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Samyutta Nikáya IntraText CT - Text |
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S.12.66. Erwägung
1. Also habe ich vernommen. Einstmals weilte der Erhabene im Lande der Kurus. (Sein Aufenthalt war) das Dorf der Kurus mit Namen Kammásadamma *f194).
2. Da nun redete der Erhabene die Bhikkhus an: "Ihr Bhikkhus!" - "Ja, Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.
3. Der Erhabene sprach also: "Stellt ihr denn auch, ihr Bhikkhus, innere Erwägungen *f193) an?"
4. Nachdem er das gesagt, sprach ein Bhikkhu zu dem Erhabenen also: "Ich, Herr, stelle innere Erwägungen an."
5. "In welcher Weise aber stellst du, o Bhikkhu, die inneren Erwägungen an?"
6. Und es gab ihm der Bhikkhu Aufschluß; aber es befriedigte der Bhikkhu das Herz des Erhabenen nicht.
7. Nachdem also gesprochen war, sprach Ananda zu dem Erhabenen also: "Es ist die rechte Zeit dafür, o Erhabener, es ist die rechte Zeit dafür, o Führer auf dem Heilspfad, daß der Erhabene über innere Erwägungen spräche. Wenn sie vom Erhabenen es gehört, werden die Bhikkhus es behalten."
8. "So höret denn zu, Ananda, merket wohl auf; ich will es euch verkünden." "Wohl, Herr!" erwiderten die Bhikkhus aufhorchend dem Erhabenen.
9. Der Erhabene sprach also: "Da stellt, ihr Bhikkhus, ein Bhikkhu erwägend die innere Erwägung an: ,Dieses mannigfaltige verschiedenartige Leiden, das hier in derWelt entsteht, (nämlich) Alter und Tod, was hat wohl dieses Leiden zur Ursache, was zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung? Was muß denn vorhanden sein, daß Alter und Tod entsteht? Was muß denn nicht vorhanden sein, daß Alter und Tod nicht entsteht?' Erwägend erkennt er also: Dieses mannigfaltige verschiedenartige Leiden, das hier in der Welt entsteht, (nämlich) Alter und Tod, es hat dieses Leiden die Substrate *f195) zur Ursache, die Substrate zum Ursprung, die Substrate zur Herkunft, die Substrate zur Entstehung. Wenn ein Substrat vorhanden ist, entsteht Alter und Tod; wenn kein Substrat vorhanden ist, entsteht Alter und Tod nicht. Er erkennt Alter und Tod; er erkennt den Ursprung von Alter und Tod; er erkennt die Aufhebung von Alter und Tod; und er erkennt auch den geeigneten Weg, der zur Aufhebung von Alter und Tod führt. Auf diesem Wege befindlich wird er einer, der der Lehre gemäß wandelt. Ein solcher heißt, ihr Bhikkhus, ein Bhikkhu, der auf dem Weg ist zur rechten vollständigen Vernichtung des Leidens, zur Aufhebung von Alter und Tod.
10. Und weiter erwägend stellt er die innere Erwägung an: ,Das Substrat aber, was hat es zur Ursache, was zum Ursprung, was zur Herkunft, was zur Entstehung? Was muß denn vorhanden sein, daß ein Substrat entsteht? Was muß denn nicht vorhanden sein, daß ein Substrat nicht entsteht?' Erwägend erkennt er also: Das Substrat hat den Durst zur Ursache, den Durst zum Ursprung, den Durst zur Herkunft, den Durst zur Entstehung. Wenn der Durst vorhanden ist, entsteht ein Substrat; wenn kein Durst vorhanden ist, entsteht kein Substrat. Er erkennt das Substrat; er erkennt den Ursprung des Substrats; er erkennt die Aufhebung des Substrats; und er erkennt auch den geeigneten Weg, der zur Aufhebung des Substrats führt. Auf diesem Wege befindlich wird er einer, der der Lehre gemäß wandelt. Ein solcher heißt, ihr Bhikkhus, ein Bhikkhu, der auf dem Wege ist zur rechten vollständigenVernichtung des Leidens, zur Aufhebung der Substrate.
