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Samyutta Nikáya

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  • 12. Nidána-Samyutta - Von den Ursachen
    • 11-20 Áhára-vagga - Von den Nahrungsstoffen
      • S.12.17. Der Nacktgänger
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S.12.17. Der Nacktgänger

 

Die Bekehrung des Nacktgängers Kassapa wird im Kanon mehrfach und in verschiedener Form berichtet. Nach dem Dígha 8 (= I. 161 ff., übersetzt von Rhys Davids, Sacred Books of the Buddhists II. 206ff. Franke, Dígha, S. 131 ff.) erfolgt sie im Anschluß an eine Unterredung mit dem Buddha selber. Nach dem Majjhima 124 (= III. 124ff.) ist es das Vorbild des Bakkula, das ihn zum Eintritt in den Orden bestimmt. Wieder anders endlich ist der Bericht im Samyutta 41. 9 (= IV. 300ff.).

 

Das Leiden, von dem in § 7 ff. unseres Sutta gesprochen wird, ist das Leiden der Wiedergeburten, des samsára (Komm.: vattadukhham). Die Fragestellung ist also die, ob die Wiedergeburt eine selbstverschuldete ist, oder die Folge der Taten, des kamma, irgend eines anderen. Der Tathágata lehnt diese Alternative ab. Durch sie würden nur zwei Extreme zum Ausdruck gebracht, die Wahrheit liegt in der Mitte. Bei Annahme der ersteren Alternative - dies ist Sinn von § 14 - käme man zu dem Schluß, daß ein bleibendes Ich von Existenz zu Existenz fortdauert; ein solches Ich gibt es aber nicht. Bei Annahme der zweiten Möglichkeit würde jeder Zusammenhang zwischen den einzelnen Existenzen aufgehoben. Ein solcher Zusammenhang besteht aber immerhin. Er wird hergestellt nicht durch ein dauerndes Ich, sondern nur durch die Bindeglieder, die in der Nidánakette aufgezählt sind, also durch die aus der früheren Existenz zurückbleibenden "Gestaltungen", die zu "Bewußtsein", "Name und Form" usw. hinüberleiten. Über die beiden Theorien der sassata- und der ucchedaditthi s. N. zu 12. 48. 3 ff.

 

1. Also habe ich vernommen.

Einstmals weilte der Erhabene in Rájagaha im Bambushaine, im Kalandakanivápa (vgl. die Bem. zu Samy. 2.13.1).

 

2. Da nun kleidete sich der Erhabene zur Vormittagszeit an, nahm Almosenschale und Mantel und begab sich, Almosen zu sammeln, nach Rájagaha.

 

3. Es sah aber der Nacktgänger *f36) Kassapa von ferne schon den Erhabenen herankommen. Wie er ihn sah, begab er sich dorthin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben, begrüßte er sich mit dem Erhabenen, und nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, trat er zur Seite.

 

4. Zur Seite stehend sprach dann der Nacktgänger Kassapa zu dem Erhabenen also "Wir möchten den Herrn Gotama über einen Punkt befragen, falls der Herr Gotama uns die Gelegenheit gewährt, die Frage ihm vorzutragen."

"Es ist jetzt, Kassapa, nicht die Zeit für eine Frage; wir befinden uns auf offener Straße *f37)."

 

5. Und zum zweitenmal sprach da der Nacktgänger Kassapa zum Erhabenen also: "Wir möchten den Herrn Gotama über einen Punkt befragen, falls der Herr Gotama uns die Gelegenheit gewährt, die Frage ihm vorzutragen."

"Es ist jetzt, Kassapa, nicht die Zeit für eine Frage; wir befinden uns auf offener Straße."

 

6. Und zum drittenmal sprach da der Nacktgänger Kassapa zum Erhabenen also: "Wir möchten den Herrn Gotama über einen Punkt befragen, falls der Herr Gotama uns die Gelegenheit gewährt, die Frage ihm vorzutragen."

"Es ist jetzt, Kassapa, nicht die Zeit für eine Frage; wir befinden uns auf offener Straße."

Auf dieses Wort hin sprach der Nacktgänger zum Erhabenen also: "Wir wünschen aber ja den Herrn Gotama nicht viel zu fragen."

"Frage, Kassapa, was Du wünschest."

 

7. " Ist etwa das Leiden, Herr Gotama, selbst verursacht?" - "Nicht so (sollst du sprechen), Kassapa," erwiderte der Erhabene.

 

8. "Oder aber ist das Leiden, Herr Gotama, von einem anderen verursacht?" - "Nicht so (sollst du sprechen), Kassapa," erwiderte der Erhabene.

