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S.35.95 Einbegriffen II
Da
nun begab sich der Ehrwürdige Málunkyaputto zum Erhabenen, begrüßte ihn
ehrfurchtsvoll und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, wandte sich
nun der Ehrwürdige Málunkyaputto also an den Erhabenen:
"Gut
wäre es, o Herr, wenn mir der Erhabene in Kürze die Lehre darlegte, damit ich,
nachdem ich des Erhabenen Lehre vernommen, einsam, abgesondert, unermüdlich, in
heißem, innigem Ernst verweilen kann".
"Was
sollen wir, Málunkyaputto, denn den jungen Mönchen sagen, daß du als alter,
bejahrter, ergrauter, betagter Mönch, der ein hohes Alter erreicht hat, um eine
Belehrung in Kürze bittest?"
"Obwohl
ich, o Herr, ein alter, bejahrter, ergrauter, betagter Mönch bin, der ein hohes
Alter erreicht hat, möchte mir doch der Erhabene, der Willkommene in Kürze die
Lehre zeigen, damit ich ein wenig den Sinn des vom Erhabenen Gesagten verstehen
und Erbe des vom Erhabenen Gesagten würde".
"Was
meinst du, Málunkyaputto, wenn du weder jetzt noch früher durch das Auge ins
Bewußtsein tretende Formen gesehen hast oder siehst oder sehen möchtest, gibt
es dann bei dir Wille oder Reiz oder Vorliebe dazu?"
"Gewiß
nicht, o Herr".
"Und
ebenso ist es mit den anderen Sinnen. Hier wird, Málunkyaputto, für dich bei
den Dingen, die gesehen, gehört, erlebt, bewußt geworden sind, das Gesehene nur
Gesehenes sein, das Gehörte nur Gehörtes sein, das Erlebte nur Erlebtes sein,
das Bewußtgewordene nur Bewußtgewordenes sein. Wenn es so sein wird, dann gibt
es für dich, Málunkyaputto, kein Dabei. Gibt es kein Dabei, so gibt es, Málunkyaputto,
für dich auch kein Darin. Gibt es für dich, Málunkyaputto, kein Darin, dann
gibt es kein Diesseits, kein Jenseits, kein Dazwischen. Das eben ist das Ende
des Leidens".
"Ich
verstehe, o Herr, den Sinn des vom Erhabenen in Kürze Gesagten ausführlich so:
'Wer Formen sieht, wird
sinnberückt,
sobald er Reize reizen
läßt:
erregt im Busen,
ruhelos,
verliert er sich in
derbe Lust. (Theragáthá 794)
Gefühle fühlt er
schwelen schwül
und zehrend züngeln,
formerzeugt;
von Hinschaun und von
Heftigkeit,
zerschlagen wird ihm
ganz das Herz:
so nährt er Leiden,
fördert Weh,
er findet Wahnerlöschung
nie. (795)
Wer Töne hört, wird
sinnberückt,
sobald er Reize reizen
läßt:
erregt im Busen ruhelos,
verliert er sich in
derbe Lust. (796)
Wer Düfte riecht, wird
sinnberückt,
sobald er Reize reizen
läßt:
erregt im Busen,
ruhelos,
verliert er sich in
derbe Lust. (798)
Wer Säfte schmeckt, wird
sinnberückt,
sobald er Reize reizen
läßt:
erregt im Busen,
ruhelos,
verliert er sich in
derbe Lust. (800)
Wer Tastung tippt, wird
sinnberückt,
sobald er Reize reizen
läßt:
verstört im Busen,
ruhelos,
verliert er sich in
derbe Lust. (802)
Wer Dinge denkt, wird
sinnberückt,
sobald er Reize reizen
läßt:
verstört im Busen,
ruhelos
verliert er sich in
derbe Lust. (804)
Gefühle fühlt er
schwelen schwül,
und zehrend züngeln,
'so' erzeugt
von Hinschaun und von
Heftigkeit
zerschlagen wird ihm
ganz das Herz:
so nährt er Leiden,
fördert Weh,
er findet Wahnerlöschung
nie. (805)
Doch keiner haftet
Formen an,
der fein die Formen hat
gesehn;
Gefühle fühlt er
unerfaßt,
Gelüsten ewig abgewandt;
(806)
So daß der Formen
Vielgewalt
so daß der Fühlung volle
Macht
sich mindern muß, nicht
mehren kann;
so geht er gut gelassen
hin,
so leitet ab er Leid und
Weh,
der Wahnerlöschung selig
nah. (807)
Doch keiner haftet Tönen
an,
der fein die Töne hat
gesehn;
Gefühle fühlt er
unerfaßt,
Gelüsten ewig abgewandt:
(808)
Doch keiner haftet
Düften an,
der fein die Düfte hat
gemerkt;
Gefühle fühlt er
unerfaßt,
Gelüsten ewig abgewandt:
(810)
Doch keiner haftet
Säften an,
der fein die Säfte hat
geschmeckt;
Gefühle fühlt er
unerfaßt,
Gelüsten ewig abgewandt:
(812)
Doch tastend haftet
keiner an,
der fein die Tastung hat
getippt;
Gefühle fühlt er
unerfaßt,
Gelüsten ewig abgewandt:
(814)
Doch keiner haftet
Dingen an,
der fein die Dinge hat
gedacht;
Gefühle fühlt er
unerfaßt
Gelüsten ewig abgewandt:
(816)
So daß der Dinge
Vielgewalt,
so daß der Fühlung volle
Macht
sich mindern muß nicht
mehren kann;
so geht er gut gelassen
hin,
so leitet ab er Leid und
Weh,
der Wahnerlöschung selig
nah. (817)
So
verstehe ich ausführlich, o Herr, den Sinn dieses vom Erhabenen in Kürze
Gesagten".
"Gut,
gut, Málunkyaputto, gut ist es, daß du den Sinn dieses von mir in Kürze
Gesagten ausführlich so verstehst. Es muß der Sinn dieses von mir in Kürze
Gesagten ausführlich so verstanden werden".
Zufrieden
freute sich der Ehrwürdige Málunkyaputto über die Rede des Erhabenen, erhob
sich von seinem Sitz, begrüßte den Erhabenen ehrfurchtsvoll und ging rechts
herum fort.
Und
der Ehrwürdige Málunkyaputto einsam, abgeschieden, unermüdlich, in heißem,
innigem Ernste verweilend, hatte gar bald, was edle Söhne gänzlich vom Hause fort
in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Brahma-Wandels noch bei
Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen: "Versiegt ist
die Geburt, vollendet der Brahma-Wandel, gewirkt das Werk, nichts Höheres gibt
es über dieses hier", verstand er da.
Auch
einer war nun der Ehrwürdige Málunkyaputto der Heiligen geworden.
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