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S.22.99. Der Lederriemen I
(Übers. v. Neumann BA S.
194; Oldenberg S. 153 (erster Teil).)
1.
So habe ich gehört. Einst weilte der Erhabene zu Sávatthí, im Jeta-Hain, im
Kloster des Anáthapindika.
2.
Dort wandte sich der Erhabene an die Mönche: "Ihr Mönche!" -
"Ja, o Herr", antworteten jene Mönche dem Erhabenen. Der Erhabene nun
sprach also:
3.
"Unausdenkbaren Anfangs, ihr Mönche, ist dieser Daseinskreislauf. Nicht
ist ein Beginn zu erkennen der durch das Nichtwissen gehemmten Wesen, der im
Begehren verstrickten, der wandernden, kreisenden.
4.
Es gibt eine Zeit, ihr Mönche, wo das große Meer vertrocknet, völlig
austrocknet, nicht mehr besteht. Nicht aber gibt es - so sage ich, ihr Mönche -
ein Beenden des Leidens für die durch das Nichtwissen gehemmten Wesen, die im
Begehren verstrickten, die wandernden, kreisenden.
5.
Es gibt eine Zeit, ihr Mönche, wo der Sineru, der König der Berge, brennt,
zerstört wird, nicht mehr besteht. Nicht aber gibt es - so sage ich, ihr Mönche
- ein Beenden des Leidens für die durch das Nichtwissen gehemmten Wesen, die im
Begehren verstrickten, die wandernden, kreisenden.
6.
Es gibt eine Zeit, ihr Mönche, wo die große Erde brennt, zerstört wird, nicht
mehr besteht. Nicht aber gibt es - so sage ich, ihr Mönche - ein Beenden des
Leidens für die durch das Nichtwissen gehemmten Wesen, die im Begehren
verstrickten, die wandernden, kreisenden.
7.
Es ist, ihr Mönche, wie wenn ein Hund, mit einem Lederriemen an einen starken
Pfosten oder Pfeiler festgebunden, um diesen Pfosten oder Pfeiler herumläuft,
ihn umkreist. Ebenso, ihr Mönche, ist es mit einem unerfahrenen Weltmenschen...
Der betrachtet die Körperlichkeit - das Gefühl - die Wahrnehmung - die
Gestaltungen - das Bewußtsein als das Selbst oder das Selbst als Körperlichkeit
... Bewußtsein besitzend oder die Körperlichkeit ... das Bewußtsein als im
Selbst oder das Selbst als in der Körperlichkeit ... im Bewußtsein. Dieser
läuft eben um die Körperlichkeit herum, umkreist sie; er läuft um das Gefühl
herum, umkreist es; er läuft um die Wahrnehrnung herum, umkreist sie; er läuft
um die Gestaltungen herum, umkreist sie; er läuft um das Bewußtsein herum,
umkreist es. So um die Körperlichkeit, das Gefühl, die Wahrnehmung, die
Gestaltungen, das Bewußtsein herumlaufend, sie umkreisend, wird er nicht
befreit von der Körperlichkeit, wird er nicht befreit vom Gefühl, wird er nicht
befreit von der Wahrnehmung, wird er nicht befreit von den Gestaltungen, wird
er nicht befreit vom Bewußtsein, wird er nicht befreit von Geburt, Altern und
Sterben, von Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er nicht
befreit vom Leiden - so sage ich.
8.
Es ist da aber, ihr Mönche, ein erfahrener, edler Jünger... Nicht betrachtet er
die Körperlichkeit - das Gefühl - die Wahrnehmung - die Gestaltungen - das
Bewußtsein als das Selbst oder das Selbst als ... Bewußtsein besitzend oder ...
das Bewußtsein als im Selbst oder das Selbst als ... im Bewußtsein. Nicht läuft
er um die Körperlichkeit herum, umkreist sie nicht; nicht läuft er um das
Gefühl herum, umkreist es nicht; nicht läuft er um die Wahrnehmung herum,
umkreist sie nicht; nicht läuft er um die Gestaltungen herum, umkreist sie
nicht; nicht läuft er um das Bewußtsein herum, umkreist es nicht. Nicht um die
Körperlichkeit, um das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen, das
Bewußtsein herumlaufend, sie nicht umkreisend, wird er befreit von der
Körperlichkeit, wird er befreit vom Gefühl, wird er befreit von der
Wahrnehmung, wird er befreit von den Gestaltungen, wird er befreit vom
Bewußtsein, wird er befreit von Geburt, Altern und Sterben, von Kummer, Jammer,
Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er befreit vom Leiden - so sage
ich."
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