 

9. "Ist etwa das Leiden, Herr Gotama, sowohl selbstverursacht also auch von einem anderen verursacht?"

"Nicht so (sollst du sprechen), Kassapa," erwiderte der Erhabene.

 

10. "Oder aber ist das Leiden, Herr Gotama, nicht selbstbewirkt, und auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden?" - "Nicht so (sollst du sprechen), Kassapa," erwiderte der Erhabene.

 

11. "Gibt es also, Herr Gotama, überhaupt kein Leiden?" - "Es ist nicht so, Kassapa, daß es kein Leiden gibt; es gibt wohl ein Leiden, Kassapa."

 

12. "Kennt also der Herr Gotama das Leiden nicht und sieht *f38) es nicht?" - "Es ist nicht so, Kassapa, daß ich das Leiden nicht kenne und nicht sehe; ich kenne das Leiden wohl, Kassapa, ich sehe das Leiden wohl, Kassapa."

 

13. "Auf die Frage ,ist etwa das Leiden, Herr Gotama selbst verursacht?' antwortest du: ,nicht so (sollst du sprechen), Kassapa.' - Auf die Frage ,oder aber ist das Leiden, Herr Gotama, von einem andern verursacht?' antwortest du: ,nicht so (sollts du sprechen), Kassapa.' - Auf die Frage ,ist etwa das Leiden, Herr Gotama, sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht?' antwortest du: ,nicht so (sollst du sprechen), Kassapa.' - Auf die Frage ,oder aber ist das Leiden, Herr Gotama, nicht selbstbewirkt und auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden?' antwortest du: ,nicht so (sollst du sprechen), Kassapa.' - Auf die Frage ,gibt es also, Herr Gotama, überhaupt kein Leiden?' antwortest du ,es ist nicht so, Kassapa, daß es kein Leiden gibt; es gibt wohl ein Leiden, Kassapa.' - Auf die Frage ,kennt also der Herr Gotama das Leiden nicht und sieht es nicht?' antwortest du: ,es ist nicht so, Kassapa, daß ich das Leiden nicht kenne und nicht sehe; ich kenne das Leiden wohl, Kassapa, ich sehe das Leiden wohl, Kassapa.' - Es soll mir der erhabene Herr *f39) das Leiden darlegen, es soll mir der erhabene Herr das Leiden verkünden."

 

14. "Behauptet man ,der nämliche ist es, der die Handlung ausführt, und der die Folgen empfindet,' so gibt es einen, der von Anbeginn da ist; sagt man von dem aus: ,das Leiden ist selbstverursacht, so kommt man damit auf ein ewig Dauerndes hinaus *f40). - Behauptet man ,ein anderer ist es, der die Handlung ausführt, und der die Folgen empfindet', so gibt es einen, der von Empfindung betroffen ist. Sagt man von dem aus, ,das Leiden ist von einem anderen verursacht', so kommt man damit auf völlige Vernichtung hinaus *f41).

 

15. Diese beiden Enden vermeidend, Kassapa, verkündet in der Mitte der Tathágata die wahre Lehre: "Aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen; aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein usw. usw. (- 1. 3). Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zu stande. Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung des Nichtwissens folgt Aufhebung der Gestaltungen; aus der Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung des Bewußtseins usw. usw. (= 1. 4). Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zu stande."

 

16. Auf diese Worte hin sprach der Nacktgänger Kassapa zu dem Erhabenen also: "Wundervoll, Herr! Wundervoll, Herr! Wie wenn man, Herr, etwas Umgestürztes aufrichtet oder etwas Verhülltes entschleiert oder einem Verirrten den rechten Weg zeigt oder in einen finsteren Raum eine Öllampe bringt in der Absicht: es sollen die, die Augen haben, die Gegenstände sehen - ganz ebenso ist von dem Erhabenen durch mancherlei Erörterung die Wahrheit aufgeklärt worden. Darum nehme ich, Herr, zu dem Erhabenen meine Zuflucht und zu der Lehre und zu der Gemeinde der Bhikkhus. Möge ich bei dem Erhabenen *f42) die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft *f43) gewährt bekommen."

 

17. "Wenn einer, der früher einer anderen Schule angehörte, Kassapa, in unserer Lehre und Regel *f44) die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft begehrt, so hat er eine Probezeit von vier Monaten zu bestehen. Hat er nach Ablauf von vier Monaten die Probezeit bestanden, werden die zufrieden gestellten *f45) Bhikkhus gerne *f46) an ihm die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft vollziehen, damit er ein Bhikkhu werde. Aber ich kenne auch recht wohl die Verschiedenheit der Persönlichkeiten *f47)."

