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Samyutta Nikáya

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  • 12. Nidána-Samyutta - Von den Ursachen
    • 31-40 Kalárakhattiya-Vagga - Vom Edelmann Kalára
      • S.12.35. Aus dem Nichtwissen als Ursache entstanden (1)
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S.12.35. Aus dem Nichtwissen als Ursache entstanden (1)

 

Das Sutta ist, außer von Mrs. Rhys Davids (Kindered Sayings II. 43 f.) auch von H. C. Warren, Buddhism in Translations, S. 166 ff. übersetzt, sowie von Seidenstücker, Páli-Buddhismus Nr. 129, S. 212. -

Einer Bemerkung bedürfen die Ausdrücke in 15 und 16 visúkáyitáni visevitáni vipphanditáni, die ich mit "Verrenkungen, Verzerrungen, unruhige Seitensprünge" übersetze. Es hat über sie ausführlich R. O. Franke, Díghanikáya, übers., S. 5f., Anm. 8 (vergl. auch S. 41 f., Anm. 6 gegen Schluß) gesprochen, und ich kann ihm in der Hauptsache zustimmen. Man hat auszugehen von Majjhima 65 (I. 44612), wo die Ausdrücke von den unruhigen Bewegungen, dem Bocken und Ausschlagen eines untrainierten Pferdes gebraucht werden. Sie werden dann auf das geistige Gebiet übertragen, Samyutta I. 123 = Majjhima I. 234. An diesen beiden Stellen sind aber das tertium comparationis die zuckenden, krampfhaften Bewegungen eines Krebses, den Kinder aus dem Wasser aufs Land geworfen und verstümmelt haben. Gemeint ist also das ungeschulte, ungeregelte Denken, die geistige Zerfahrenheit und Unstetigkeit, und der Kommentar hat gewiß recht, wenn er (II. 897) die Ausdrücke als Synonyma zu miccháditthi "falsche Anschauung" erklärt. Es finden sich auch die Verbindungen ditthivisúkam ditthivipphanditam Majjh. 2 (I. 828) und 72 (I, 48529). Zu letzterem ist die Wurzel skr. spand "sich unruhig bewegen, zucken, ausschlagen" zu vergleichen. In naccagítaváditavisúkadassana Dígha I, 57, 6418 Vinaya I, 8336 endlich glaube ich visúka auf die Körperverrenkungen der Akrobaten beziehen zu müssen. Wir hätten hier also zu übersetzen "das Zuschauen bei Tanz, Gesang, Musik und Akrobatenaufführungen".

 

1. Ort der Begebenheit Sávatthí.

 

2. "Aus dem Nichtwissen als Ursache, ihr Bhikkhus, entstehen die Gestaltungen; aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein; aus dem Bewußtsein als Ursache entsteht Name und Form; aus Name und Form als Ursache entstehen die sechs Sinnesbereiche; aus den sechs Sinnesbereichen als Ursache entsteht die Berührung; aus der Berührung als Ursache entsteht die Empfindung; aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst; aus dem Durst als Ursache entsteht das Erfassen; aus dem Erfassen als Ursache entsteht das Werden; aus dem Werden als Ursache entsteht die Geburt; aus der Geburt als Ursache entsteht Alter und Tod. Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zustande."

 

3. "Was aber ist nun, Herr, Alter und Tod, und wem wieder wird dieses Alter und dieser Tod zu eigen?"

"Die Frage ist nicht richtig," erwiderte der Erhabene. "Wenn man, o Bhikkhu, sagte: ,was ist Alter und Tod, und wem wieder wird dieses Alter und dieser Tod zu eigen?' - oder wenn man, o Bhikkhu, sagte: ,ein anderes ist Alter und Tod, und ein anderes ist der, dem dieses Alter und dieser Tod zu eigen wird,' so wäre beides ein und dasselbe, nur der Ausdruck wäre verschieden. Wenn, o Bhikkhu, die Anschauung besteht, Leben und Körper seien dasselbe, so gibt es keinen heiligen Wandel; oder wenn, o Bhikkhu, die Anschauung besteht, ein anderes sei das Leben, und ein anderes sei der Körper, so gibt es keinen heiligen Wandel. Diese beiden Enden vermeidend, o Bhikkhu, verkündet in der Mitte der Tathágata die wahre Lehre: aus der Geburt als Ursache entsteht Alter und Tod."

 

4. "Was aber ist nun, Herr, die Geburt, und wem wieder wird diese Geburt zu teil?"

"Die Frage ist nicht richtig," erwiderte der Erhabene. "Wenn man, o Bhikkhu, sagte: ,was ist die Geburt, und wem wieder wird diese Geburt zu eigen?' - oder wenn man, o Bhikkhu, sagte: ,ein anderes ist die Geburt, und ein anderes ist der, dem diese Geburt zu eigen wird', so wäre beides ein und dasselbe, nur der Ausdruck wäre verschieden. Wenn, o Bhikkhu, die Anschauung besteht, Leben und Körper seien dasselbe, so gibt es keinen heiligen Wandel; oder wenn, o Bhikkhu, die Anschauung besteht, ein anderes sei das Leben, und ein anderes sei der Körper, so gibt es keinen heiligen Wandel. Diese beiden Enden vermeidend, o Bhikkhu, verkündet in der Mitte der Tathágata die wahre Lehre aus dem Werden als Ursache entsteht die Geburt.

