| Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek |
Samyutta Nikáya IntraText CT - Text |
|
|
|
|
S.12.20. Die Ursachen
1. Ort der Handlung: Sávatthí.
2. "Ich will euch, ihr Bhikkhus, das Gesetz von der ursächlichen Entstehung lehren und die Dinge, die ursächlich entstanden sind; höret denn zu, merket wohl auf, ich will es euch verkünden." "Wohl, Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.
3. Der Erhabene sprach also: "Welches ist aber, ihr Bhikkhus, das Gesetz von der ursächlichen Entstehung? Aus der Geburt als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht Alter und Tod. Ob Tathágatas aufgestanden sind oder ob keine Tathágatas aufgestanden sind fest steht dieses Grundgesetz, der gesetzmäßige Zustand, der gesetzmäßige Verlauf, das Bedingtsein durch ein Gegebenes *f53). Der Tathágata aber erkennt es und dringt ein. Und wenn er es erkannt hat und eingedrungen ist, teilt er es mit, lehrt es, gibt es bekannt, stellt es fest, offenbart es, zergliedert es, macht es klar und spricht: da schauet!
4. Aus der Geburt als Ursache, ihr Bhikkhus, entstehen Alter und Tod; aus dem Werden als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht die Geburt; aus dem Erfassen als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht das Werden; aus dem Durst als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht das Erfassen; aus der Empfindung als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht der Durst; aus der Berührung als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht die Empfindung; aus den sechs Sinnesbereichen als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht die Berührung; aus Name und Form als Ursache, ihr Bhikkhus, entstehen die sechs Sinnesbereiche; aus dem Bewußtsein als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht Name und Form; aus den Gestaltungen als Ursache, ihr Bhikkhus, entsteht das Bewußtsein; aus dem Nichtwissen als Ursache, ihr Bhikkhus, entstehen die Gestaltungen. Ob Tathágatas aufgestanden sind oder ob keine Tathágatas aufgestanden sind: fest steht dieses Grundgesetz, der gesetzmäßige Zustand, der gesetzmäßige Verlauf, das Bedingtsein durch ein Gegebenes. Der Tathágata aber erkennt es und dringt ein. Und wenn er es erkannt hat und eingedrungen ist, teilt er es mit, lehrt es, gibt es bekannt, stellt es fest, offenbart es, zergliedert es, macht es klar und spricht: da schauet!
5. Aus dem Nichtwissen, ihr Bhikkhus, entstehen die Gestaltungen. Das ist da, ihr Bhikkhus, das Sosein, das Nichtnichtsosein, das Nicht-anderssein *f54), die Kausalität. Dies heißt, ihr Bhikkhus, das Gesetz von der ursächlichen Entstehung.
6. Und welches, ihr Bhikkhus, sind die ursächlich entstandenen Dinge? Alter und Tod, ihr Bhikknus, sind unständig, (durch Gestaltungen) hervorgebracht, ursächlich entstanden, dem Gesetze des Vergehens, des Verschwindens, des Aufhörens, der Aufhebung unterworfen *f55). Die Geburt, ihr Bhikkhus, ist unständig, (durch Gestaltungen) hervorgebracht, ursächlich entstanden, dem Gesetze des Vergehens, des Aufhörens, des Verschwindens, der Aufhebung unterworfen.
8. Das Werden, ihr Bhikkhus, ist unständig, (durch Gestaltungen) hervorgebracht, ursächlich entstanden, dem Gesetze des Vergehens, des Aufhörens, des Verschwindens, der Aufhebung unterworfen.
9-17. Das Erfassen ihr Bhikkhus, - der Durst, ihr Bhikkhus, - die Empfindung, ihr Bhikkhus, - die Berührung, ihr Bhikkhus, - die sechs Sinnesbereiche, ihr Bhikkhus, - Name und Form, ihr Bhikkhus, - das Bewußtsein, ihr Bhikkhus, - die Gestaltungen, ihr Bhikkhus, - das Nichtwissen, ihr Bhikkhus, ist unständig, (durch Gestaltungen) hervorgebracht, ursächlich entstanden, dem Gesetze des Vergehens, des Aufhörens, des Verschwindens, der Aufhebung unterworfen. - Diese heißen, ihr Bhikkhus, die ursächlich entstandenen Dinge.
