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S.46.56. Abhayo
Das
hab ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Rájagaham auf dem
Geierkulm. Da nun begab sich Abhayo, der Königssohn, dorthin, wo der Erhabene
weilte, begrüßte ihn ehrfurchtsvall und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite
sitzend, wandte sich Abhayo, der Königssohn, also an den Erhabenen:
"Púrano
Kassapo, o Herr, spricht also: <Es gibt keinen Anlaß, es gibt keinen Grund
für Nichtkennen und Nichtsehen. Ohne Anlaß, ohne Grund sind Nichtkennen und
Nichtsehen. Es gibt keinen Anlaß, es gibt keinen Grund für Kennen und Sehen.
Ohne Anlaß, ohne Grund sind Kennen und Sehen>. Was sagt der Erhabene
dazu?"
"Es
gibt, Königssohn, einen Anlaß, es gibt einen Grund für Nicht-Kennen und
Nicht-Sehen. Mit Anlaß und mit Grund sind Nichtkennen und Nichtsehen. Es gibt
einen Anlaß, es gibt einen Grund für Kennen und Sehen. Mit Anlaß, mit Grund
sind Kennen und Sehen.
"Was
aber ist, o Herr, der Anlaß, was der Grund für Nichtkennen und Nichtsehen?
Wieso sind Nichtkennen und Nichtsehen mit Anlaß und mit Grund?
"Daß
das Gemüt, Königssohn, zeitweise von Sinnenreiz umsponnen, verweilt, von
Sinnenreiz erfüllt, und daß man nicht wirklichkeitsgemäß erkennt, wie man dem
erschienenen Sinnenreiz entrinnt: Das ist der Anlaß, das ist der Grund,
Königssohn, für Nichtkennen und Nichtsehen. So sind Nichtkennen und Nichtsehen
mit Anlaß und Grund. Weiter sodann, Königssohn, daß das Gemüt zeitweise von
Haß, zeitweise von matter Müde, zeitweise von Erregung und Unruhe, zeitweise
von Zweifel umsponnen verweilt, davon erfüllt, und daß man dann nicht
wirklichkeitsgemäß erkennt, wie man diesen Erscheinungen entrinnt: Das ist der
Anlaß, das ist der Grund, Königssohn, für Nichtkennen und Nichtsehen. So sind
Nichtkennen und Nichtsehen mit Anlaß und Grund".
"Welchen
Namen hat, o Herr, diese Lehrdarlegung?"
"Sie
wird 'Die Hemmungen' genannt, o Königssohn".
"Wahrhaftig,
das sind Hemmungen, Erhabener. Wahrhaftig, das sind Hemmungen, Willkommener.
Auch nur von einer einzgen dieser Hemmungen überwältigt, kann man nicht Wirklichkeitsgemäß
erkennen und sehen, wie erst mit fünf Hemmungen!
II.
"Was
aber ist, o Herr, der Anlaß, was ist der Grund für Kennen und Sehen? Wieso sind
Kennen und Sehen mit Anlaß und Grund?"
"Da
entfaltet, Königssohn, der Mönch die Erwachungsglieder Achtsamkeit bis
Gleichmut, auf Einsamkeit gestützt, auf Entreizung gestützt, auf Auflösung
gestützt, die in Loslassen übergehen. Ein solcher, der die Erwachungsglieder im
Herzen entfaltet hat, erkennt und sieht wirklichkeitsgemäß. Das ist,
Königssohn, der Anlaß, das ist der Grund für Kennen und Sehen. So sind Kennen
und Sehen mit Anlaß und Grund.
"Welchen
Namen hat, o Herr, diese Lehrdarlegung?"
"Sie
wird 'Die Erwachungsglieder' genannt, Königssohn".
"Wahrhaftig,
das sind Erwachungsglieder, Erhabener. Wahrhaftig, das sind Erwachungsglieder,
Willkommener. Auch nur mit einem einzigen dieser Erwachungsglieder, o Herr,
ausgestattet, kann man wirklichkeitsgemäß erkennen und sehen. Wie erst mit
sieben Erwachungsgtiedern!
Was
da, o Herr, an körperlicher und seelischer Erschöpfung beim Ersteigen des
Geierkulms bestand, das ist mir beschwichtigt und die Lehre habe ich
begriffen".
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