11. Und weiter erwägend stellt er die innere Erwägung an: ,Der Durst *f196) aber, wo entsteht er, wenn er entsteht; wo dringt er ein, wenn er eindringt *f197)? Erwägend erkennt er also: Was immer in der Welt lieb und annehmlich ist, da entsteht der Durst immer wieder; da dringt er immer wieder ein. ,Was aber ist in der Welt lieb und annehmlich?' Das Sehen *f198) ist in der Welt lieb und annehmlich hier entsteht der Durst immer wieder; hier dringt er immer wieder ein.
12-16. Das Hören ist in der Welt lieb und annehmlich usw.... das Riechen ist in der Welt lieb und annehmlich usw.... das Schmecken ist in der Welt lieb und annehmlich usw.... das Fühlen ist in der Welt lieb und annehmlich usw.... das Denken ist in der Welt lieb und annehmlich: hier entsteht der Durst immer wieder; hier dringt er immer wieder ein.
17. Alle die Samanas oder Bráhmanas aber, ihr Bhikkhus, die in der Vergangenheit das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für dauernd angesehen haben, für lustvoll an gesehen haben, für ihr Selbst angesehen haben, für Wohlfahrt angesehen haben, für den Frieden *f199) angesehen haben: die haben den Durst vermehrt.
18. Die den Durst vermehrt haben, die haben das Substrat vermehrt; die das Substrat vermehrt haben, die haben das Leiden vermehrt; die das Leiden vermehrt haben, die sind nicht erlöst worden von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie sind, behaupte ich, nicht erlöst worden vom Leiden.
19. Alle die Samanas oder Bráhmanas auch, ihr Bhikkhus, die in Zukunft das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für dauernd ansehen werden, für lustvoll ansehen werden, für ihr Selbst ansehen werden, für Wohlfahrt ansehen werden, für den Frieden ansehen werden die werden den Durst vermehren.
20. Die den Durst vermehren werden, die werden das Substrat vermehren; die das Substrat vermehren werden, die werden das Leiden vermehren; die das Leiden vermehren werden, die werden nicht erlöst werden von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich, nicht erlöst werden vom Leiden.
21. Alle die Samanas oder Bráhmanas auch, ihr Bhikkhus, die gegenwärtig das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für dauernd ansehen, für lustvoll ansehen, für ihr Selbst ansehen, für Wohlfahrt ansehen, für den Frieden ansehen: die vermehren den Durst.
22. Die den Durst vermehren, die vermehren das Substrat; die das Substrat vermehren, die vermehren das Leiden; die das Leiden vermehren, die werden nicht erlöst von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich, nicht erlöst vom Leiden.
23. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da eine Trinkschale *f200) wäre, (der Inhalt wäre) schön von Farbe, duftend und wohlschmeckend *f201) aber mit Gift vermengt. Und es käme da ein Mann herbei, von Hitze gequält, von Hitze erschöpft, ermüdet, lechzend, durstig. Und man spräche zu ihm also: ,Hier, lieber Mann, ist eine Trinkschale, (der Inhalt ist) schön von Farbe, duftend und wohlschmeckend, aber mit Gift vermengt. Wenn du wünschest, so trinke; wenn du trinkst, wird es dir munden durch seine schöne Farbe, seinen Duft und seinen Wohlgeschmack. Hast du aber getrunken, so wirst du infolge davon den Tod erleiden oder Schmerz, der zum Tode führt.' Und es tränke der Mann von der Trinkschale ungestüm und ohne zu überlegen und wiese sie nicht zurück, und er erlitte infolge davon den Tod oder Schmerz, der zum Tode führt.
24-27. Ganz ebenso, ihr Bhikkhus, vermehren alle die Samanas oder Bráhmanas, die in der Vergangenheit - in der Zukunft - gegenwärtig *f202) das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für dauernd ansehen, für lustvoll ansehen, für ihr Selbst ansehen, für Wohlfahrt ansehen, für den Frieden ansehen, den Durst. Die den Durst vermehren, die vermehren das Leiden, die werden nicht erlöst von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich, nicht erlöst vom Leiden.