 

18. "Wenn einer, der früher einer anderen Schule angehörte, - (so sagt der) Herr, - in unserer Lehre und Regel die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft begehrt, so hat er eine Probezeit von vier Monaten zu bestehen. Hat er nach Ablauf von vier Monaten die Probezeit bestanden, werden die zufriedengestellten Bhikkhus gerne an ihm die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft vollziehen, damit er ein Bhikkhu werde - ich aber will eine Probezeit von vier Jahren bestehen, und habe ich nach Ablauf von vier Jahren die Probezeit bestanden, sollen die zufrieden gestellten Bhikkhus an mir die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft vollziehen, damit ich ein Bhikkhu werde."

 

19. Es bekam auch der Nackgänger Kassapa bei dem Erhabenen die Zeremonie der Weltabkehr und die der Aufnahme in die Gemeinschaft gewährt.

 

20. Nachdem aber der würdige Kassapa noch nicht lange in die Gemeinschaft aufgenommen war, da war er, der allein und einsam, unermüdlich, eifervoll, mit gesammelter Seele lebte, binnen kurzem schon an das höchste Ziel heiligen Wandels, um dessen willen Söhne aus gutem Hause völlig aus dem Heimleben übertreten in die Heimlosigkeit, durch eigenes Begreifen und Verwirklichen gelangt. Er wußte: Aufgehoben ist die Geburt; gelebt ist der heilige Wandel; vollbracht ist, was zu vollbringen war; nichts mehr habe ich fürderhin zu tun mit dem weltlichen Dasein.

Es war aber der würdige Kassapa einer von den Vollendeten geworden.

 

 




*f36) Über die Asketensekte den Nacktgänger, acelá oder acelaká s. die Bem. zu Samyutta 3.11. 3.



*f37) P. antaragharam pavitthamha. Das Wort antaraghara, sonst das "Innere des Hauses", bedeutet hier, Raum zwischen den Häusern, Dorfstraße". Vgl. dazu Zeitschr. f. Indoiogie und Iranistik I, S. 114.



*f38) P. jánáti - passati; letzteres vom geistigen Sehen oder Schauen gebraucht. Vgl. M. und W. Geiger, Páli Dhamma, S. 70, sowie S. 25, 33.



*f39) Beachtenswert ist der Wechsel in der Titulierung des Buddha. Bisher hat ihn Kassapa einfach bho Gotama "Herr G." angeredet. Jetzt bezeichnet er ihn mit bhante bhagavá "erhabener Herr".



*f40) Im Grundtext bilden die beiden Sätze einen einzigen Satz so karoti so vediyatíti kho Kassapa ádito sato sayamkatam duhkhan ti iti vadam sassatam etam pareti. Die Konstruktion ist nicht leicht. Ich glaube, daß sato unmittelbar von sayamkatam dukhham abhängig ist: das Leiden, d.h. die Wiedergeburt von einem, der. ., ist selbstverursacht. Der Kommentar sagt: "Der Genetiv (sato) steht im Sinne eines Lokativs."



*f41) Hier steht vedanábhitunnassa sato an Stelle von ádito sato des vorausgehenden Satzes. Die Konstruktion ist im übrigen die gleiche.



*f42) D.h. in dem vom Buddha geleiteten Orden, in seiner Gefolgschaft. im Kreise seiner Anhänger.



*f43) Die pabbajjá und die upasampadá. Mit der ersteren Zeremonie scheidet man aus dem weltlichen Leben aus und es beginnt die dem Noviziat vergleichbare Lehrzeit. Mit der upasampadá erfolgt die feierliche Aufnahme in den Kreis der Bhikkhus.



*f44) imasmim dhammavinaye. Mit dhamma ist die theoretische Seite, das Dogma, die Lehre der Schule gemeint; mit vinaya die Summe der für die Lebensführung der Ordensmitglieder erlassenen Regeln und Vorschriften.



*f45) P. áraddhacittá. Der Kommentar (Siam. Ausg. II. 47.15) erklärt den Ausdruck durch atthavattapúranena tutthacitta "deren Herzen befriedigt sind durch die Erfüllung der acht Pflichten. Zu der Bedeutung "befriedigt, gewonnen" kommt auch Franke, Dígha übers. S. 144, Anm. 2. Allerdings kann das Wort áraddha in áraddhaviriya nicht in gleicher Weise erklärt werden.



*f46) P. ákankhamáná "wünschend, willig, oder passivisch "an die die Bitte gerichtet wurde.



*f47) Damit deutet der Buddha an, daß wohl auch in besonders gelagerten Fällen eine Ausnahme zulässig ist. Kassapa lehnt aber für sich das ab und ist sogar zur Erfüllung schwererer Bedingungen bereit.  







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