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S.46.6. Kundali
Einstmals
weilte der Erhabene bei Sáketa im Wildparke des Añjana-Waldes. Da nun begab
sich der Pilger Kundaliyo dorthin, wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen
Gruß und freundliche, denkwürdige Worte und setzte sich zur Seite nieder. Zur
Seite sitzend, wandte sich der Pilger Kundaliyo also an den Erhabenen:
"Ich
pflege mich in Klostergärten aufzuhalten und Versammlungen zu besuchen. Nach
dem Essen, nach Beendigung des Frühmahls, pflege ich von Klostergarten zu
Klostergarten, von Park zu Park zu spazieren und dort herumzugehen. Da treffe
ich nun einige Asketen und Brahmanen, die bloß, weil sie im Äußern von
Meinungen und im Kritisieren einen Vorteil sehen, Gespräche führen. Worin sieht
nun wohl Herr Gotamo einen Vorteil?"
"Mit
der Frucht der Wissenserlösung als Vorteil, Kundaliyo, weilt der
Vollendete".
"Welche
Dinge nun, Herr Gotamo, entfaltet und ausgebildet, bringen die Wissenserlösung
zur Vollendung?"
"Sieben
Erwachungsglieder, entfaltet und ausgebildet, bringen die Wissenserlösung zur
Vollendung".
"Welche
Dinge nun, Herr Gotamo, entfaltet und ausgebildet, bringen die 7
Erwachungsglieder zur Vollendung?"
"Die
4 Pfeiler der Achtsamkeit, Kundaliyo, bringen die 7 Erwachungsglieder zur
Vollendung".
"Welche
Dinge nun, Herr Gotamo, entfaltet und ausgebildet, bringen die 4 Pfeiler der
Achtsamkeit zur Vollendung?"
"Der
dreifache gute Wandel, Kundaliyo, entfaltet und ausgebildet, bringt die 4
Pfeiler der Achtsamkeit zur Vollendung".
"Welche
Dinge nun, Herr Gotamo, entfaltet und häufig geübt, bringen den dreifachen
guten Wandel zur Vollendung?"
"Sinnenzügelung,
Kundaliyo, entfaltet und ausgebildet, bringt den dreifachen guten Wandel zur
Vollendung! Und wie, Kundaliyo? Hat da, Kundaliyo, der Mönch mit den 6 Sinnen
etwas Angenehmes erlebt, dann giert er nicht danach, ist davon nicht angetan,
läßt nicht Reiz entstehen, sondern bleibt fest im Körper, fest im Herzen,
innerlich wohlgefestigt, wohl erlöst. Und hat er da mit den 6 Sinnen etwas
Unangenehmes erlebt, dann ist er nicht verstört: sein Herz gerät nicht außer
Fassung, im Geist ist ihm nicht elend zumute, sein Gemüt ist nicht abgestoßen,
sondern er bleibt fest im Körper, fest im Herzen, innerlich wohlgefestigt, wohl
erlöst.
Hat
nun, Kundaliyo, der Mönch mit den Sinnen etwas erlebt, sei es angenehm oder
unangenehm, und bleibt er fest im Körper, fest im Herzen, innerlich
wohlgefestigt, wohl erlöst, dann wird bei so entfalteter, so ausgebildeter
Sinnenzügelung der dreifache gute Wandel zur Vollendung gebracht. Und wie,
Kundaliyo, bringt der dreifache Wandel, entfaltet und ausgebildet, die 4
Pfeiler der Achtsamkeit zur Vollendung? Da hat, Kundaliyo, der Mönch falschen
Wandel in Werken, Worten und Gedanken verworfen und entfaltet guten Wandel in
Werken, Worten und Gedanken.
Und
wie, Kundaliyo, bringen die 4 Pfeiler der Achtsamkeit, entfaltet und
ausgebildet, die 7 Erwachungsglieder zur Vollendung? Da weilt, Kundaliyo, der
Mönch beim Körper über den Körper wachend, bei den Gefühlen über die Gefühle
wachend, beim Herzen über das Herz wachend, bei den Dingen über die Dinge
wachend, unermüdlich, klar bewußt, achtsam, nach Verwindung weltlichen
Begehrens und Bekümmerns. Und wie, Kundaliyo, bringen die 7 Erwachungsglieder
die wissende Erlösung zur Vollendung? Da entfaltet, Kundaliyo, der Mönch die
Erwachungsglieder der Achtsamkeit Lehrergründung, Tatkraft, des Entzückens, der
Gestilltheit, der Einigung, des Gleichmuts, auf Einsamkeit gestützt, auf
Entreizung gestützt, auf Auflösung gestützt, die in Loslassen übergehen".
Auf
diese Worte wandte sich Kundaliyo, der Pilger, also an den Erhabenen:
"Vortrefflich, Herr Gotamo, vortrefflich, Herr Gotamo! Als Anhänger möge
mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu".
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