28. Alle die Samanas oder Bráhmanas aber, ihr Bhikkhus, die in der Vergangenheit das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für vergänglich angesehen haben, für leidvoll angesehen haben, für etwas, was kein Selbst ist, angesehen haben, für Krankheit angesehen haben, für Gefahr angesehen haben: die haben den Durst aufgegeben. Die den Durst aufgegeben haben, haben das Substrat aufgegeben; die das Substrat aufgegeben haben, die haben das Leiden aufgegeben; die das Leiden aufgegeben haben, die sind erlöst worden von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie sind, behaupte ich, erlöst worden vom Leiden.
29-30. Alle die Samanas oder Bráhmanas auch, ihr Bhikkhus, die in Zukunft das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für vergänglich ansehen werden, für leidvoll ansehen würden, für etwas, was kein Selbst ist, ansehen werden, für Krankheit ansehen werden, für Gefahr ansehen werden: die werden den Durst aufgeben. Die den Durst aufgeben werden, die werden das Substrat aufgeben; die das Substrat aufgeben werden, die werden das Leiden aufgeben; die das Leiden aufgeben werden, die werden erlöst werden von Geburt Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung; sie werden, behaupte ich, erlöst werden vom Leiden.
31-32. Alle die Samanas oder Bráhmanas auch, ihr Bhikkhus, die gegenwärtig das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für vergänglich ansehen, für leidvoll ansehen, für etwas, was kein Selbst ist, ansehen, für Krankheit ansehen, für Gefahr ansehen: die geben den Durst auf. Die den Durst aufgeben, die geben das Substrat auf; die das Substrat aufgeben, die geben das Leiden auf; die das Leiden aufgeben, die werden erlöst von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich, erlöst vom Leiden.
33. Gerade so, ihr Bhikkhus, wie wenn da eine Trinkschale wäre, (der Inhalt wäre) schön von Farbe, duftend und wohlschmeckend, aber mit Gift vermengt. Und es käme da ein Mann herbei, von Hitze gequält, von Hitze erschöpft, ermüdet, lechzend, durstig. Und man spräche zu ihm also: ,Hier, lieber Mann, ist eine Trinkschale, (der Inhalt ist) schön von Farbe, duftend, und wohlschmeckend, aber mit Gift vermengt. Wenn du wünschest, so trinke; wenn du trinkst, wird es dir munden durch seine schöne Farbe, seinen Duft und seinen Wohlgeschmack. Hast du aber getrunken, so wirst du infolge davon den Tod erleiden oder Schmerz, der zum Tode führt.'
34. Und es dächte, ihr Bhikkhus, der Mann also: ,Es wäre mir ja nun möglich, meinen Durst nach Surá *f203) mit einem (kühlen) Trunke *f204) zu stillen oder mit saurem Rahm zu stillen oder mit gesalzener Gerstenbrühe oder mit gesalzener Kornbrühe zu stillen; aber ich möchte doch nicht trinken, was mir dann auf lange Zeit hinaus zu Schaden und Leiden gereichen würde. Und es tränke der Mann mit Überlegung nicht von der Trinkschale *f205), sondern wiese sie zurück, und er erlitte infolge dessen nicht den Tod oder Schmerz, der zum Tode führt.
35-40. Ganz ebenso, ihr Bhikkhus, geben alle die Samanas oder Bráhmanas, die in der Vergangenheit - in der Zukunft - gegenwärtig *f206) das, was in der Welt lieb und annehmlich ist, für vergänglich ansehen, für leidvoll ansehen, für etwas, was kein Selbst ist, ansehen, für Krankheit ansehen, für Gefahr ansehen, den Durst auf. Die den Durst aufgeben, die geben das Substrat auf; die das Substrat aufgeben, die geben das Leiden auf; die das Leiden aufgeben, die werden erlöst von Geburt, Alter und Tod, von Schmerzen, Kummer, Leid, Betrübnis und Verzweiflung. Sie werden, behaupte ich, erlöst vom Leiden."