 

5-13. Aus dem Erfassen als Ursache entsteht das Werden - aus dem Durst als Ursache entsteht das Erfassen - aus der Empfindung als Ursache entsteht der Durst - aus der Berührung als Ursache entsteht die Empfindung - aus den sechs Sinnesbereichen als Ursache entsteht die Berührung - aus Name und Form als Ursache entstehen die sechs Sinnesbereiche - aus dem Bewußtsein als Ursache entsteht Name und Form - aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein *f111)."

 

14. "Was aber sind nun, Herr, die Gestaltungen und wem wieder sind diese Gestaltungen eigen?"

"Die Frage ist nicht richtig," erwiderte der Erhabene. "Wenn man, o Bhikkhu, sagte: ,Was sind die Gestaltungen, und wem wieder sind diese Gestaltungen zu eigen?' - oder wenn man, o Bhikkhu, sagte: ,ein anderes sind die Gestaltungen, und ein anderes ist der, dem diese Gestaltungen zu eigen sind', so wäre beides ein und dasselbe, nur der Ausdruck wäre verschieden. Wenn, o Bhikkhu, die Anschauung besteht, Leben und Körper seien dasselbe, so gibt es keinen heiligen Wandel; oder wenn, o Bhikkhu, die Anschauung besteht, ein anderes sei das Leben, und ein anderes sei der Körper, so gibt es keinen heiligen Wandel. Diese beiden Enden vermeidend, o Bhikkhu, verkündet in der Mitte der Tathágata die wahre Lehre; aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen.

 

15. Nach dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung des Nichtwissens, o Bhikkhu, werden alle seine Verrenkungen *f112), Verzerrungen und unruhigen Seitensprünge, welche immer es seien, (nämlich): ,was ist Alter und Tod und wem wieder ist dieses Alter und dieser Tod zu eigen?' - oder: ein anderes ist Alter und Tod, und ein anderes ist der, dem dieses Alter und dieser Tod zu eigen wird.' - oder: ,Leben und Körper sind ein und dasselbe' - oder: ,ein anderes ist das Leben, und ein anderes ist der Körper.' - alle diese (Verrenkungen usw.) werden aufhören, an den Wurzeln abgeschnitten, ausgerodet *f113) und vernichtet, so daß sie künftighin nicht mehr dem Gesetze des Wiederentstehens unterworfen sind.

 

16. Nach dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung des Nichtwissens, o Bhikkhu, werden alle seine Verrenkungen, Verzerrungen und unruhigen Seitensprünge, welche immer es seien, (nämlich:) ,was ist Geburt *f114) - Werden - Erfassen - Durst - Empfindung - Berührung - die sechs Sinnesbereiche - Name und Form - Bewußtsein - oder: ,was sind die Gestaltungen, und wem wieder werden die Gestaltungen zu eigen? oder: ,ein anderes sind die Gestaltungen, und ein anderes ist der, dem diese Gestaltungen zu eigen werden, oder: ,Leben und Körper sind ein und dasselbe, oder: ,ein anderes ist das Leben, und ein anderes ist der Körper, - alle diese (Verrenkungen usw.) werden aufhören, an der Wurzel abgeschnitten, ausgerodet und vernichtet, so daß sie künftighin nicht mehr dem Gesetze des Wiederentstehens unterworfen sind.




*f111) Wieder sind die einzelnen Sätze in 5 bis 13 nach dem Beispiel von § 3 und 4 bezw. 14 auszuführen und den Abschluß jedes Teiles bildet die betreffende Formel aus der Kausalitätsreihe wie sie im Text oben gegeben ist.



*f112) Man hat natürlich yáni 'ssa táni und sabbáni 'ssa (= assa) táni zu lesen. Der Herausgeber scheint auch den Zusammenhang des Ganzen nicht richtig erfaßt zu haben da er den Satz avijjáya bis kánici kánici zum vorhergehenden Paragraphen zieht. Es ist mit ihm vielmehr der neue Paragraph 15 zu beginnen. Ebenso im folgenden.



*f113) P. tálavatthukatáni, wtl. zu einem Palmyrapalmengrundstück gemacht". Die Übersetzung in einen Palmyra-palmstumpf verwandelt vermag ich mit dem Páli-Ausdruck schwer zu vereinigen.



*f114) Wieder ist jeder einzelne Teil nach dem Muster von 15 ausgeführt zu denken, und den Abschluß jedes Teiles bildet jedesmal der Satz: Alle diese (Verrenkungen usw.) werden aufhören usw.




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