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Samyutta Nikáya IntraText CT - Text |
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41-50 Gahapativagga - Vom Hausvater
S.12.41. Die fünffache Furcht und Feindseligkeit (1)
Unser Sutta kehrt fast gleichlautend noch einmal im Samyutta (V. 387ff.) und im Anguttara (V. 183ff.) wieder. Ganz ähnlich ist die Fassung eines anderen Sutta des Anguttara (IV. 405), und teilweise gleichen Inhalt hat ein drittes Sutta des gleichen Nikáya (III. 204). Immer ist die Erörterung über die pañca bhayáni veráni mit dem Namen des Anáthapindika verknüpft. Die Erklärung des Begriffes selbst, der auf die fünf Hauptgebote der buddhistischen Ethik sich bezieht, ist nicht leicht. Nach den Angaben Buddhaghosas (Komm. zum S., II. 93.16ff) vermute ich, daß bhayáni veráni ein aufgelöstes Dvandva-Kompositum ist. Mrs. Rhys Davids übersetzt die Worte mit "(fivefold) guilty dread", faßt also vera offenbar als Adjektiv. Ebenso steht bei Seidenstücker, der das Sutta in seinem Páli-Buddhismus (Nr. 106, S. 147) übersetzt, "schreckliche Furcht". Mir scheint der Gedanke der zu sein, daß jede feindselige Handlung zugleich eine Furcht oder Gefahr einschließt, nämlich die der Vergeltung, der Rache. Wer also Feindseligkeit übt, lebt zugleich in der steten Angst vor der Vergeltung. Und diese Wechselwirkung setzt sich über das gegenwärtige Dasein hinaus in die folgenden Existenzen fort. Auch bei der "Furcht und Feindseligkeit", die mit dem Genuß der geistigen Getränke sich verbindet, ist an die Gewalttaten gedacht, die der Trunkene begeht und an ihre Folgen.
Über den Begrift sotápatti "Eintritt in den Strom" und die weiteren Stufen des Heilspfades vergl. die Vorbemerkungen zu Sutta 31 unseres Samyutta.
1. Ort der Begebenheit: Sávatthí.
2. Und es begab sich der Hausvater Anáthapindika dorthin, wo der Erhabene sich befand. Nachdem er sich dorthin begeben und den Erhabenen ehrfürchtig begrüßt hatte, setzte er sich zur Seite nieder. Zu dem zur Seite sitzenden Hausvater Anáthapindika sprach dann der Erhabene also:
3. "Wann ein edler Jünger, o Hausvater, die fünffache Furcht und Feindseligkeit überwunden hat, und mit den vier Merkmalen des Eintritts in den Strom ausgestattet ist, und die edle Methode *f121) mit dem Verstand wohl geschaut und völlig durchdrungen hat, so mag er wohl, wenn er es wünscht, selber von sich die Erklärung abgeben: ,Beseitigt ist für mich die Hölle, beseitigt ist für mich die Wiedergeburt in einem Tierleib, beseitigt ist fur mich das Bereich der Gespenster *f122), beseitigt ist für mich niedrige Daseinsform, leidvolle Existenz und Verdammnis *f123); ich bin einer, der in den Strom eingetreten ist, unmöglich ist für mich ein Rückfall in die Verdammnis, ich bin gesichert, die vollkommene Erleuchtung ist mein Ziel.
4. Welche fünffache Furcht und Feindseligkeit hat er überwunden?
5. Die Furcht und Feindseligkeit, o Hausvater, die einer, der Lebewesen vernichtet, infolge der Vernichtung von Lebewesen für das gegenwärtige Leben hervorruft, und die Furcht und Feindseligkeit, die er für das künftige Dasein hervorruft, wie auch das seelische Leid und die Betrübnis, die er (dabei) empfindet: - diese Furcht und Feindseligkeit hat er, da er sich der Vernichtung von Lebewesen enthält, auf solche Weise überwunden.
6. Die Furcht und Feindseligkeit, o Hausvater, die einer, der Nichtgegebenes wegnimmt, infolge der Wegnahme von Nichtgegebenem für das gegenwärtige Leben hervorruft, und die Furcht und Feindseligkeit, die er für das künftige Dasein hervorruft, wie auch das seelische Leid und die Betrübnis, die er (dabei) empfindet: - diese Furcht und Feindseligkeit hat er, da er sich der Wegnahme von Nichtgegebenem enthält, auf solche Weise überwunden.