18. Wann nun aber, ihr Bhikkhus, ein edler Jünger diese ursächliche Entstehung und diese ursächlich entstandenen Dinge, wie sie in Wirklichkeit sind, mit richtiger Erkenntnis wohl durchschaut hat, wird er da wohl zurück in die Vergangenheit schweifen (und fragen): ,bin ich denn nun ins Dasein getreten in der Vergangenheit oder bin ich nicht ins Dasein getreten in der Vergangenheit? Als was bin ich ins Dasein getreten in der Vergangenheit? In welcher Gestalt bin ich ins Dasein getreten in der Vergangenheit? Aus welcher Daseinsform kommend bin ich denn nun ins Dasein getreten in der Vergangenheit *f56)?' -
19. Oder wird er voraus in die Zukunft schweifen (und fragen): ,werde ich nun wohl ins Dasein treten in der Zukunft oder werde ich nicht ins Dasein treten in der Zukunft? Als was werde ich ins Dasein treten in der Zukunft? In welcher Gestalt werde ich ins Dasein treten in der Zukunft? Aus welcher Daseinsform kommend werde ich ins Dasein treten in der Zukunft?' -
20. Oder wird er jetzt in der Gegenwart hin und her erwägen (und fragen:) ,bin ich denn nun da oder bin ich nicht da? Als was bin ich denn nun da? In welcher Gestalt bin ich denn nun da? Ich, dieses Wesen, woher ist es denn nun gekommen und wohin wird es gehen?' Nein, dieser Fall tritt nicht ein. *f57)
21. Und zwar weshalb? Es hat ja der edle Jünger, ihr Bhikkhus, diese ursächliche Entstehung und diese ursächlich entstandenen Dinge, wie sie in Wirklichkeit sind, mit richtiger Erkenntnis wohl durchschaut."
|
*f53) Die Ausdrücke sind dhátu, dhammatthitatá, dhammaniyámatá, idappaccayatá. Den ersten Begriff erläutert der Kommentar (ed. Siam. II. 52.1) so: "fest steht das Wesen der Ursächlichkeit: stets und notwendig ist die Geburt die Ursache von Alter und Tod". Die drei anderen Ausdrücke sind Synonyma für den Begriff der Kausalität. Der Kommentat deutet die ersten von ihnen etymologisch "durch die Kausalität bestehen die Dinge und die Kausalität bestimmt die Dinge." Vgl. neuerdings Mrs. Rhys Davids, The Book of the Kindred Sayings II, S. 21. N. 1. *f54) Die P.-Ausdrücke tathatá, avitathatá, anaññathatá bezeichnen sämtlich die unbedingte logische Notwendigkeit. *f55) Franke, Díghanikáya übers. S.307 gibt die Stelle erläuternd so wieder: "Alter und Tod . . . sind vorübergehende Prozesse (aniccam), (nicht selbständig vorhanden, sondern) hervorgebracht, nur unter Voraussetzungen vorhanden und wieder schwindend." Den Vorgang der "Hervorbringung" ist ihm (S. 309) psychisch und die dadurch hervorgebrachten Dinge haben nach ihm nur psychische Existenz und beruhen auf den Denkprozessen eines Nichtwissenden. Ich vermag ihm da nicht zu folgen. Nach meiner Auffassung heißt samkhárá einfach "durch die samkhárá, d.h. durch das kamma, ursächlich bedingt." *f56) Nach dem Kommentar (ed. Siam. 53.13) ff. ist der Inhalt der vier Fragen dieser: Die erste gibt dem Zweifel Ausdruck, ob man überhaupt existiert hat oder nicht, ob es ein sassatam, eine Dauerexistenz, oder eine adhiccasamuppatti, ein rein zufälliges, nicht auf notwendigen Bedingungen beruhendes Entstehen gibt. Die zweite Frage beschäftigt sich damit, welchem Stand und Geschlecht man angehörte, ob man ein Kshatriya oder ein Shúdra, ein Laie oder ein Priester war. Die dritte Frage bezieht sich auf die äußere Erscheinung, ob man groß, klein, hell oder dunkel von Hautfarbe war. Die letzte Frage betrifft den Wechsel der Daseinsformen, ob man aus einer Existenz als Kshatriya in die eines Bráhmana, aus einer Existenz als Gott in die als Mensch übergegangen sei usw. *f57) Im Grundtext bildet 18 bis 20 einen Satz: "Daß ein edler Jünger usw. usw. ... hin und her erwägen wird ... dieser Fall tritt nicht ein." |
Index | Wörter: alphabetisch - Frequenz - rückläufig - Länge - Statistik | Hilfe | IntraText-Bibliothek |
Best viewed with any browser at 800x600 or 768x1024 on Tablet PC IntraText® (V89) - Some rights reserved by EuloTech SRL - 1996-2007. Content in this page is licensed under a Creative Commons License |