auch, ihr Mönche,
in einem Bananenstamm ein Kern sein!
11.
Ebenso auch, ihr Mönche: Was es irgend an Gestaltungen gibt, seien sie
vergangen, künftig oder gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein,
gewöhnlich oder edel, fern oder nahe - die erblickt ein Mönch, sinnt über sie
nach, untersucht sie gründlich. Ihm, der sie erblickt, über sie nachsinnt, sie
gründlich untersucht, eben als leer würden sie da erscheinen, als hohl würden
sie da erscheinen, als kernlos würden sie da erscheinen. Wie sollte auch, ihr
Mönche, in den Gestaltungen ein Kern sein!
12.
Es ist, ihr Mönche, wie wenn ein Gaukler oder Gehilfe eines Gauklers am
Treffpunkt vierer Straßen sein Gaukelwerk zeigt. Und ein scharfsichtiger Mann
würde es erblicken, darüber nachsinnen, es gründlich untersuchen. Ihm, der es
erblickt, darüber nachsinnt, es gründlich untersucht, eben als leer würde es da
erscheinen, als hohl wurde es da erscheinen, als kernlos wurde es da
erscheinen. Wie sollte auch, ihr Mönche, im Gaukelwerk ein Kern sein!
13.
Ebenso auch, ihr Mönche: Was es irgend an Bewußtsein gibt, sei es vergangen,
künftig oder gegenwärtig, eigen oder fremd, grob oder fein, gewöhnlich oder
edel, fern oder nahe - das erblickt ein Mönch, sinnt darüber nach, untersucht
es gründlich. Ihm, der es erblickt, darüber nachsinnt, es gründlich untersucht,
eben als leer wurde es da erscheinen, als hohl würde es da erscheinen, als
kernlos wurde es da erscheinen. Wie sollte auch, ihr Mönche, im Bewußtsein ein
Kern sein!
14.
So erkennend, ihr Mönche, wendet sich der erfahrene, edle Jünger von der
Körperlichkeit ab, wendet sich ab vom Gefühl, wendet sich ab von der
Wahrnehmung, wendet sich ab von den Gestaltungen, wendet sich ab vom
Bewußtsein. Abgewandt wird er entsüchtet. Durch die Entsüchtung wird er
befreit. Im Befreiten ist die Erkenntnis: 'Befreit bin ich. Versiegt ist die
Geburt, vollendet der Heilige Wandel, getan das Werk, nichts Weiteres mehr nach
diesem hier' so erkennt er."
15.
So sprach der Erhabene. Und nachdem der Gesegnete so geredet hatte, sprach der
Meister noch dieses:
"Dem Schaumball
gleicht der Körper,
der Wasserblase das
Gefühl,
ein Luftphantom ist
Wahrnehmung der Sinne,
Gestaltungen sind ohne
Kern wie der Bananenstamm,
und Gaukelkünsten ähnelt
das Bewußtsein.
So hat der Sonnenheld es
aufgezeigt.
Wenn man so nachsinnt,
gründlich untersucht,
als hohl und leer
erkennt man es dann weise.
Nun dieser Leib - wie
ihn der Weisheitsreiche hat gezeigt -
seht fortgeworfen ihn,
wenn dreierlei ihm fehlt:
wenn Lebenskraft,
Bewußtsein, Wärme aus ihm schwinden,
als ausgesetzter
Leichnam, Fraß für andre, liegt er leblos da.
Von solcher Art ist
dieses Seinsgebilde,
ein Gaukelwerk, von dem
nur Toren schwätzen!
Als Mörder wird es offenbar,
doch Wesenskern, der fndet sich da nicht!
So möge tags und nachts
die Daseinsgruppen er betrachten,
der krafterfüllte Mönch,
der achtsam ist und klarbewußt.
Das Fesselwerk zerreiße
er, die Zuflucht wirk' er selber sich!
Er lebe wie von Feuersglut
bedroht, er strebe nach dem todlosen Bereich!"
[ETML-N:/]
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