7. Die Furcht und Feindseligkeit, o Hausvater, die einer, der in den Lüsten übel wandelt *f124), infolge des üblen Wandels in den Lüsten für das gegenwärtige Leben hervorruft, und die Furcht und Feindseligkeit, die er für das künftige Dasein hervorruft, wie auch das seelische Leid und die Betrübnis, die er (dabei) empfindet - diese Furcht und Feindseligkeit hat er, da er sich des üblen Wandels in den Lüsten enthält, auf solche Weise überwunden.
8. Die Furcht und Feindseligkeit, o Hausvater, die ein Lügner infolge des Lügens für das gegenwärtige Leben hervorruft, und die Furcht und Feindseligkeit, die er für das künftige Dasein hervorruft, wie auch das seelische Leid und die Betrübnis, die er (dabei) empfindet; - diese Furcht und Feindseligkeit hat er, da er sich der Lüge enthält, auf diese Weise überwunden.
9. Die Furcht und Feindseligkeit, o Hausvater, die einer, der dem Genuß der verschiedenen geistigen Getränke *f125) sich hingibt, infolge der Hingabe an den Genuß der verschiedenen geistigen Getränke für das gegenwärtige Leben hervorruft, und die Furcht und Feindseligkeit, die er für das künftige Dasein hervorruft, wie auch das seelische Leid und die Betrübnis, die er (dabei) empfindet - diese Furcht und Feindseligkeit hat er, da er sich der Hingabe an den Genuß der verschiedenen geistigen Getränke enthält, auf solche Weise überwunden. Diese fünffache Furcht und Feindseligkeit hat er überwunden.
10. "Mit welchen vier Merkmalen des Eintritts in den Strom ist er ausgestattet?
11. Da ist, o Hausvater, ein edler Jünger ausgestattet mit dem auf Erfahrung begründeten Glauben *f127) an den Buddha, nämlich so: der Erhabene ist der Vollendete, der vollkommen Erleuchtete, mit Weisheit und Tugend begabt, der Führer auf dem Heilspfade *f128), der Weltkenner, der unübertreffliche Leiter der Menschen, die noch der Erziehung bedürfen, der Meister der Götter und Menschen, der Buddha, der Erhabene.
12. Er ist ausgestattet mit dem auf Erfahrung begründeten Glauben an die Lehre: wohl verkündet ist vom Erhabenen die Lehre, im gegenwärtigen Dasein schon wirkend, an keine Zeit gebunden *f129), zu ihrer Betrachtung einladend *f130), zum Ziele führend, aus eigener Kraft *f131) zu verstehen von den Einsichtigen.
13. Er ist ausgestattet mit dem auf Erfahrung begründeten Glauben an die Gemeinde auf rechtem Weg wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf geradem Weg wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf dem Weg der richtigen Methode wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, auf dem Weg vorschriftsmäßigen Verhaltens wandelt die Gemeinde der Jünger des Erhabenen, nämlich die vier Paare von Persönlichkeiten, die acht Gruppen von Persönlichkeiten *f132). Diese Gemeinde der Jünger des Erhabenen verdient Verehrung, verdient gastliche Aufnahme, verdient Spenden, verdient Ehrfurchtsbezeugung mit gefalteten Händen, sie ist das beste Feld für verdienstliche Werke der Laienwelt.
14. Er ist ausgestattet mit den von den Edlen hochgeschätzten Tugenden der sittlichen Zucht, den lückenlosen, vollständigen, die ohne Schmutz sind und ohne Flecken, die frei machen, die von den Einsichtigen gepriesen sind, die von außen nicht beeinflußt werden, die zur geistigen Sammlung führen. Mit diesen vier Merkmalen des Eintritts in den Strom ist er ausgestattet."
15. "Welche edle Methode hat er mit dem Verstand wohl geschaut und völlig durchdrungen?
16. Da erwägt, o Hausvater, ein edler Jünger gut und reiflich das Gesetz von der ursächlichen Entstehung, nämlich: wenn jenes ist, tritt dieses ein; wenn jenes nicht ist, tritt dieses nicht ein; aus der Entstehung von jenem folgt die Entstehung von diesem; aus der Aufhebung von jenem folgt die Aufhebung von diesem.
