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Samyutta Nikáya

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  • 12. Nidána-Samyutta - Von den Ursachen
    • 21-30 Dasabalavagga - Von den zehn Kräften
      • S.12.25. Bhúmija
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S.12.25. Bhúmija

 

Der Name Bhúmija bedeutet das gleiche wie "autochthon". Er wird zur Bezeichnung indischer Aboriginerstämme verwendet. So gibt es z. B. einen "Bhumij" genannten Stamm, der im Grenzgebiet von Bengalen und Chota Nagpur zwischen Santals und Ho eingesprengt ist und nach dem Census von 1911 über 400 000 Individuen zählte. Man darf vielleicht annehmen, daß der Bhikkhu dieses Namens aus dem hinduisierten Teile eines solchen Stammes hervorgegangen war. - Der Bhikkhu Bhúmija begegnet uns auch in dem nach ihm benannten Sutta Nr. 126 des Majjhima-Nikáya (= III, S.138ff.).

 

1. Ort der Begebenheit: Sávatthí.

 

2. Als der ehrwürdige Bhúmija sich um die Abendzeit aus seiner Zurückgezogenheit erhoben hatte, begab er sich dorthin, wo der ehrwürdige Sáriputta sich befand, begrüßte sich mit dem ehrwürdigen Sáriputta, und nachdem er mit ihm die (üblichen) Begrüßungen und Höflichkeiten ausgetauscht, setzte er sich zur Seite nieder. - Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Bhúmija zu dem ehrwürdigen Sáriputta also:

 

3. "Es gibt, verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß Lust und Leiden *f74) selbst verursacht sei. Es gibt aber auch, verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß Lust und Leiden von einem anderen verursacht sei. Es gibt (ferner), verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, die verkünden, daß Lust und Leiden sowohl selbst verursacht als auch von einem anderen verursacht sei. Es gibt aber auch, verehrter Sáriputta, etliche Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma. die verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem andern bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei.

 

4. Was sagt uns hierüber, verehrter Sáriputta, der Erhabene, und was lehrt er? Wie müssen wir Bescheid geben, damit wir das, was der Erhabene behauptet hat, richtig wiedergeben und nicht gegen den Erhabenen fälschlich einen Vorwurf erheben, damit wir seiner Lehre gemäß Bescheid geben, und damit nicht irgend eine logisch begründete Verfolgung seiner Behauptungen zu einem Punkt gelangt, aus dem man einen Tadel ableiten muß (*f70)?"

 

5. "Ursächlich entstanden, Verehrter, ist Lust und Leiden, so hat der Erhabene behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn man so sagt, wird man das, was der Erhabene behauptet hat, richtig wiedergeben und nicht gegen den Erhabenen fälschlich einen Vorwurf erheben; wird man seiner Lehre gemäß Bescheid geben, und keine logisch begründete Verfolgung seiner Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen, aus dem man einen Tadel ableiten muß.

 

6. Wenn da, Verehrter, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses (Lust und Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn ferner usw. usw. (= 24. 8) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, so (ist) dieses (Lust und Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden).

 

7. Wenn da, Verehrter, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor. Und wenn ferner usw. usw. ( = 24. 9) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor".

 

8. Es hatte aber der ehrwürdige Ananda der Unterredung des ehrwürdigen Sáriputta mit dem ehrwürdigen Bhúmija zugehört.

 

9. Und es begab sich der ehrwürdige Ananda dahin, wo sich der Erhabene befand. Nachdem er sich dorthin begeben und den Erhabenen ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, setzte er sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend berichtete nun der ehrwürdige Ananda dem Erhabenen die ganze Unterredung, die der ehrwürdige Sáriputta mit dem ehrwürdigen Bhúmija gehabt hatte.

 

10. "Gut, gut, Ananda! Auf solche Weise wird Sáriputta richtigen Bescheid geben. Ursächlich entstanden, Ananda, ist Lust und Leiden, so habe ich behauptet. Aus welcher Ursache? Aus Ursache der Berührung. Wenn er so sagt, wird er das, was ich behauptet habe, richtig wiedergeben und nicht gegen mich fälschlich einen Vorwurf erheben; er wird meiner Lehre gemäß Bescheid geben, und keine logisch begründete Verfolgung meiner Behauptungen wird zu einem Punkt gelangen, aus dem man einen Tadel ableiten muß.

 

11. Wenn da, Ananda, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden selbst verursacht sei, so (ist) dieses (Lust und Leiden) aus der Berührung als Ursache (entstanden). Und wenn ferner usw. usw. (= 24. 8) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, so (ist) dieses (Lust und Leiden) gleichfalls aus der Berührung als Ursache (entstanden).