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*f194) Über Kammásadamma s. die Vorbemerkungen zu Sutta 12. 60s12_60. *f193) P. sammasatha no tumhe antaram sammasam. Das Verb. sammas (skr. mars mrsati) bedeutet "berühren; über etwas hinstreichen" und in geistigem Sinn "prüfend erwägen, nachdenken über etwas." Ich verweise vor allem auf Játaka I, S. 75.27, wo es von dem erwägenden Verfolgen der Nidánakette gebraucht wird. Hieran ist ja auch an unserer Stelle gedacht. *f195) P. upadhi "Grundlage, Unterlage, Substrat". Der Begrift umfaßt alles, worauf unser Dasein beruht, und was uns das Dasein lieb und wertvoll erscheinen läßt. Vor allem gehören die khandhá, die "Wesensbestandteile" (s. 12.2.4. Note) zu den upadhayo, und sie sind nach dem Komm. (II. 153.10) an unserer Steile gemeint. Aber auch Hab und Gut, Weib und Kind sind nach Majjh. 26 (= I, S. 162) upadhayo, weil unser Herz an ihnen hängt. Dadurch, daß der folgende § 10 upadhi aus tanhá entstanden sein läßt, rückt der Begriff nahe an upádána "Erfassen" und áhára "Nahrungsstoff" heran. Grimm, Lehre des Buddha 6-8, S. 533, Nr. 2 faßt upadhi - so lautet das Wort im P., nie upádhi, und hat mit upádi etymologisch natürlich nichts zu tun - im Anschluß an Deussen als "Hinzufügung, Beilegung". Ebenso Seidenstücker, Páli Buddhism S. 381 (im Sinne von "wesensfremder Bestandteil"). *f196) Vgl. Dígha 22. 19 (= II. S. 308). *f197) P. uppaijamáná uppajjati - nivisamáná nivisati. Es sind hier die Objekte gemeint, denen der Durst sich zuwendet. Die Verbindung des Part. Praes. mit dem Verb. fin. soll wohl das regelmäßig Wiederkehrende, das Gesetzmäßige des Vorganges zum Ausdruck bringen. *f198) Im Text werden die Sinnesorgane Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Denksinn an Stelle ihrer Tätigkeit Sehen, Hören, usw. genannt. Man hat sich die ganze Stelle ausgeführt zu denken nach dem Muster der Parallele im Dígha. Hier werden nach den Organen auch die Objekte der Sinneswahrnehmung (rúpá "Formen, saddá "Töne, gandhá "Gerüche, rasá "Geschmäcke, photthabbá "Tastgefühle und dhamma, "die Dinge"), ferner die Sinneswahrnehmungen selbst usw. als "lieb und annehmlich" (piyarúpa und sátarúpa) bezeichnet. Aus der "Berührung der Sinne mit den Dingen der Außenwelt, ihren "Bereichen, geht eben "Empfindung" und "Durst" hervor. *f199) P. niccato, sukhato, attato, árogyato, khemato. Die Gegensätze dazu in 28 ff. sind aniccato, dukkhato, anattato, rogato, bhayato. Man beachte, daß khema Name für das Nirvana ist. Im Gegensatz dazu drückt bhaya die angstvolle Unruhe des samsára aus. *f200) P. ápáníyakamsa. Das gleiche Bild in ähnlichem Zusammenhang ist auch im Majjhima Nr. 46 und 105 (= I, S. 316 und II, S. 260) verwendet. *f201) P. vannasampanno gandhasampanno rasasampanno. Das letzte Wort fehlt hier im Text, ist aber ohne Zweifel nach dem Parallelismus der späteren Stellen (23 und 33) einzusetzen. *f202) Ist wieder ausgeführt zu denken nach 17 bis 22. *f203) surápipásitá. Die surá war das von den alten Indern offenbar am meisten genossene berauschende Getränk. *f204) Die Ausdrücke für die verschiedenen Getränke sind der Reihe nach páníyena (SKo. II. 155.14: sítena váriná "mit kühlem Wasser"), dadhimandakena (skr. dadhimanda), matthalonikáya (SKo. salonena sattupáníyena), zu skr. saktu "Grütze", bes. "Gerstengrütze), lonasovírakena (skr. sauvíra "saurer Gersten-, Reis- oder Weizenschleim"). *f205) Es ist natürlich ápáníyakamsam patisamkhá zu lesen. *f206) Ausgeführt zu denken nach 28 bis 32. |
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