17. Das heißt: aus dem Nichtwissen als Ursache entstehen die Gestaltungen; aus den Gestaltungen als Ursache entsteht das Bewußtsein usw. usw. ( = 1. 3) ... Auf solche Art kommt der Ursprung der ganzen Masse des Leidens zu stande. Aus dem restlosen Verschwinden aber und der Aufhebung des Nichtwissens folgt Aufhebung der Gestaltungen; aus der Aufhebung der Gestaltungen folgt Aufhebung des Bewußtseins usw. usw. (= 1. 4) ... Auf solche Art kommt die Aufhebung der ganzen Masse des Leidens zu stande. Diese edle Methode hat er mit dem Verstand wohl geschaut und völlig durchdrungen.
18. Wann nun ein edler Jünger, o Hausvater, diese fünffache Furcht und Feindseligkeit überwunden hat, und mit diesen vier Merkmalen des Eintritts in den Strom ausgestattet ist, und diese edle Methode mit dem Verstand wohl geschaut und völlig durchdrungen hat, so mag er wohl, wenn er es wünscht, selbst von sich die Erklärung abgeben: ,Beseitigt ist für mich die Hölle, beseitigt ist für mich die Wiedergeburt in einem Tierleib, beseitigt ist für mich das Bereich der Gespenster, beseitigt ist für mich niedrige Daseinsform, leidvolle Existenz und Verdammnis; ich bin einer, der in den Strom eingetreten ist; unmöglich ist für mich ein Rückfall in die Verdammnis, ich bin gesichert, die vollkommene Erleuchtung ist mein Ziel.' "
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*f121) P. ariya ñáya. Der Kommentar (II. 93.3) gibt ariya durch "fehlerfrei, einwandfrei wieder; zu ñáya bemerkt er: "Methode heißt das Gesetz von der Kausalität und der edle achtgliedrige Pfad ist auch Methode". *f122) P. pettivisaya. Die petá sind die schweifenden Seelen des Volksglaubens, die keine Stätte im Jenseits gefunden haben und auf die mitleidigen Spenden der Lebenden angewiesen sind. *f123) Die drei Ausdrücke apáya, duggati, vinipáta sind synonym und beziehen sich auf die unmittelbar vorher erwähnten Formen der Wiedergeburt in der Hölle, als Tier oder als Gespenst. Vgl. Rhys Davids und Stede, Páli Dict. u. d. W. apáya; Samy. Ko. Siam. Ausg. II. 123.13. Zur Übersetzung vergl. Franke, Dígha übers. s. 82. zu beachten ist, daß der Aufenthalt in der Hölle nach der buddhistischen Lehre keine ewige Dauer hat. Er nimmt, freilich oft erst nach vielen Jahrtausenden, ein Ende, wenn die Sünden, die ihn verursacht haben, gesühnt sind. Es handelt sich also mehr um ein "Purgatorium". *f124) P. kámesu miccácárin. Es ist dabei an sexuelle Zügellosigkeit gedacht; miccácára kann geradezu "Ehebruch" bedeuten. *f125) P. surámerayamajjapamádattháyí. Welche Art geistiger Getränke mit surá, meraya und majja gemeint sind, ist nicht mehr festzustellen. *f127) P. aveccapasádena. Das wort avecca (vgl. P. paticca, pecca, samecca) muß doch wohl auf skr. avetya (Wz. i mit ava "begreifen, verstehen, erfahren") zurückgeführt werden. Buddhaghosa (zu Suttanipáta 229) gibt es auch mit paññáya ajjhogahetvá wieder (s. Rhys Davids und Stede, Páli Dictionary u. d. W.), an unserer Stelle (Samy. Komm. II. 9412) freilich durch acala "unerschütterlich". *f128) P. sugata, wtl. "der gut gegangen ist", nämlich der Weg der Erlösung, den er nun der Menschheit zeigt. R. O. Franke übersetzt "der Pfadvollender". *f129) P. samditthika, akálika. Zu letzterem gibt zu Samy. 1. 20. 6 (= I. 913) der Kommentar (Siam. Ausg. I. 5310) die Erklärung, daß der dhamma unmittelbar nachdem er entwickelt ist, seinen Erfolg hat (phalam deti). *f130) P. ehipassika von ehi passa "komm' und sieh'". R. O. Franke: "der offen vor Augen liegt"; Mrs. Rhys Davids: "(bidding man) come and see". *f131) paccattam. . Der Komm. gibt paccattam mit "selber, durch sich selbst, nicht durch eines anderen Kraft" wieder. *f132) P. cattári purisayugáni, attha purisapuggalá. Bezieht sich auf die vier Stufen des Heilsweges (sotápatti usw.), von denen jede in zwei Unterstufen, magga und phala, zerfällt. Vgl. Einl. zu 12. 31. |
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