 

12. Wenn da, Ananda, Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden selbst verursacht sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fallkommt nicht vor. Und wenn ferner usw. usw. (= 24. 9) ... Und wenn endlich Samanas und Bráhmanas, Anhänger der Lehre vom Kamma, verkünden, daß Lust und Leiden nicht selbst bewirkt, auch nicht von einem anderen bewirkt, sondern durch Zufall entstanden sei, können diese Leute anders empfinden als durch Berührung? Nein, dieser Fall kommt nicht vor.

 

13. Wenn da, Ananda, körperliches Tun stattfindet, so entsteht wegen des Bewußtwerdens des körperlichen Tuns *f76) für die eigene Person Lust und Leiden. Oder wenn da, Ananda, Reden stattfindet, so entsteht wegen des Bewußtwerdens des Redens für die eigene Person Lust und Leiden. Oder wenn da, Ananda, Denken stattfindet, so entsteht wegen des Bewußtwerdens des Denkens für die eigene Person Lust und Leiden.

 

14. Durch das Nichtwissen als Ursache bringt man entweder selber, Ananda, eine Gestaltung des körperlichen Tuns hervor *f77), infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber andere, Ananda, bringen eine Gestaltung des körperlichen Tuns hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht. Mit Überlegung entweder, Ananda, bringt man eine Gestaltung des körperlichen Tuns hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber ohne Überlegung, Ananda, bringt man eine Gestaltung des körperlichen Tuns hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht.

 

15. Entweder selber, Ananda, bringt man eine Gestaltung des Redens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber andere bringen eine Gestaltung des Redens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht. Mit Überlegung entweder, Ananda, bringt man eine Gestaltung des Redens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber ohne Überlegung, Ananda, bringt man eine Gestaltung des Redens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht.

 

16. Entweder selber, Ananda, bringt man eine Gestaltung des Denkens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber andere, Ananda, bringen eine Gestaltung des Denkens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht. Mit Überlegung entweder, Ananda, bringt man eine Gestaltung des Denkens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht; oder aber ohne Überlegung, Ananda, bringt man eine Gestaltung des Denkens hervor, infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht.

 

17. In diesen sechs Fällen, Ananda, ist man auf das Nichtwissen (als letzten Grund) hinaus gekommen *f78). Nach restlosem Verschwinden aber, Ananda, und nach Aufhebung des Nichtwissens gibt es kein körperliches Tun, infolge dessen einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht, - gibt es kein Reden, infolge dessen einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht, - gibt es kein Denken, infolge dessen einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht. Es gibt da kein Feld, es gibt da keine Grundlage, es gibt da keinen Bereich, es gibt da keine Beziehung *f79), infolge deren einem für die eigene Person Lust und Leiden entsteht."

 

 




*f74) P. sukhadukkham. Durch die Einsetzung dieses Begriffes, an Stelle von dukkham allein, unterscheidet sich der erste Teil unseres Sutta vom vorhergehenden.



*f76) P. káyasamcetaná - vacísamcetaná - manosamcetana. Zur Bedeutung von samcetaná vgl. rúpa-, sadda-, gandhasamcetaná usw. Dígha II. 309 (mehr als rúpasaññá usw.), sowie das Adj. samcetanika "bewußt, wissentlich" Vinaya II. 38, III. 112, IV. 30, 127; Majjhima III. 207; Anguttara V. 292.



*f77) P. káyasamkháram (vací-, manosamkháram) abhisamkharoti. Alles unser Tun besteht in körperlichem Handeln, Reden oder Denken. Jede einzelne Handlung, jedes Wort, jeder Gedanke ist eine Hervorbringung, ein Gebilde, eine Gestaltung, ein samkhára, und aus allen diesen einzelnen Gebilden (Mrs. Rhys Davids: "activities") setzt sich das Kamma zusammen, das die Wiedergeburt bestimmt. Seidenstücker (Páli-Buddhismus, S. 20) gebraucht die Ausdrücke "Körper-Prozeß, sprachlicher Prozeß, geistiger Prozeß."



*f78) P. avijjá anupatitá, d. h. durch logisches Verfolgen (wortl. Nachfliegen) der ganzen Verkettung der Ursachen hat man schließlich als letzten Grund die avijjá erreicht. Vgl. anupáta in vádánupáta, Anm. zu 12. 24. 6.



*f79) P. khettam, vatthu, áyatanam, adhikaranam. Der Sinn ist: es fehlen alle Voraussetzungen für die samkhárá.

 






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